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Eine Bürgerbewegung der Stadt Bergrheinfeld kämpft gegen geplante Stromtrassen, die Strom aus Norddeutschland transportieren sollen. Sie fordern aufgrund einer fehlenden Kosten-Nutzen-Analyse einen Planungsstopp.

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Trassengegner fordern Kosten-Nutzen-Analyse von SuedLink

Schon seit Jahren gibt es Proteste gegen geplante Stromleitungen wie den SuedLink. Nun bekräftigen Trassengegner ihre Forderung nach einer Untersuchung, ob sich solche Milliardenprojekte lohnen. Ihrer Meinung nach gäbe es Alternativen.

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Von
  • Ralph Wege

"Es geht einfach um ein Riesen-Projekt, was nicht gerechtfertigt ist", erklärt Trassengegner Norbert Kolb. Er ist Vorstand der Bürgerinitiative Bergrheinfeld e.V.. Seit sieben Jahren wehrt er sich mit anderen gegen einen, wie er sagt, "überdimensionierten" Stromnetzausbau. Dieser würde sich nach seiner Einschätzung nicht lohnen. Darum fordert er eine Untersuchung über den Nutzen solcher Stromleitungen wie SuedLink.

SuedLink verläuft durch ganz Deutschland

In Norddeutschland beginnend verläuft die Stromtrasse auch durch Unterfranken. Ein Teil endet in Bergrheinfeld, ein zweiter in Baden-Württemberg. Insgesamt soll SuedLink rund 670 Kilometer lang werden. In Bergrheinfeld könne man die Leitungs-Infrastruktur des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld weiterhin nutzen. Dieses ging 2015 vom Netz.

Trassen für Windstrom aus Norddeutschland

Für die Genehmigung der Trassen wie SuedLink ist die Bundesnetzagentur zuständig. Diese ist der Ansicht, die geplanten Leitungen seien notwendig. Denn Kohle- und Kernkraftwerke gingen in den nächsten Jahren vom Netz. Dadurch komme es zu einer "Stromerzeugungslücke" in Süddeutschland. Windstrom aus dem Norden solle diese schließen.

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Die Stromtrasse SuedLink soll von Nord- nach Sueddeutschland verlaufen.

Trassengegner befürchten Verzögerung der Energiewende

Kolb befürchtet aber, dass solche Trassen die Energiewende und damit den Klimaschutz eher verzögern würden. Denn es könne im Ausland produzierter Atom- und Kohlestrom durch die Trassen fließen. Somit würden Anreize verloren gehen, dass unter anderem Kommunen grünen Strom selbst erzeugen, beispielsweise durch Photovoltaikanlagen und Windkraft. Eine klimafreundliche dezentrale Energieerzeugung sei möglich, meint Kolb.

Experte rät zu Reservekraftwerken anstatt neuer Trassen

Ähnlich sieht es auch der Energie-Experte Lorenz Jarass, Professor an der Hochschule Rhein-Main Wiesbaden. SuedLink könne laut dem Energie-Experten nicht verhindern, dass es in Bayern dunkel werde, wenn oben im Norden kein Wind wehe. "Deshalb müssten in Bayern statt neuer Leitungen Reservekraftwerke gebaut werden, die nicht von Sonne und Wind abhängig sind – beispielsweise kleine, dezentrale Blockheizkraftwerke, die mit Holz oder erneuerbarem Gas den Strom erzeugen", sagt Jarass.

Energieversorger: Strom könne komplett regional erzeugt werden

Rainer Kleedörfer vom fränkischen Energieversorger N-ERGIE nannte zu diesem Thema einige Zahlen: Im Netzgebiet der N-ERGIE seien über 60 Prozent des dort verbrauchten Stroms auch regional erzeugt worden. Kleedörfer erwartet, dass jedes Jahr weitere Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien in einer Größenordnung von rund 300-400 Megawatt hinzukämen. Damit könnten in wenigen Jahren "annähernd oder sogar über 100 Prozent" des im Netzgebiet verbrauchten Stroms auch regional erzeugt werden.

Trassengegner fordern politische Diskussion

Angesichts der Milliarden-Kosten sehen Trassengegner wie Norbert Kolb eine politische Diskussion über die Kosten-Nutzen-Rechnung des geplanten Stromnetzausbaus als längst überfällig an. Unterstützung könnte er vom Bayerischen Wirtschaftsministerium bekommen. Dieses schrieb auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks: "Die heutigen Trassenplanungen des Bundes sind nicht in Stein gemeißelt und müssen sich immer an der Frage der Notwendigkeit messen."

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