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Tötung auf Verlangen: Angeklagte bezeichnet Tat als Fehler | BR24

© BR/Katharina Häringer

Passauer Prozess um Tötung auf Verlangen: Die Angeklagte hat ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Dass sie ihre Freundin auf deren Verlangen ertränkt habe, sei ein riesiger Fehler gewesen. Zunächst hatten sich beide Frauen umbringen wollen.

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Tötung auf Verlangen: Angeklagte bezeichnet Tat als Fehler

Im Passauer Prozess um Tötung auf Verlangen hat die Angeklagte heute ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Dass sie ihre Freundin auf deren Verlangen ertränkt habe, sei ein riesiger Fehler gewesen. Zunächst hatten sich beide Frauen umbringen wollen.

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Am Landgericht Passau hat ein Prozess um zwei Frauen begonnen, die Suizid begehen wollten. Als der Selbstmordversuch scheiterte, soll die eine die andere auf deren Wunsch ertränkt haben. Die 24-jährige Angeklagte hat heute ein umfangreiches Geständnis abgelegt.

"Wir haben uns komplett verrannt"

Die junge Frau wirkte ruhig und gefasst, als sie die Tat schilderte. Die 24-Jährige bezeichnet das Ertränken ihrer Freundin auf deren Verlangen als riesigen Fehler. "Wir haben uns gedanklich komplett verrannt und in das Thema hineingesteigert. Wir dachten, wir sind eine Belastung für unsere Mitmenschen", sagte sie. Heute sehe sie das anders.

Angeklagte nach Behandlung offenbar wieder psychisch stabil

Die 24-Jährige verbrachte nach der Tat mehrere Monate in einem Gefängnis und in einer psychiatrischen Einrichtung. Seit März ist sie psychisch stabil, lebt bei ihrer Mutter und geht auch wieder einer Arbeit nach. Sie habe heute keine Suizid-Gedanken mehr, sagte sie vor Gericht.

Mehrere gescheiterte Suizidversuche

Die Anwälte hatten sich zuvor darauf geeinigt, dass die Mutter der Getöteten, die als Nebenklägerin auftritt, vor der Tür wartet. Die Angeklagte sehe sich sonst nicht in der Lage, über die Tat zu sprechen, sagte ihr Verteidiger. Die 24-Jährige schilderte im Detail, wie sie und ihre Freundin im Sommer vergangenen Jahres versucht haben, sich mit Tabletten das Leben zu nehmen. Nach mehreren gescheiterten Versuchen entwickelten die Österreicherinnen den Plan, das Auto im Rannasee bei Wegscheid zu versenken. Doch der Wagen blieb im Schlamm stecken.

"Ich wollte ihr geben, was sie will"

Daraufhin soll die eine Frau die andere gebeten haben, sie zu ertränken, was die 24-Jährige nach eigenen Angaben dann auch tat. "Ich wollte ihr das geben, was sie will", sagte sie. Versuche, sich danach selbst zu töten, scheiterten erneut. Ein Angler fand die Täterin am frühen Morgen im Auto. Beide Frauen hatten Abschiedsbriefe verfasst.

© BR

Eine 24-Jährige steht seit heute vor dem Landgericht Passau, weil sie ihre Freundin auf deren Verlangen hin umgebracht haben soll. Zu Prozessbeginn legte sie ein umfassendes Geständnis ab.

Gericht muss klären, in welchem Zustand beide Frauen waren

Im Prozess geht es um zwei zentrale Fragen: Zum einen darum, wie ernsthaft und nachhaltig das Tötungsverlangen der Freundin war und in welchem Zustand sie war, als sie den Wunsch äußerte. Zum anderen geht es um den Zustand der Angeklagten und ob sie in ihrer Schuldfähigkeit vermindert war, erklärt Landgerichtssprecherin Kirsten Wendler.

Tötung auf Verlangen: Bis zu fünf Jahren Haft

Das Gesetz sieht für Töten auf Verlangen eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren vor. Auch eine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung ist statt einer Gefängnisstrafe möglich. Das Urteil soll am 3. November gesprochen werden.

© Häringer/BR

Der Rannasee, an dem die beiden jungen Frauen Suizid begehen wollten

Der Bayerische Rundfunk berichtet - vor allem wegen möglicher Nachahmer-Effekte - in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer die zuständige Redaktion sieht es durch die Umstände der Tat geboten. Sollten Sie selbst Hilfe benötigen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Beratung erhalten Sie unter der kostenlosen Rufnummer 0800-1110111 oder 0800-1110222. Weitere Hilfsangebote gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

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