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Trauermarsch: Hersbrucker beerdigen ihr Krankenhaus | BR24

© Bayerischer Rundfunk

Das Krankenhaus in Hersbruck hat vorzeitig seinen Betrieb eingestellt, da die verbliebenen Ärzte gekündigt hatten. Die Hersbrucker haben ihr Krankenhaus deswegen demonstrativ beerdigt.

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Trauermarsch: Hersbrucker beerdigen ihr Krankenhaus

Mit einem Trauermarsch durch die Stadt haben die Hersbrucker ihr Krankenhaus beerdigt. Denn das Krankenhaus stellt offiziell seinen Betrieb ein – vorzeitig, nachdem die fünf verbliebenen Belegärzte im April gekündigt hatten.

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Begleitet von Posaunenbläsern sind etliche Bürger von der Hersbrucker Gartenstraße zum Krankenhaus gezogen. Dort hatte die Bürgerinitiative "Unser Herz schlägt fürs Hersbrucker Krankenhaus" dazu aufgerufen, die "leeren Versprechungen" aller Beteiligten symbolisch platzen zu lassen.

Empörung über taube Ohren

Viele Bürgerinnen und Bürger sind vor allem darüber empört, dass ihre Hilferufe in den vergangenen zwei Jahren nach ihrem Gefühl zu wenig Gehör fanden. Die Bürgerinitiative hatte sich nach der Ankündigung der Schließung an den damaligen bayerischen Heimatminister Markus Söder (CSU), Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) und an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gewandt. Außerdem an den Klinikträger, die Krankenhäuser Nürnberger Land GmbH, eine Tochter des Klinikums Nürnberg. Doch jeder habe die Verantwortung für das Aus des Krankenhauses anderen zugeschoben, heißt es.

Zugleich beklagen die Organisatoren der Bürgerinitiative, dass allein die Ankündigung der Schließung dafür gesorgt habe, dass mehrere Arztpraxen in Hersbruck schließen mussten. Auch die ärztliche Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, die im Krankenhaus angesiedelt ist, musste ihren Betrieb vorerst einstellen, weil sie auf die Infrastruktur in der Klinik angewiesen ist. Die Klinik und die ärztliche Versorgung in Hersbruck seien systematisch ausgeblutet worden, heißt es von der Bürgerinitiative weiter.

Jahre früher als geplant

Eigentlich wollte die Krankenhäuser Nürnberger Land GmbH, eine Tochtergesellschaft des Klinikums Nürnberg, das Krankenhaus in Hersbruck erst im Jahr 2022 schließen. Als Grund wurden abnehmende Patientenzahlen und die marode Bausubstanz der Klinik angeführt. Die notwendigen Investitionen schätzte ein Gutachten auf weit über 20 Millionen Euro. Darüberhinaus hatten zwei Belegärzte gekündigt. Vor gut einem Jahr dann reduzierte die Krankenhäuser Nürnberger Land GmbH wegen des Mangels an Pflegekräften die Zahl der Betten von 60 auf 30 – zu wenig für die verbliebenen fünf Belegärzten, denen es zudem nicht mehr gelang, ausreichend Assistenzärzte zu finden. Die Arbeitsbelastung wurde ihnen zu hoch – sie kündigten ihren Vertrag vorzeitig.

Ministerin setzt sich für Alternativen ein

Unterdessen lässt Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) Alternativen prüfen. Sie habe bereits vorige Woche mehrere Beteiligte zu einem runden Tisch in ihr Ministerium eingeladen, erklärte Huml. Ziel sei es, das medizinische Angebot in Hersbruck weiterhin attraktiv zu gestalten. Eine Möglichkeit könnte etwa ein Ärztehaus im Zentrum von Hersbruck sein. Ein Investor plant Huml zufolge ein entsprechendes Angebot. In diesem Ärztehaus könne auch eine Tagesklinik untergebracht werden. Patienten, die ein Arzt nicht gleich ins Krankenhaus einweisen will, bei denen er aber auch kein gutes Gefühl hat, sie sofort nach Hause zu entlassen, könnten hier für einige Stunden beobachtet werden. Trotz der Schließung des Hersbrucker Krankenhauses sei die medizinische Versorgung in Hersbruck gewährleistet, versicherte Huml. Patienten könnten die Kliniken in Lauf und Altdorf nutzen, so die Ministerin.