BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Tötung auf Verlangen: Frau zu Bewährungsstrafe verurteilt | BR24

© BR/Katharina Häringer

Eine 24-jährige Frau, die nach eigenen Angaben ihre Freundin auf deren Wunsch getötet hat, ist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Eltern der Getöteten zweifeln den Suizidwunsch an.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Tötung auf Verlangen: Frau zu Bewährungsstrafe verurteilt

Den Richtern fiel die Entscheidung schwer: Eine 24-jährige Frau, die nach eigenen Angaben ihre Freundin auf deren Wunsch getötet hat, ist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Eltern der Getöteten zweifeln den Suizidwunsch der Tochter an.

Per Mail sharen

Im Prozess um eine Tötung auf Verlangen haben die Richter am Landgericht Passau die Angeklagte zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. "Wir sind nicht restlos davon überzeugt, dass die Getötete unbedingt sterben wollte, aber wir konnten das Gegenteil nicht beweisen", sagte der Richter. Es sei eine extrem schwierige Entscheidung gewesen.

Auto bleibt im Schlamm stecken

Die Angeklagte hatte ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Ihren Schilderungen zufolge hätte sie eigentlich gemeinsam mit ihrer Freundin mit dem Auto im Rannasee bei Wegscheid untergehen wollen. Doch der Wagen blieb im Schlamm stecken. Daraufhin soll die Beifahrerin die jetzt Angeklagte gebeten haben, sie zu ertränken. Was die 24-Jährige ihrem Geständnis nach auch tat. Danach habe sie sich vergeblich selbst ertränken wollen.

Richter hatten "Bauchschmerzen bei der Geschichte"

Die Mutter der Toten, die als Nebenklägerin auftrat, schüttelte während der Urteilsverkündung unzufrieden den Kopf. Sie zweifelte die Suizidabsicht ihrer Tochter an. Der Richter führte die drei Abschiedsbriefe an, die bei ihrer Tochter gefunden wurden, und sagte zur Mutter: "Wir alle hatten Bauchschmerzen mit der Geschichte. Aber wir haben keine belastbaren Belege dafür gefunden, dass es anders war. Ich würde mir wünschen, dass sie sehen, dass wir es uns nicht leicht gemacht haben."

Die Angeklagte nahm das Urteil an. Sie hatte nach der Tat im August 2019 bereits sechs Monate in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung verbracht und lebt seit dem Frühjahr wieder bei ihrer Mutter in Oberösterreich.

Der Bayerische Rundfunk berichtet - vor allem wegen möglicher Nachahmer-Effekte - in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer die zuständige Redaktion sieht es durch die Umstände der Tat geboten. Sollten Sie selbst Hilfe benötigen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Beratung erhalten Sie unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222. Weitere Hilfsangebote gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!