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"Tränen der Wut": Corona-Pfleger kritisieren Augsburger Klinik | BR24

© picture-alliance/dpa

Symbolbild Pflegepersonal

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    "Tränen der Wut": Corona-Pfleger kritisieren Augsburger Klinik

    Wegen Corona stehen Ärzte und Pflegepersonal vor ungekannten Herausforderungen. Nun wird die Befürchtung laut, dass dabei das Recht der Belegschaft auf der Strecke bleibt. Besonders harte Vorwürfe werden am Uni-Klinikum Augsburg laut.

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    "Man weint aus Wut und Verzweiflung", berichtet eine Pflegekraft aus einem sensiblen Bereich des Augsburger Uni-Klinikums. Mehrere Beschäftigte berichten von persönlichem Druck durch Ärzte – und erheben schwere Vorwürfe gegen die ärztliche Leitung.

    Beispielsweise würden noch immer Operationen durchgeführt, die nicht dringend seien – obwohl eine Anordnung gilt, wegen Corona darauf zu verzichten. "Es geht ums Finanzielle", sagt eine Pflegekraft. "Wir haben viele kleine Bereiche, wo diese OPs immer wieder stattfinden. Und was ich besonders erschreckend finde: Wenn Kollegen aufbegehren und fragen, warum machen wir das noch, dann wird denen gesagt, sie sollen doch bitte zuhause bleiben."

    Aktuelle Entwicklungen zum Coronavirus in Schwaben finden Sie hier.

    Kritik an OP-Auswahl: Oberarzt freigestellt

    Dies sei auch einem Oberarzt mitgeteilt worden, der die OP-Auswahl kritisiert habe. Die Uni-Klinik erwidert, dass bei dem Mediziner eine "psychische Verunsicherung" erkennbar gewesen sei. Deshalb sei ihm die Freistellung angeboten worden. Abgesehen davon sei es Sache der Ärzte, über die Dringlichkeit einer OP zu entscheiden. Ein aufschiebbarer Eingriff könne sich zu einem dringlichen Eingriff entwickeln.

    Doch die Pflegekräfte erheben weitere Vorwürfe. Es gehe um eine mehrfach – auch schriftlich – geäußerte Bitte um mehr Einarbeitung, etwa für die Beatmungsmaschinen der Corona-Patienten. "Ganz wichtig sind die Beatmungseinstellungen bei den Erkrankten, die deutlich von normalen Beatmungen abweichen", schildert eine Pflegekraft.

    Studenten auf der Corona-Intensivstation

    Doch die erwünschten Schulungen bekämen sie nicht. Es würden lediglich Einweisungen für einige Geräte organisiert, "und auch das nur auf Eigeninitiative". Stellt sich eine wichtige Frage: Könnten dadurch Patienten gefährdet werden? "Das ist immer schwierig zu beantworten", sagt eine Pflegekraft, "aber ich würde das nicht verneinen."

    Eine andere Pflegekraft berichtet, dass auch Medizin-Studenten in der Corona-Intensivstation als Hilfskräfte eingesetzt würden. Diese bräuchten aber selbst Anweisungen und würden die Arbeit so weiter erschweren. Besonders, da die Teams aus mehreren Abteilungen zusammengesetzt worden seien, und so jeglich Routine fehle. Ganz abgesehen von einem Ruheraum oder ausreichend Zeit zum Essen.

    Drohungen vom Oberarzt

    Die Einarbeitung der Mitarbeiter erfolge fortlaufend, entgegnet das Klinikum: durch Mitarbeiter der Hygiene oder durch erfahrene Kollegen aus den Infektionsbereichen. Und auch einen weiteren Kritikpunkt weist das Klinikum zurück: dass auf die Forderung nach einer Gefahrenzulage mit Drohungen reagiert worden sei.

    "Mir ist es passiert, dass ich von oberärztlicher Seite zuhause angerufen wurde und deutlich gesagt bekommen habe, dass wenn ich weiter Schulungen, die Bereitstellung von Schutzmaterial oder auch eine Gefahrenzulage fordere, dass ich dann mit personellen Konsequenzen rechnen müsse“, berichtet eine Pflegekraft.

    Verdi: Katastrophen-Situation wird missbraucht

    Die Klinik-Leitung erwidert, von solchen Drohungen nichts zu wissen. Tim Graumann von der Gewerkschaft Verdi ist skeptisch: "Wir machen gerade häufig die Erfahrung, dass die Katastrophensituation missbraucht wird, um innerbetriebliche Kritik auszuhebeln und Beschwerden der Beschäftigten nicht ernst genommen werden und eher mit Repression reagiert wird."

    Die Pflegekräfte des Augsburger Uni-Klinikums hoffen sehr, dass die befürchtete Patienten-Welle ausbleibt. Schon jetzt seien sie am Limit. Und sie hoffen auf mehr Lohn und Entlastung. "Applaus haben wir lange genug bekommen."

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