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Toter Junge aus Dillingen: Politiker fordern Aufklärung | BR24

© BR/Judith Zacher

Im Oktober ist ein dreijähriger Bub in Dillingen gestorben. Offenbar haben Behörden die Familie des Kindes, die eigentlich betreut werden sollte, aus den Augen verloren. Exklusive Recherchen des BR belegen Versäumnisse der Ämter.

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Toter Junge aus Dillingen: Politiker fordern Aufklärung

Die SPD möchte von der Staatsregierung wissen, warum im Fall des gestorbenen Dillinger Buben die Ämter trotz Hinweisen nicht eingegriffen haben. Der Kinderschutzbund rät Nachbarn zu handeln, wenn sie Kindeswohlgefährdung vermuten.

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Die SPD hat auf den BR-Bericht über den Tod eines Dreijährigen in Dillingen mit zwei Anfragen an die Staatsregierung reagiert. Die Augsburger Abgeordnete Simone Strohmayer will von der Staatsregierung eine Antwort auf die Frage, wie es dazu kommen konnte, "dass im Falle des Dillinger Jungen die Behörden trotz der sich häufenden Hinweise nicht eingegriffen haben".

Auch Doris Rauscher, Vorsitzende des Sozialausschusses des Bayerischen Landtags, hat in einer Anfrage Informationen zu dem Fall von der Staatsregierung angefordert. Aus ihrer Sicht sind im Fall des Buben aus Dillingen zwei Aspekte ausschlaggebend: die amtsinternen Strukturen und die Datenschutzregelungen. Nach Ansicht von Landrat Leo Schrell habe es auch am Datenschutz gelegen, dass die Behörden ihre Informationen nicht ausgetauscht hatten.

Der kleine Junge aus Dillingen war vor anderthalb Monaten nach einem Notarzteinsatz an schweren inneren Verletzungen gestorben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun in der Familie des Dreijährigen wegen des Verdachts auf Totschlag. Das Dillinger Jugendamt hatte bis dahin keine Kenntnis von den prekären Verhältnissen in der Familie, obwohl eine Nachbarin Wochen zuvor das Landratsamt telefonisch informiert hatte.

Nachbarn sind wichtig beim Schutz von Kindern

Nach dem Tod des Dreijährigen hat Ludwig Ecker vom Kinderschutzbund Bayern im Interview mit der Abendschau im BR-Fernsehen auf die wichtige Rolle von Nachbarn beim Schutz von Kindern verwiesen. Wenn Nachbarn Verantwortung und emotionales Interesse für Familien in möglicherweise schwierigen Situationen entwickelten, seien sie der stärkste Partner dieser Familien, so Ecker.

Verdacht auf Kindeswohlgefährdung? Kinderschutzbund hilft

Hilfreich sei immer ein Anruf beim Kinderschutzbund, wenn man sich Sorgen um das Wohl von Kindern mache. Dieser könne beraten und helfen, die Beobachtungen richtig einzuschätzen. Danach werde zusammen eine Strategie entwickelt, wie man am besten mit dem Problem umgehen könne. Eine gute Möglichkeit sei oft, dass die Nachbarn zunächst selbst mit den Familien ins Gespräch kommen. "Das ist besser, als wenn ein Fremder kommt", erklärte Ecker. Wenn die Situation kritisch sei, dann nehme der Kinderschutzbund zusätzlich Kontakt mit dem Jugendamt auf. Bei Gefahr informiere der Kinderschutzbund auch die Polizei.

Kinderschutzbund: Jugendämter können mehr als nur kontrollieren

Mit Blick auf die betroffene Familie, die sich in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) offenbar durch einen Umzug bewusst der Beobachtung der dortigen Behörden entzogen hatte, sagte Ecker, das komme immer wieder vor. Diese Familien empfänden Jugendämter dann als Kontrolleinrichtung und versuchten, sich von ihnen zu befreien. Aber Jugendämter könnten helfen, betonte Ecker. Wenn sich eine Familie isoliere, könne das für die Kinder eine große Gefahr darstellen.