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Prozessauftakt um toten Dreijährigen aus Dillingen | BR24

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Vor dem Landgericht Augsburg beginnt heute der Prozess gegen einen 24 Jahre alten Mann aus Dillingen - der Vorwurf: Er soll den drei Jahren alten Sohn seiner Lebensgefährtin misshandelt haben - so stark, dass dieser an den Verletzungen starb.

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Prozessauftakt um toten Dreijährigen aus Dillingen

Im Oktober 2019 stirbt ein dreijähriger Junge im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Kind schwer misshandelt wurde. Im Verdacht steht der damalige Lebensgefährte der Mutter. Heute hat in Augsburg der Prozess begonnen.

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Von
  • Judith Zacher

Der Notruf geht an einem Abend im Oktober 2019 bei der Polizei ein. Nur wenige Stunden später ist der drei Jahre alte Bub tot. Entweder verblutet, an inneren Verletzungen, oder erstickt, so das Ergebnis der Obduktion. Schon bald steht der damals 23 Jahre alte Lebensgefährte der Mutter im Verdacht. Die Ermittlungen dauern an. Im Mai 2020 kommt er in Untersuchungshaft, im Oktober erhebt die Staatsanwaltschaft Augsburg Anklage. Der heute 24-Jährige wird verdächtigt, den Jungen schwer misshandelt zu haben.

Staatsanwaltschaft erhebt schwerwiegende Vorwürfe

Laut Anklage hat der Mann den Jungen und seine ein Jahr jüngere Schwester alleine betreut, die Mutter war nicht da. Wohl am späteren Nachmittag dann soll er den zierlichen, laut Staatsanwaltschaft unterernährten Buben, mit der Faust mindestens zwei Mal kräftig in die Magengegend und ins Gesicht geschlagen haben. Außerdem soll er das Kind geschüttelt haben. Zwar informierte er dann offenbar die Mutter des Kindes, die den Notruf absetzte. Das Kind verstarb jedoch einige Stunden später im Augsburger Universitätsklinikum in Folge der mutmaßlichen Misshandlungen.

Angeklagter und Anwälte schweigen

Der Tatverdächtige, der seit Mai 2020 in Untersuchungshaft sitzt, muss sich wegen Misshandlung Schutzbefohlener und Totschlags vor dem Augsburger Landgericht verantworten. Zum Auftakt des Verfahrens haben sich weder der Angeklagte noch seine Anwälte geäußert. Trotz mehrmaliger Nachfrage des Richters blieb die Verteidigung bei dieser Strategie. Auch als Oberstaatsanwalt Michael Nißl anfügte, der Angeklagte habe bereits im Vorfeld geschildert, was vorgefallen sei, blieb die Verteidigung dabei. Nißl sprach von einer "Einlassung, die segensreich war" und durch die doch alles "glasklar" sei.

15 Verhandlungstage angesetzt

Für den Prozess sind insgesamt 15 Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil könnte am 26. März fallen. Am heutigen Prozesstag sollen insgesamt drei Zeugen aussagen, darunter zwei Ärzte. Das Strafgesetzbuch sieht für Totschlag eine Freiheitsstrafe von fünf bis 15 Jahren vor. Mehrere rechtsmedizinische Sachverständigengutachten waren laut Staatsanwaltschaft nötig, um den dringenden Tatverdacht zu erhärten.

Wie konnte es soweit kommen?

Die Mutter war erst ein knappes Jahr vorher mit ihren beiden Kleinkindern nach Dillingen gezogen, zusammen mit ihrem Lebensgefährten. Die Kinder wurden zuhause betreut. Nachbarn berichteten auf BR-Nachfrage, man habe die Mutter und ihren Partner oft beim Rauchen vor der Tür mit dem Handy in der Hand gesehen. Dass dort auch Kinder lebten, wussten einige gar nicht, andere sagten, man sehe sie kaum. Wenn, dann schauten sie aus dem Fenster der Mietwohnung im Obergeschoss. Man habe sich nicht einmischen wollen, hieß es, man habe die Leute ja kaum gekannt.

Nachbarin informierte das Veterinäramt

Eine aufmerksame Nachbarin aber hatte sich an das Landratsamt gewandt. Ihr war aufgefallen, dass die zwei größeren Hunde, die ebenfalls in der Wohnung lebten, kaum nach draußen kämen und oft laut in der Wohnung bellten. Bei ihrem Anruf im Veterinäramt gab sie, wie das Landratsamt bestätigt, auch an, dass Kinder in der Wohnung lebten. Diese Information aber wurde nicht an das Jugendamt weitergegeben. Die Anruferin hätte sich selbst an das Jugendamt wenden sollen, hieß es von Seiten der Behörde.

Jugendamt Dillingen wurde erst durch Notruf eingeschaltet

In ihrem vorherigen Wohnort in Halle an der Saale hatte die junge Mutter von insgesamt drei Kindern, von denen eines bei der Großmutter lebt, bereits Kontakt mit dem Jugendamt, sie wurde dort "pädagogisch betreut", wie ein Sprecher bestätigte. Allerdings war diese Betreuung bereits vor ihrem Umzug beendet worden, so dass man das nicht an das Dillinger Jugendamt hätte weiterleiten müssen, ja, es aus Datenschutzgründen gar nicht hätte weitermelden dürfen, so der Sprecher auf BR-Nachfrage weiter. Erst durch den Notruf am Abend des 20. Oktober wurden die Dillinger Jugendamtsmitarbeiter auf die Familie aufmerksam. Auf Grund der prekären Verhältnisse in der Wohnung nahmen sie die kleine Schwester des Buben sofort in Obhut. Sie ist seitdem in einem Kinderheim untergebracht.

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