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Trauer um Bundestags-Urgestein Ernst Hinsken (CSU) | BR24

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Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Ernst Hinsken (CSU) ist am Sonntag im Alter von 77 Jahren verstorben.

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    Trauer um Bundestags-Urgestein Ernst Hinsken (CSU)

    Der verstorbene CSU-Politiker Ernst Hinsken aus Haibach im Kreis Straubing-Bogen wird am kommenden Samstag in seiner Heimatgemeinde beigesetzt. Hinsken ist am vergangenen Sonntag nach langer Krankheit verstorben. Er saß 33 Jahre im Bundestag.

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    Von
    • Andrea Neumeier

    Der verstorbene CSU-Politiker Ernst Hinsken aus Haibach im Kreis Straubing-Bogen wird am kommenden Samstag um 10 Uhr in seiner Heimatgemeinde beigesetzt. Damit trotz der Corona-Beschränkungen möglichst viele Menschen an dem Trauergottesdienst teilnehmen können, soll das Requiem aus der Haibacher Pfarrkirche auf eine LED-Wand ins Freie übertragen werden, wie die Bezirksgeschäftsstelle der CSU Niederbayern auf Anfrage mitteilte.

    Trauerfeier auch in Regen

    Des Weiteren will der Landkreis Regen mit einer öffentlichen Gedenkfeier an den verstorbenen ehemaligen CSU-Bundestagsabgeordneten erinnern. Bis zu 130 Menschen können sich per Email oder telefonisch im Landratsamt zu der Trauerfeier am kommenden Dienstag um 18 Uhr anmelden. Sie findet in der Stadtpfarrkirche in Regen statt. Hinsken habe "als Bundestagsgeordneter und parlamentarischer Staatssekretär viel für die Region und die Menschen erreicht", sagte Regens Landrätin Rita Röhrl (SPD). Deshalb soll den Bürgerinnen und Bürgern des Landkreises Regen die Möglichkeit gegeben werden, sich zu verabschieden.

    33 Jahre im Parlament

    Der ehemalige Bundestagsabgeordnete, Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium und Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Ernst Hinsken (CSU), war am Sonntagnachmittag im Alter von 77 Jahren verstorben. Hinsken saß 33 Jahre lang als direkt gewählter Abgeordneter für den Wahlkreis Straubing-Regen im deutschen Bundestag und war bei mehreren Bundestagswahlen Stimmenkönig. Mehr als 74 Prozent der Erststimmen hat er bei der Wahl 2005 geholt.

    Stimmenkönig bei der Bundestagswahl

    Wie sein Sohn Stefan Hinsken dem BR bestätigte, hatte sich der Gesundheitszustand seines Vaters in den vergangenen 14 Tagen rapide verschlechtert. "Davor ging es ihm noch gut, da war er noch sehr aktiv, ging walken und war unterwegs", sagte Stefan Hinsken dem BR. Sein Vater habe zwar lange an Leberkrebs gelitten, sei jedoch nicht ausschließlich daran verstorben.

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    Ernst Hinsken empfängt Bundeskanzlerin Angela Merkel 2014 in Mecklenburg-Vorpommern beim 110. Deutschen Bädertag.

    Nationalhymne nach dem Mauerfall

    Bundesweite Bekanntheit erlangte der niederbayerische Abgeordnete vor allem durch zwei Ereignisse: Als am 9. November 1989 in Berlin die Mauer fiel, stimmte Hinsken am Ende der Plenarsitzung im deutschen Bundestag gemeinsam mit ein paar Abgeordneten spontan die Deutschlandhymne an. "Ich erinnere mich noch sehr gut an den Tag", erzählt sein Sohn, der damals 15 Jahre alt war. Sein Vater sei abends aus Bonn nach Hause gekommen. "Er hat deutlich gemacht, welche historische Dimension dieses Ereignis gerade hat."

    Rote Laterne für den SPD-Minister

    Dank Ernst Hinsken steht eine rote Bahnhofslaterne aus dem Bayerischen Wald in Bonn im "Haus der Geschichte". Hintergrund war, dass Deutschland 2002 beim Wirtschaftswachstum Schlusslicht in Europa war. "Und mein Vater wollte das irgendwie transparent machen, dass wir Schlusslicht sind", erinnert sich sein Sohn. Die rote Zuglaterne soll er sich in Bayerisch Eisenstein besorgt haben. In der Plenardebatte überreichte Hinsken die Laterne dann dem Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos). Dafür kassierte er eine Rüge vom damaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse.

    Mit Merkel und Sarkozy in Straubing

    Über politische Erfolge - sowohl große als auch kleine - habe sich Ernst Hinsken immer sehr gefreut. "Da könnte ich jetzt eine ganze Litanei aufzählen, auf was er stolz war", sagt sein Sohn. Ein großes Ereignis sei für ihn sicherlich der deutsch-französische Gipfel 2008 in Straubing gewesen. Um sich auf die EU-Ratspräsidentschaft vorzubereiten, bereiste Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy verschiedene Länder. Bundeskanzlerin Merkel empfing ihn damals in Straubing. "Mit Sarkozy und Merkel am Stadtplatz in Straubing - das war für ihn schon ein besonderes Ereignis", sagt Stefan Hinsken.

    Politische Weggefährten und Parteifreunde trauern

    Viele politische Weggefährten und Parteifreunde trauern um Ernst Hinsken. CSU-Chef Markus Söder erklärte auf Twitter, Hinsken sei "ein großartiger Mensch und ein politisches Urgestein" gewesen. "Als bürgernaher Repräsentant seiner niederbayerischen Heimat konnte er viel für die Region erreichen."

    Der stellvertretende CSU-Chef Manfred Weber bezeichnete Hinsken als Vollblutpolitiker: "Er war für ganze Politikergenerationen ein Vorbild: Seine Einsatz- und Leistungsbereitschaft, die Leidenschaft und auch die Hartnäckigkeit, mit der er sich für die großen und kleinen Projekte und Themen seiner Heimat eingesetzt hat, brachten ihm weit über Niederbayern hinaus Anerkennung."

    Der niederbayerische CSU-Vorsitzende Andreas Scheuer hob Hinskens politischen Verdienste hervor: "Mit Ernst Hinsken bleiben auch über seinen Tod hinaus viele Projekte in Niederbayern in Verbindung: Der Aufbau des Wissenschaftszentrums zum Universitätsstandort in Straubing, die Glasstraße durch den Bayerischen Wald und sein nimmermüder Einsatz für die Belange des Mittelstandes und der regionalen Wirtschaft."

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    Ernst Hinsken am Rednerpult im Deutschen Bundestag in Bonn während einer Debatte im Mai 1995.

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