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Trauer um Münchner Zeitzeugen Uri Siegel | BR24

© dpa / Matthias Balk

Zeitzeuge Uri Siegel ist im Alter von 97 Jahren gestorben

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    Trauer um Münchner Zeitzeugen Uri Siegel

    Der jüdische Zeitzeuge Uri Siegel ist tot. Wie die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern mitteilte, starb er am 26. Juni im Alter von 97 Jahren in München. Siegel war ein Neffe des einstigen FC-Bayern-Präsidenten Kurt Landauer.

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    Die Nachricht von Siegels Tod hinterlasse bei ihr tiefe Trauer und Schmerz, erklärte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch. Als einer der letzten Menschen habe er noch das alte Münchner Judentum vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten gekannt und konnte darüber berichten.

    "Eine Welt ohne ihn und seine Erinnerungen ist eine ärmere." Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

    Uri Siegel, der eigentlich Ulrich hieß, war ein Neffe des einstigen FC-Bayern-Präsidenten Kurt Landauer. 1922 wurde Siegel in München als Sohn jüdischer Eltern geboren. 1934 wanderte die Familie nach Palästina aus. 1956 kehrte er nach München zurück, wo er in die Fußstapfen seines Vaters trat und bis ins hohe Alter als Rechtsanwalt arbeitete.

    Nazis demütigen Verwandten Michael Siegel

    Der Übersiedelung der Familie nach Palästina war die öffentliche Demütigung und Misshandlung von Michael Siegel vorausgegangen. Der war ein Cousin und Sozius von Uri Siegels Vater und ebenfalls Rechtsanwalt. Michael Siegel wurde im März 1933 von den Nationalsozialisten durch München getrieben mit einem Schild um den Hals, auf dem "Ich werde mich nie mehr bei der Polizei beschweren" stand.

    "Mein Vater beschloss nach diesem Ereignis, dass wir auswandern." Uri Siegel in einem BR-Interview

    Weniger als ein Jahr später war die Familie bereits in Palästina.

    Einsatz gegen das Vergessen

    Charlotte Knobloch hält es für bemerkenswert und ein großes Glück für München, dass Uri Siegel dennoch in den Fünfzigerjahren nach München zurückkehrte. Knobloch lobt die wichtige Rolle, die Siegel in der jüdischen Gemeinschaft, aber auch in der Stadtgesellschaft seiner Geburtsstadt über viele Jahre spielte.

    Siegel war es – genauso wie Max Mannheimer – wichtig, sich immer wieder aktiv gegen das Vergessen einzubringen. So war er von 1971 bis 1990 Geschäftsführer des Landesverbandes Bayern der Israelitischen Kultusgemeinden. Als Rechtsanwalt setzte er sich für jüdische Mandanten für eine Wiedergutmachung ein.

    "Die Geschichte seiner Familie ist auch eine Geschichte unserer Stadt." Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

    Ein München ohne die Familie Siegel sei über viele Jahrzehnte unvorstellbar gewesen, betonte Charlotte Knobloch in ihrer Würdigung. Mit Uri Siegels Tod sei dies nun zur schmerzlichen Realität geworden.

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