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Totengedenken während Corona: Was an Allerheiligen erlaubt ist | BR24

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An Allerheiligen herrscht großer Andrang auf den Friedhöfen. Christen gedenken der Verstorbenen. Traditionell versammeln sich viele Familien danach noch zuhause. Doch was ist heuer während der Corona-Pandemie noch möglich und erlaubt?

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Totengedenken während Corona: Was an Allerheiligen erlaubt ist

An Allerheiligen herrscht großer Andrang auf den Friedhöfen. Christen gedenken der Verstorbenen. Traditionell versammeln sich viele Familien danach noch zuhause. Doch was ist heuer während der Corona-Pandemie noch möglich und erlaubt?

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An Allerheiligen finden üblicherweise Gottesdienste und Rundgänge auf dem Friedhof mit einer Segnung der Gräber statt. Das führt zu großem Andrang, der während der Corona-Pandemie vermieden werden muss. Wie dieses Jahr Christen ihrer Toten gedenken können, stellt viele Pfarreien vor eine große Herausforderung. Spezielle Vorgaben gibt es nicht.

Religionsausübung mit weniger Einschränkungen

Nach Ostern ist Allerheiligen nun erstmals wieder ein Fest, an dem die Kirchen mit vielen Besuchern rechnen. Doch anders als das Osterfest, das wegen des Lockdowns nicht gemeinsam gefeiert werden konnte, gibt es für die Kirchen nun keine landesweite Regelung.

Für religiöse Veranstaltungen im Freien gelten ausdrücklich keine Personenobergrenzen, sondern nur die üblichen Abstandsregeln - unabhängig davon, welche Farbe die Corona-Ampel in der Kommune hat.

Das liegt am besonderen Grundrechtsschutz der Religionsausübung, erklärt Marcus da Gloria Martins vom Bayerischen Gesundheitsministerium: "Das Grundgesetz ist in Art. 4 ganz deutlich, was die Religionsausübung und Religionsfreiheit angeht - übrigens genauso wie im Versammlungsrecht: dass dies sehr hohe Rechtsgüter sind. Und aus diesem Grund sind hier tatsächlich in der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung andere Grenzen, andere Regeln vorgesehen, als in anderen Lebensbereichen."

Pfarreien feiern unterschiedlich Allerheiligen

Mancherorts sind die Feierlichkeiten auf ein Minimum heruntergeschraubt, andernorts ist das volle Programm geplant. Wie etwa im niederbayerischen Geiselhöring. Hier ist inzwischen vieles eingespielt, in der Kirche etwa bleibt jede zweite Bank frei.

Pfarrer Josef Ofenbeck plant einen festlichen Gottesdienst zum Allerheiligenfest, danach einen kurzen Gräbergang mit Gräbersegnung. "Natürlich wäre es leichter, wenn uns die Entscheidung von irgendeiner höheren Behörde abgenommen worden wäre - oder sonst jemandem", so Ofenbeck. "Aber sonst ist es ja schön, wenn wir das hier vor Ort entscheiden können. Ich möchte das für meinen Pfarrbezirk so sehen, dass das doch gefahrlos geht."

Der Friedhof sei weitläufig genug, meint der Pfarrer. Er hat vier verschiedene Eingänge, und wie überall gelten Maskenpflicht und Abstandsregeln. Außerdem rechnet er damit, dass aufgrund der hohen Infektionszahlen einige ihren Friedhofsbesuch an Allerheiligen verschieben.

Kein normales Allerheiligen in Eschenbach

Pfarrer Thomas Jeschner aus Eschenbach in der Oberpfalz hat sich gegen die üblichen Feierlichkeiten zu Allerheiligen entschieden. Die Corona-Ampel steht in Eschenbach auf Dunkelrot. Er glaubt, dass der Andrang zu groß und es damit einfach zu eng würde.

Komplett ausfallen soll Allerheiligen aber auch hier nicht. "Es ist uns wichtig, dass die Gräbersegnung stattfindet", sagt Jeschner. "Da muss man eben in der heutigen Zeit mit Kreativität, Mut und auch Klugheit neue Wege gehen." Zu einem nicht veröffentlichten Zeitpunkt werde der Pfarrer die Gräber alleine segnen und kleine Broschüren als Gebetshilfen auslegen. Die Familien können über den Tag verteilt ans Grab gehen.

Familienbesuche nach dem Friedhof

Aber nicht nur der Andrang auf dem Friedhof könnte zu Allerheiligen ein Risiko werden, oft folgt dem Gang ans Grab das familiäre Zusammensein. Kontakte sollen aber, so gut es geht, gering gehalten werden. Im Restaurant sind die Regeln klar, aber halten sich die Menschen auch zu Hause an die Vorgaben? In vielen Gemeinden und Städten steht die Corona-Ampel auf Rot oder Dunkelrot, das heißt nur fünf Personen oder zwei Hausstände dürfen sich treffen.

Auf keinen Fall darf ein größeres Familientreffen stattfinden. "Das gilt dann auch unabhängig von der Frage, ob sich die Personen nach einem religiösen Ereignis oder einer religiösen Veranstaltung treffen oder ob sie sich so treffen", erklärt da Gloria Martins.

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