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"Topf Secret": Hygiene-Pranger im Netz erregt Aufsehen | BR24

© picture alliance/Marcus Brandt/dpa

Auf der Seite "Topf Secret" sind Berichte zu Lebensmittel-Kontrollen in Restaurants, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben zugänglich

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    "Topf Secret": Hygiene-Pranger im Netz erregt Aufsehen

    Das Online-Portal "Topf Secret" der Verbraucherorganisation Foodwatch sammelt offizielle Hygieneberichte von Lebensmittelkontrollen. Die Bilanz nach einem halben Jahr zeigt: Das Interesse der Bayern ist groß.

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    Mehr als 4.500 Anfragen haben die bayerischen Bürger schon über das Online-Portal "Topf Secret" der Verbraucherorganisation Foodwatch gestellt. Unter den Bundesländern liegt Bayern damit auf dem zweiten Platz. Bundesweit gab es bislang insgesamt mehr als 27.000 Anfragen. Im Vergleich der bayerischen Städte fragen die Münchner am meisten nach, gefolgt von Nürnberg und Würzburg.

    Die Webseite "Topf Secret" will Verbrauchern die Möglichkeit geben, sich über die Hygienezustände in Lebensmittelbetrieben zu informieren und damit Transparenz schaffen. Initiiert haben das Projekt die Verbraucherorganisation Foodwatch und die Transparenz-Initiative "FragDenStaat".

    Foodwatch spricht von "Notwehr"

    "Topf Secret" sei als eine Art "Notwehr-Maßnahme" zu verstehen, weil die Politik nicht vorankomme, um die Ergebnisse selbst zu präsentieren, so Foodwatch-Sprecher Dario Sarmadi.

    "Wir wollen politischen Druck aufbauen, damit wir endlich ein Transparenzsystem in der Lebensmittelkontrolle bekommen und wir einen Anreiz für die Betriebe haben, sich an die Lebensmittelhygienegesetze zu halten." Dario Sarmadi, Foodwatch

    So funktioniert die Online-Plattform "Topf Secret"

    Auf einer virtuellen Karte kann der Nutzer das jeweilige Restaurant, den Bäcker oder die Gaststätte auswählen. Wurde bereits eine Anfrage gestellt, ist dies sofort ersichtlich. Falls es für einen Betrieb noch keine Anfrage gibt, hat der Verbraucher die Möglichkeit, den aktuellen Hygienebericht per automatisiertem Formular bei der zuständigen Behörde zu beantragen.

    Die Zahl der tatsächlich veröffentlichten Hygieneberichte ist allerdings noch eher überschaubar. In Würzburg etwa ist laut Online-Karte bislang noch bei kaum einer der 145 Anfragen ein Bericht veröffentlicht worden.

    Anfragen bleiben teilweise monatelang unbeantwortet

    Wie schnell ein Bericht verfügbar ist, hängt von der jeweiligen Behörde ab. Mitunter kann es dauern, bis diese ihn herausgibt. Zufällige Stichproben zeigen: Teilweise liegen Anfragen bereits Monate zurück und bleiben unbeantwortet oder die Behörde verweigert die Herausgabe, wenn zum Beispiel Name und Adresse des Antragstellers fehlen.

    Gastronomen kritisieren "Topf Secret" als "Populismus"

    Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, kritisiert "Topf Secret" scharf: Es handle sich um "reinsten Populismus". Gastronomen würden an den Pranger gestellt, durch die Veröffentlichung der Kontrollberichte könnten unternehmerische Existenzen und Arbeitsplätze gefährdet werden.

    Zudem seien "die Prüfberichte nicht dazu geeignet, die Hygiene tatsächlich einschätzen zu können", so Geppert. Schon abgeplatzte Fliesen oder schadhafte Fugen würden in den Prüfberichten beanstandet. Allein dadurch könne der Verbraucher nicht beurteilen, was tatsächlich eine Beeinträchtigung der hygienischen Zustände darstellt und was nicht.