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Traktor-Demos in ganz Bayern: Tausende Bauern protestieren | BR24

© BR/Ernst Weber

In Bayern haben tausende Bauern gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung protestiert. In München und Würzburg legten sie mit ihren Traktoren den Verkehr lahm. In München nahmen rund 2.000 Bauern an der Kundgebung teil.

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Traktor-Demos in ganz Bayern: Tausende Bauern protestieren

Tausende Landwirte haben in Bayern mit Traktor-Konvois demonstriert. Ihr Protest richtet sich gegen das Agrarpaket der Bundesregierung, zudem beklagen sie "Stimmungsmache" gegen Bauern. Große Demonstrationen gab es in München, Würzburg und Bayreuth.

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Sie fühlen sich als die "Buhmänner der Nation" und sehen sich in ihrer Existenz bedroht: Zehntausende Landwirte haben bundesweit gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung demonstriert. Auch in Bayern hat es zahlreiche Protestaktionen gegeben.

In München waren 1.000 Traktoren auf den Straßen unterwegs und legten den Verkehr lahm. Mit Behinderungen ist bis zum Nachmittag zu rechnen. Bei der Demonstration auf dem Odeonsplatz zählte die Polizei rund 2.000 Teilnehmer.

Weil in der Würzburger Innenstadt durch hunderte Traktoren ein Verkehrskollaps drohte, mussten die Organisatoren die zentrale Protestkundgebung in der Nähe der Residenz absagen. In Oberfranken hatten sich mehr als 900 Landwirte zu einer Sternfahrt nach Bayreuth aufgemacht.

Bauern fühlen sich gegängelt

Viele Bauern sind wütend. Sie fühlen sich von der Politik gegängelt. Durch strengere Verordnungen zum Beispiel bei der Tierhaltung und dem Pestizideinsatz sehen sich kleinere Betriebe sogar in ihrer Existenz bedroht. Landwirt Andreas Wolfrum schilderte heute auf der Protestkundgebung in Bayreuth: "Wir wollen dem Verbraucher zeigen, dass wir Landwirte in der Nachbarschaft noch da sind. Solidarisiert Euch mit uns, kämpft mit uns! Denn wenn die Politik so weitermacht, wird es uns in der Nachbarschaft bald nicht mehr geben."

Die Initiatoren beklagen außerdem "permanente negative Stimmungsmache" und "Bauernbashing". Das richtet sich vor allem gegen die Vorwürfe von Umweltschützern und Politikern, dass die konventionelle Landwirtschaft schlecht für Natur, Umwelt und Trinkwasser sei.

"Wir sind der Fußabtreter von allen Leuten", sagte ein Landwirt auf einer Demo. "Da wollen wir ein Zeichen setzen, dass das nicht so ist. Nicht nur wir sind am Klimawandel Schuld, oder an den Nitratwerten."

Organisation der Demos über soziale Netzwerke

Die Landwirte und Landwirtinnen, die jetzt nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland demonstrieren, haben sich über Facebook und WhatsApp organisiert. Sie betonen ihre Unabhängigkeit von Verbänden wie dem Bauernverband.

Die Bauern wehren sich gegen strengere Auflagen. Zum Beispiel sollen sie bald weniger Dünger und Gülle ausbringen, um das Grundwasser vor Nitrat zu schützen. Und zum Schutz von Insekten und Vögel, die immer mehr verschwinden, sollen sie zum Beispiel weniger Pestizide spritzen. Die Landwirte wollen unter anderem, dass erst noch genauer nach den Ursachen geforscht wird.

Politiker meldeten sich zu Wort

Gegen 12 Uhr sprach Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) in München zu den Landwirten, zeigte Verständnis und kündigte Gesprächsrunden an. Aus Berlin kam auch eine Stellungnahme von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU): "Das Ziel muss sein, wir müssen landwirtschaftliche Praxis mit den berechtigten Ansprüchen der Gesellschaft zusammenbringen. Ich sehe nicht, dass das zur Zeit so ist." Klöckner schlug außerdem ein nationales Dialogforum vor. Alle Seiten bräuchten den Willen, "miteinander statt übereinander zu reden."

20 Veranstaltungen in Deutschland

Die Initiative "Land schafft Verbindung" hatte zu den Kundgebungen aufgerufen - sie berichtete von insgesamt fast 20 Veranstaltungen in Deutschland. In der Initiative haben sich nach eigenen Angaben Anfang Oktober Landwirte "verbandsübergreifend und parteiunabhängig" zusammengeschlossen.

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Tausende Landwirte haben mit Traktoren gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung prostestiert. Nach Schätzungen der Polizei demonstrierten rund 2.000 Bauern in München und jeweils 1.000 in Würzburg und Bayreuth.