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Tötung eines Babys: Elf Jahre Haft für 24-Jährigen aus Gemünden | BR24

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Weil er vor etwas mehr als einem Jahr ein acht Monate altes Baby getötet haben soll, ist ein 24-Jähriger zu elf Jahren Haft wegen Todschlags verurteilt worden.

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Tötung eines Babys: Elf Jahre Haft für 24-Jährigen aus Gemünden

Im Prozess um den gewaltsamen Tod eines Babys in Gemünden ist vor dem Landgericht Würzburg das Urteil gefallen: Der Angeklagte muss wegen Totschlags für elf Jahre ins Gefängnis.

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Von
  • Carolin Hasenauer
  • Katja Ortlauf

Elf Jahre Gefängnis wegen Totschlags - mit diesem Urteil macht das Gericht den 24-jährigen Gemündener vollständig für den Tod des acht Monate alten Sohns seiner damaligen Freundin verantwortlich und ist überzeugt davon, dass der Angeklagte den Säugling am 20. Dezember 2019 erstickt hat. Damit folgt das Gericht beinahe der Forderung der Staatsanwaltschaft, die zwölf Jahre wegen Totschlags gefordert hatte. Vom ursprünglichen Mordvorwurf war die Staatsanwaltschaft mangels ausreichender stichhaltiger Beweise abgerückt. Dass der Angeklagte jedoch den Tod des Kindes billigend in Kauf genommen hat, davon gingen sowohl Anklage als auch Verteidigung aus. Die Verteidigung hatte wegen Körperverletzung mit Todesfolge auf sieben Jahre Gefängnis plädiert.

Angeklagter hat Baby qualvoll erstickt

Der Fall sei an Trauer und Tragik kaum zu steigern, sagte der vorsitzende Richter Claus Barthel zu Beginn der Urteilsverkündung. "Luca starb durch die Hand des Angeklagten einen schrecklichen Tod, den wir uns alle nicht vorstellen können, aber müssen", so Barthel. "Indem wir als Kammer nicht zuerst auf den Angeklagten und dessen Leben eingehen, sondern auf das des kleinen Luca, wollen wir ihm posthum die Aufmerksamkeit zuteil werden lassen, die er nie bekommen, aber verdient gehabt hätte." Die Kammer entschied sich, ein Foto des Luca als er noch lebte, an die Wand zu projizieren. Drei bis fünf Minuten lang müsse der Angeklagte im Dezember 2019 dem Säugling Mund und Nase zugehalten haben, damit der aufhört zu schreien, das hatte das rechtsmedizinische Gutachten ergeben. Dass das Baby in Folge dessen erstickt, müsse der 24-Jährige gewusst und billigend in Kauf genommen haben: "Ihm war der Tod des Babys gleichgültig", so Barthel, der nochmal auf die Emotionslosigkeit und Aggressivität des Angeklagten hinwies. Wie viel drei Minuten sind, könne man zwar erklären, aber "die Zeit nehmen wir uns jetzt", so Barthel. Luca sei im Dezember 2019 nicht allein durch die Hand des Angeklagten gestorben: Auch das Schweigen der Zeugen im Umkreis hätte dazu beigetragen, dass das Kind wochen- und monatelang gewalttätigen Misshandlungen ausgesetzt gewesen sei. "Kindesmissbrauch anzuzeigen, ist keine Denunziation", betonte Barthel.

Kind wurde zuvor bereits misshandelt

Vom Mordvorwurf, der in der Anklage der Staatsanwaltschaft so noch formuliert war, waren die Verfahrensbeteiligten mangels ausreichender stichhaltiger Beweise abgerückt. Dennoch ist sich das Gericht sicher, dass der angeklagte 24-Jährige aus Gemünden im Landkreis Main-Spessart den acht Monate alten Sohn seiner damaligen Freundin bedingt vorsätzlich getötet hat. Der Vermutung des rechtsmedizinischen Sachverständigen Prof. Dr. Michael Bohnert schloss sich Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen in seinem Plädoyer an: Es war wohl eine aus dem Ruder gelaufene Kindesmisshandlung. Nur kurz bevor das Kind starb, habe es innere Blutungen erlitten durch einen Tritt, einen Faustschlag oder ein festes Zusammendrücken des Bauchraums. "Das Kind hätte schon viel eher sterben können, so wie mit ihm umgegangen wurde", sagte Raufeisen.

Verteidigung plädierte auf sieben Jahre Haft

Verteidiger Hans-Jochen Schrepfer hatte sein Plädoyer mit sehr persönlichen Worten eröffnet: "Ich und jeder, der Kinder hat, könnte innerlich schreien, wenn er die ganze Geschichte hört." Er warf in seinem Schlussvortrag nochmal die Frage auf, ob nicht vielleicht die Mutter auch zu den schweren Verletzungen im Bauchraum beigetragen habe - "auszuschließen ist das nach der ausführlichen Beweisaufnahme meiner Meinung nach nicht." Dass jedoch sein Mandant den Tod des Kindes zu verantworten habe, durch aktives Einwirken, daran zweifelt er nicht. Ausführlich argumentierte Schrepfer also, dass der 24-Jährige zumindest nicht vorsätzlich gehandelt habe, er das Kind nicht absichtlich töten wollte. Er hatte in seinem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge gefordert.

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