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Tourismus: Corona-Jahr stürzt Gemeinden in Krise | BR24

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Bildrechte: picture alliance/dpa | Angelika Warmuth

Die wochenlangen Schließungen von Hotels ließen die Übernachtungszahlen in den Keller sinken. Es gab aber auch das andere Extrem: Phasenweise zählten manche Regionen mehr Gäste als im Rekordjahr 2019 und kämpften gegen Overtourism an - wegen Corona.

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Tourismus: Corona-Jahr stürzt Gemeinden in Krise

Die wochenlangen Schließungen von Hotels ließen die Übernachtungszahlen in den Keller sinken. Es gab aber auch das andere Extrem: Phasenweise zählten manche Regionen mehr Gäste als im Rekordjahr 2019 und kämpften gegen Overtourism an - wegen Corona.

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Von
  • Rüdiger Kronthaler

Was in München die Absage der Wiesn ist, ist für Oberammergau die Absage der Passionsspiele. Die 5.400-Einwohner-Gemeinde plante fest mit dem internationalen Ereignis - leistete sich zum Beispiel ein teures Hallenbad, in der Gewissheit, dass in zehn Jahren dank der circa 500.000 Passionsspiel-Besucher der Haushalt wieder saniert ist. Aber dann kam alles anders.

Gemeinde Oberammergau im Minus

Die Passionsspiele mussten wegen der Corona-Pandemie auf 2022 verschoben werden. Eine erstmals abgeschlossene Versicherung zahlte zwar 9,5 Millionen Euro. Dennoch: 2010 lag der Passions-Gewinn der Gemeinde bei 37,9 Millionen Euro. Eine ähnliche hohe Summe erhoffte man sich auch in diesem Jahr.

Im September mehr Übernachtungen als im Jahr zuvor

Als im Sommer Hotels wieder öffnen durften, versuchten die Oberammergauer Hoteliers die stornierten Zimmer neu zu vermieten. Und es zeigte sich, dass der Corona-Sommer auch einen positiven Effekt hatte: Gerade Familien wollten heuer lieber daheim Urlaub machen als am Mittelmeer. Und da fiel die Wahl auf Gegenden, die überregional bekannter sind.

21 Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahr zählte beispielsweise Oberammergau im September: Ein Rekord. Das Fränkisches Seenland verzeichnete im September 26 Prozent mehr Übernachtungen, der Chiemgau ein Plus von 38 Prozent.

Dennoch erwartet der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa) ein Umsatz-Verlust von rund drei Milliarden Euro.

Städtetourismus stark eingebrochen

Besonders stark brachen die Übernachtungszahlen in Städten ein, allen voran München. Zählte die Landeshautpstadt im letzten Jahr noch über 18 Millionen Übernachtungen, so werden es heuer circa sieben Millionen sein, schätzt das Wirtschaftsreferat.

Der Grund: Die Absagen von Oktoberfest und Messe-Veranstaltungen, sowie das nahezu komplette Fernbleiben von Übersee-Touristen.

Aiwanger sichert weitere Unterstützung zu

Dem stehen Überbrückungshilfen von rund 83 Millionen Euro an Übernachtungsbetriebe in Bayern gegenüber. Die November- und Dezemberhilfen werden erst im Januar 2021 ausgezahlt. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hofft, dass mit den Impfungen zumindest der Tourismus ab Frühjahr 2021 wieder einigermaßen gesichert ist. Der Staat werde die leidende Tourismus-Branche weiter unterstützen, versprach er.

"Hier ist es nicht so, dass die Staatskassen leer wären, ich gehe schon davon aus, dass der Atem des Staates länger ist als Corona uns belästigt." Hubert Aiwanger, Freie Wähler

Oberammergau steht vor schmerzhaften Einsparungen

In Oberammergau mussten schon einmal die Passionsspiele verschoben werden, vor genau 100 Jahren wegen der Spanischen Grippe. Dieses Mal habe Corona gezeigt, dass sich die Gemeinde bei den Finanzen nicht mehr allein auf die alle zehn Jahre stattfindenden Spiele verlassen darf und die Ausgaben senken müsse, sagte Bürgermeister Andreas Rödl (CSU).

Allein das bei Touristen und Einheimischen beliebte Hallenbad muss jährlich mit circa 800.000 Euro bezuschusst werden. Das Dorf müsse nun entscheiden, ob es sich das weiter leisten kann.

Corona-Paradox: Overtourism trotz leerstehender Hotels

Denn Geld wird die Gemeinde Oberammergau auch in Zukunft ausgeben müssen, zum Beispiel für Parkwächter. Denn auch das gehört zum seltsamen Corona-Jahr 2020: Das Dorf wurde im Sommer nach dem ersten Lockdown von Tagestouristen aus den Ballungsräumen München und Augsburg dermaßen überrollt, dass an Wochenenden extra Parkwächter losgeschickt werden mussten, um gegen Wildparker vorzugehen.

Jetzt zwischen den Jahren wird das wohl wieder der Fall sein: Kampf gegen Overtourism bei leerstehenden Hotels.

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