BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Transplantationen und die Corona-Krise: Kaum Auswirkungen | BR24

© BR

Die Corona-Pandemie hat sich bislang nicht wesentlich auf die Arbeit des Transplantationszentrums Erlangen ausgewirkt. 78 Organe wurden im vergangenen Jahr in Erlangen transplantiert.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Transplantationen und die Corona-Krise: Kaum Auswirkungen

Die Corona-Pandemie hat sich 2020 nicht wesentlich auf die Arbeit des Transplantationszentrums Erlangen ausgewirkt. Dort wurden im vergangenen Jahr 78 Transplantationen durchgeführt. Die Zahl der Organspender ging nur leicht zurück.

Per Mail sharen
Von
  • Marc Neupert

Mit der Corona-Pandemie brach die Zahl der Menschen, die sich einen Organspendeausweis machen ließen, ein. Zuvor hatte das Jahr 2020 auch für die Mediziner des Transplantationszentrum Erlangen vielversprechend angefangen. Nachdem der Bundestag Mitte Januar mehrheitlich für die sogenannte Entscheidungslösung abgestimmt hatte, um die Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende in Deutschland zu stärken, wurden in den ersten beiden Monaten des Jahres prompt etwa doppelt so viele neue Organspende-Ausweise ausgestellt wie in den Vorjahren.

In Deutschland nur geringer Rückgang an Organspendern

Doch trotz des Einbruchs habe die Pandemie in Deutschland einen vergleichsweise milden Effekt auf die Organ-Spendenzahlen, so Prof. Dr. Michael Weyand vom Erlanger Transplantationszentrum. Der Rückgang bis Ende November 2020 liege bundesweit bei etwa 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In Erlangen liege man sogar nur etwa zehn Prozent unter den Zahlen des Vorjahres, so Weyand: “Im internationalen Vergleich ist das wenig. Frankreich und Italien hatten 2020 nur halb so viele Organspender wie in den Vorjahren. In den USA liegt der Rückgang sogar bei 75 Prozent. Das sind alles Länder, die normalerweise mehr Organspender haben als Deutschland.“

Warten auf ein Spenderorgan bleibt

78 Organe – konkret Herzen, Nieren und Bauchspeicheldrüsen – wurden im vergangenen Jahr in Erlangen transplantiert. Die Wartelisten sind nach Ansicht von Weyand kaum länger geworden. Doch wurden die Listen im vergangenen Jahr auch kaum abgebaut.

Aktuell warten Weyand zufolge mehr als 11.000 Patienten und Patientinnen auf eine Organspende. Nicht signifikant mehr als in den Vorjahren. Die Sterblichkeit von Patienten auf der Warteliste habe durch Corona ebenfalls nicht zugenommen, so Weyand.

Corona-Maßnahmen beeinflussen Transplantationen nicht

Die Hygienemaßnahmen sind unabhängig von der Corona-Pandemie in den Transplantationszentren sehr streng. Angesteckt habe sich bislang kein Transplantationspatient. Sowohl Spender als auch Organ-Empfänger brauchen für die Verpflanzung einen negativen Corona-Test. Auf Empfehlung der deutschen Transplantationsgesellschaft haben alle Zentren in Deutschland das Programm mit Lebendspenden wegen Corona weitgehend zurückgefahren. Hier sei das Risiko einer Ansteckung mit Covid-19 zu groß, so der Mediziner. Allein 20 solcher Lebensspenden (Nieren) wurden im 2. Halbjahr 2020 in Erlangen abgesagt.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!