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Tönnies-Skandal: Kaniber setzt auf Nachhaltigkeit statt Wachstum | BR24

© picture alliance/Sven Hoppe/dpa Pool/dpa

Bayerns Landwirtschaftsministerin Kaniber vor der Kabinettssitzung

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    Tönnies-Skandal: Kaniber setzt auf Nachhaltigkeit statt Wachstum

    Um die Lehren aus der Debatte um Billigfleisch ging es bei der Sitzung des bayerischen Kabinetts. Landwirtschaftsministerin Kaniber setzt auf mehr Nachhaltigkeit. Vorgestellt wurde auch eine Reform der Landwirtschaftsämter.

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    Von
    • Vera Cornette
    • BR24 Redaktion

    Wertschöpfungsketten auch in der Fleischverarbeitung sollten nicht nur auf Gewinnmaximierung ausgelegt sein, sondern auch Tierwohl und Nachhaltigkeit berücksichtigen. Ressourcenschutz statt Größenwachstum – diese Losung gab Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) bei der heutigen Kabinettspressekonferenz aus.

    Regionale Wertschöpfungsketten stärken

    Schon am Rande der Vorstellung des Agrarberichts vor rund einer Woche sagte Kaniber: Die Antwort auf den Tönnies-Skandal, die heiße Bayern. Damit meint sie: Die bayerische Land- und Ernährungswirtschaft zeichnet sich durch kleinere, bäuerliche Familienbetriebe aus. Tatsächlich gibt es in Bayern laut Agarbericht rund 105.000 bäuerliche Betriebe. Ein Prozent von ihnen geben jedes Jahr auf. Damit sich die Zahl der Betriebe stabilisiert, will das Landwirtschaftsministerium künftig regionale Wertschöpfungsketten stärken.

    FDP sieht auch die Verbraucher in der Pflicht

    Der landwirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion Christoph Skutella warnte in diesem Zusammenhang davor, Neuregelungen für die Fleischbranche dürften nicht die handwerklichen Metzgereibetriebe treffen. Wer regionale Wertschöpfungsketten stärken wolle, müsse auch etwas dafür tun. So könne man etwa an den Kosten für die Fleischbeschau drehen. Wenn eine kleine Metzgerei im Vergleich zum Großschlachter viermal so viel bezahlen müsse, sei das kein fairer Wettbewerb. Auch die Verbraucher forderte Skutella auf, ihr Fleisch beim Metzger um die Ecke zu kaufen. Damit könne man sich auf die Qualität verlassen und gleichzeitig diese Betriebe unterstützen.

    Auch Söder für mehr Transparenz

    Zuvor hatte bereits der bayerische Ministerpräsident Söder eine Agrarwende angeregt. Kurze Wege und mehr Transparenz statt große Strukturen. 1.800 EU-zugelassene Schlachtstätten gibt es in Bayern, damit stellt der Freistaat rund ein Drittel aller Schlachtstätten in ganz Deutschland.

    Allerdings sind die Zahlen der Schlachtstätten in den letzten Jahren gesunken und auch Bayern wird immer von Tierschutzskandalen erschüttert. Kranke und verletzte Kühe, knöcheltief im eigenen Kot – der Skandal in Bad Grönenbach im Unterallgäu jährt sich just.

    Umbau der Landwirtschaftsverwaltung

    Die Staatsregierung setzt möglicherweise auch deshalb auf mehr Beratung durch die Ämter vor Ort: In diesem Zusammenhang sollen auch die regionalen Strukturen der Landwirtschaftsverwaltung und der landwirtschaftlichen Fachschulen angepasst werden. Konkret geht es um eine Neustrukturierung von Ämtern schrittweise ab Oktober: Künftig sind 32 Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vorgesehen. 17 bestehende Ämter bleiben eigenständig, die weiteren 30 werden jeweils mit einem benachbarten Amt zu künftig 15 neuen, größeren Ämtern zusammengeführt.

    Auch die Struktur der Landwirtschaftsschulen soll bedarfsgerechter werden: Aus derzeit 28 Schulstandorten mit Abteilung Landwirtschaft sollen 20 Standorte werden.

    Grüne wollen Ökologische Landwirtschaft als Staatsziel

    Die agrarpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Ruth Müller kritisierte das Vorhaben. Eine Reduzierung der Landwirtschaftsschulen werde den Strukturbruch fördern: "Wer jungen Menschen den Beruf des Landwirts nahebringen möchte, darf nicht die Axt an die flächendeckenden Landwirtschaftsschulen legen." Das Konzept sei somit zum Scheitern verurteilt, so Müller.

    Die Landtags-Grünen vermissen hingegen ein klares politisches Bekenntnis zu mehr Ökologie und Umweltschutz in der Landwirtschaft. Ihre agrarpolitische Sprecherin Gisela Sengl bezeichnete es als "zukunftsblind", dass nur an zwei der künftig 20 Landwirtschaftsschulen Ökolandbau gelehrt werde. Ökologische Landwirtschaft müsse Kernbestandteil jeder landwirtschaftlichen Ausbildung und zudem prüfungsrelevant werden. Dazu brauchen man klare politische Vorgaben, so Sengl. Ökologische Landwirtschaft müsse zum Staatsziel erklärt werden.

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