Unternehmerin Sarna Röser beim Sonntags-Stammtisch im BR Fernsehen.
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Unternehmerin Sarna Röser beim Sonntags-Stammtisch im BR Fernsehen.

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"Toxische Bedingungen": Unternehmerin kritisiert Ampel-Regierung

Sarna Röser, Vorsitzende des Verbands "Die jungen Unternehmer", übte beim Sonntags-Stammtisch Kritik an der "ideologiegetriebenen Politik" der Bundesregierung. Doch ein Vorhaben aus Berlin fand bei der Unternehmerin auch Zuspruch.

Über dieses Thema berichtet: Der Sonntags-Stammtisch am .

Viessmann verkauft seine Wärmepumpen-Sparte in die USA und Biontech verlegt Forschungsstandorte nach London. "Der Wind wird rauer", brachte Sarna Röser die aktuellen Entwicklungen in deutschen Familienunternehmen beim Sonntags-Stammtisch im BR Fernsehen auf den Punkt. Verantwortlich für diese Abwanderungen sei die "ideologiegetriebene Politik" der Ampel-Regierung, so die 35-jährige Unternehmerin, die im Aufsichtsrat der Brillenkette Fielmann sitzt. Sie sagte: "Wir haben toxische Bedingungen hier in Deutschland."

Unternehmerin: Deutschland immer unattraktiver für Arbeitgeber

Konkret benannte Röser die hohen Energie- und Strompreise, Überregulierung und Bürokratie sowie zu hohe Steuern und Abgaben als Probleme, die den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährden würden. "Dann muss man sich nicht wundern, dass Unternehmer die Koffer packen, sich in den Flieger setzen und wo anders hingehen", sagte Röser. Als Beweis führte sie ein Ranking der wettbewerbsfähigsten Länder heran, das das IMD World Competitiveness Center kürzlich veröffentlicht hatte.

"Es ist wirklich ernst", sagte Röser. Denn während Deutschland 2014 noch Platz 6 der Rangliste belegte, ist das Land nun auf Platz 22 zurückgefallen. Die Unternehmerin, die eigene Start-ups gegründet hat und den elterlichen Betonbetrieb "Karl Röser & Sohn" übernehmen wird, sagte: "Ich habe Angst, dass wir die Arbeitsplätze nicht halten können."

Sonntags-Stammtisch im BR Fernsehen (v.l.), Co-Moderatorin Evelyn Ehrenberger, SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert, Gastgeber Hans Werner Kilz, Christian Neureuther
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Sonntags-Stammtisch im BR Fernsehen mit Unternehmerin Sarna Röser

Rente mit 63 als "tickende Zeitbombe"

Aber auch den Umstand, dass diese Arbeitsplätze aufgrund des Arbeits- und Fachkräftemangels häufig nicht besetzt werden können, thematisierte Röser beim Sonntags-Stammtisch. Dabei sah Röser an zwei Stellen Probleme. Zum einen setze die Rente mit 63, die sie als "tickende Zeitbombe" bezeichnete, falsche Anreize – wobei Röser für flexiblere Modelle plädiert, die ein längeres Arbeitsleben ermöglichten. Zum anderen kritisierte Röser einen "Akademisierungswahn" in der Ausbildung. Evelyn Ehrenberger, Präsidentin der Hochschule der Bayerischen Wirtschaft, ergänzte dabei: "Es ist auch wichtig, die Eltern zu adressieren und zu sagen: Es ist nicht nur das Studium, was mich in eine gute Zukunft bringt."

Besonderen Ärger bereiteten Röser die Pläne der Bundesregierung zum Industriestrompreis. Denn Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will den Strompreis für energieintensive Unternehmen mit staatlicher Hilfe deckeln. Röser hält nichts von dieser Subvention. Beim Sonntags-Stammtisch fragte sie: "Was ist mit allen anderen mittelständischen Unternehmen, die das nicht bekommen?" SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert, der ebenfalls beim Sonntags-Stammtisch zu Gast war, gab zu Bedenken, dass andere mittelständische Unternehmen von der aktuellen Strompreisbremse profitieren würden.

Sarna Röser: "Mittelstand und Familienunternehmen nicht vergessen"

Kühnert verteidigte auch die Rekordsubvention in Höhe von zehn Milliarden Euro, mit denen die Bundesregierung die Firma Intel beim Bau von zwei Chipfabriken in Magdeburg unterstützt. Aktuell würden Halbleiter, die für alle technologischen Produkte gebraucht werden, zu "übergroßen Teilen im südostasiatischen Raum" produziert werden, erklärte Kühnert. Die Entscheidung für die hohen Subventionen fiel also, um das Risiko einer zu hohen Abhängigkeit zu reduzieren. Röser kritisierte dieses Vorgehen als wettbewerbsverzerrend. "Wir dürfen den Mittelstand und die Familienunternehmen nicht vergessen." Zudem gab sie zu bedenken: "Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer." Aus ihrer Sicht seien die zehn Milliarden Euro keine gute Investition gewesen.

Zuspruch für neues Fachkräfteeinwanderungsgesetz

Ein Vorhaben der Regierung erhielt von Sarna Röser aber auch Zuspruch: das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Denn aktuell sei Deutschland kein attraktiver Standort für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Einwanderung in den Arbeitsmarkt müsse "schnell und effektiv" möglich werden. Zum neuen Gesetz sagte die Unternehmerin deshalb: "Es ist gut und geht in die richtige Richtung."

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