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Tourismus in Oberbayern: Boom und Probleme | BR24

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Der Tourismus in Oberbayern boomt und kämpft gleichzeitig mit massiven strukturellen Problemen. So lautet das Fazit beim Runden Tisch Tourismus in Bad Aibling, zu dem die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU) gestern geladen hatte.

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Tourismus in Oberbayern: Boom und Probleme

Der Tourismus in Oberbayern boomt, kämpft aber auch mit massiven strukturellen Problemen. So lautet das Fazit beim Runden Tisch Tourismus in Bad Aibling. Bayerns Anteil an der touristischen Wertschöpfung in Deutschland beträgt rund 20,5 Prozent.

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Der Tourismus in Oberbayern hat zwei Gesichter, zu dem Ergebnis kommen die Beteiligten in Bad Aibling, die gestern von der Bundestagsabgeordneten Daniela Ludwig (CSU) zu einem Runden Tisch geladen wurden. Bayerns Anteil an der der touristischen Wertschöpfung in Deutschland beträgt 20,5 Prozent. In Bayern wiederum spielt Oberbayern tourismustechnisch eine herausragende Rolle: Rund die Hälfte der bayerischen Übernachtungszahlen konzentriert sich auf diesen Regierungsbezirk.

Fachkräfte, Infrastruktur und Bürokratie

Die Probleme der Branche dürften dennoch repräsentativ sein. Drei von ihnen kristallisierten sich gestern als besonders akut heraus: Fachkräftemangel, stark geforderte Infrastruktur und überbordende Bürokratie. Unter letzterer leiden zum Beispiel Kurorte wie Bad Aibling, die ihr Prädikat nun alle zehn Jahre von Grund auf neu beantragen müssen. "Diese neue 'Lex Bavaria' ist ein bürokratisches Monster. Der Status der Kurorte wird jetzt immer wieder auf Null gesetzt. Wir müssen immer wieder von vorn anfangen. Ein Irrsinn", so Thomas Jahn, der Kurdirektor von Bad Aibling.

💡 Was bedeutet die neue Regelung?

Als Kurdirektor von Bad Aibling und Vorsitzender des Marketingausschusses des Bayerischen Heilbäder-Verbands stört sich Thomas Jahn vor allem an zwei Neuerungen:

1. Bis 2016 mussten Kurorte lediglich alle zehn Jahre ein aktuelles Gutachten zu ihrem jeweiligen Heilbereich vorlegen, also zur Lufthygiene, zum Zustand der Thermalquellen, o.ä., um gleichbleibende Qualität nachzuweisen. Seit Kurzem müssen sie alle zehn Jahre ein komplettes Anerkennungsverfahren durchlaufen, also so, als hätten sie noch keinen Kurort-Titel. Sämtliche Anträge zu stellen und Nachweise zu erbringen, bedeutet laut Jahn aber einen erheblichen Mehraufwand.

2. Bisher waren zwei Verfahren zur Messung der Lufthygiene akzeptiert. Jetzt ist aber nur noch die umfangreichere von beiden Methoden zugelassen, das mit einem höheren Zeitaufwand und mehr Kosten für die Kurorte verbunden ist.

Immer mehr Stau in der Region

In puncto Infrastruktur sah die Runde vor allem das Problem, dass die Attraktivität der Region zu immer mehr Stau führt. Bestes Beispiel hierfür sei die A8. Zum einen forderten die Anwesenden einen zügigen Ausbau, zum anderen müsse aber auch stärker darüber nachgedacht werden, wie man Gäste dazu bewegt, sich emissionsarm zu bewegen. "Momentan kommen wir aber an der Realität nicht vorbei: Die meisten Touristen kommen mit dem Auto", so Christina Pfaffinger, Geschäftsführerin der Chiemsee Alpenland Tourismus.

Schnitzel für 50 Euro

Der Fachkräftemangel in der Branche führe hingegen zu dem absurden Zustand, dass Gastronomiebetriebe schließen müssten, obwohl sie genügend Gäste haben. "Ich sperre mein Restaurant jetzt zum Beispiel sonntagabends zu, weil ich nicht genug Personal finde", sagte Rainer Lechner, Inhaber des Aschbacher Hofs in Bad Feilnbach. Er rechnete außerdem vor, was sein Wiener Schnitzel kosten würde, wenn er seine Mitarbeiter so bezahlen würde, wie die Autoindustrie das tut.

"Momentan bekommen meine Gäste unser Wiener Schnitzel für 21 Euro. Wenn ich meine Leute so bezahlen würde wie BMW seine einfachsten Arbeiter, müsste ich ungefähr 50 Euro verlangen." Rainer Lechner, Inhaber des Aschbacher Hofs bei Feldkirchen-Westerham

Seine Lösungsvorschläge: Die Mehrwertsteuer im Gastronomiebetrieb auf sieben Prozent senken, die Wertschätzung fürs Handwerk fördern. Ein weiteres Problem sieht er im massiven Anstieg der Hotelbetten. "Ist ja klar, der Leitzins bewegt sich seit Jahren rund um null und Hotelbetten versprechen Rendite. Da pumpen Investoren ihre Millionen und Milliarden rein." Allein in Rosenheim habe sich die Zahl der Hotelbetten in den vergangen Jahren mehr als verdoppelt, von rund 500 auf über 1.000. "Lassen Sie da mal ein bisschen die Wirtschaft schrumpfen, das wird im Hotelgewerbe eine Schlacht, die keiner mögen kann", so Lechner weiter.

Daniela Ludwig sprach abschließend von einem "Rucksack voller Themen", den sie mitnehmen werde.