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Tödliches Autorennen: Wie eine Familie mit den Folgen kämpft | BR24

© BR/Renate Rossberger

Illegales Rennen bei Kalteck

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Tödliches Autorennen: Wie eine Familie mit den Folgen kämpft

Ein Motorrad und ein Sportwagen lieferten sich vor einem Jahr bei Kalteck (Lkr. Regen) ein illegales Rennen. Ein unbeteiligter Familienvater wurde dabei getötet, sein damals zehnjähriger Sohn schwerst verletzt. Wie geht es dem Jungen heute?

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Immer wieder liefern sich Menschen illegale Rennen auf öffentlichen Straßen und gefährden damit das Leben anderer Verkehrsteilnehmer. Vor gut einem Jahr ist das auch auf einer Bergstrecke im Landkreis Deggendorf passiert: Ein 38-jähriger Familienvater, der an dem Tag nichtsahnend mit seinem Auto auf der Straße unterwegs war, wurde bei dem Unfall bei Kalteck getötet. Sein kleiner Sohn wurde schwerst verletzt. Wie geht es dem Jungen heute?

Sechs Monate in der Reha-Klinik

Johannes ist jetzt elf Jahre alt. Er hat nach dem Unfall Narben im Gesicht und seine ganze linke Körperseite gehorcht ihm nicht richtig. Auch das Sprechen klappt nur mühsam. Ein halbes Jahr war er in einer Reha-Klinik – und auch jetzt muss er noch dreimal die Woche zur Physio-, Logo- und Ergotherapie, obwohl der Unfall inzwischen mehr als ein Jahr her ist. Er hat aus einem gesunden Zehnjährigen ein Kind mit Pflegegrad 3 gemacht.

Johannes wird immer auf Hilfe angewiesen sein

Seine Mutter Beate Altmann gibt zwar die Hoffnung nicht auf, weiß aber, dass ihr Sohn immer auf Hilfe angewiesen sein wird. Sie hilft ihm beim Waschen, Duschen, Anziehen und schneidet ihm sogar das Essen klein. Immerhin: Seit März braucht Johannes keinen Rollstuhl mehr, nur noch eine Beinstütze. Die Ärzte hoffen, dass sich mit den Jahren noch mehr bessern wird, aber dafür muss Johannes nach vielen Operationen weitere Behandlungen ertragen.

Ermittler gehen von illegalem Rennen aus

Es blieb fast nichts heil an dem Buben, als am 14. Juli 2018 ein Audi Sportwagen frontal gegen das Auto von Johannes‘ Papa Heiko prallte. Der Audi-Fahrer hatte sich womöglich – so vermuten es die Ermittler – ein illegales Rennen mit einem Motorradfahrer auf einer kurvigen Bergstrecke am Kalteck geliefert. Die Strecke ist bekannt dafür, dass dort oft gerast wird. Johannes‘ Vater, völlig unschuldig, starb bei dem Aufprall.

Notärzte hatten Johannes schon aufgegeben

Sein Sohn wurde halb tot aus dem Auto gezogen: Schädel-Hirn-Trauma, Becken-, Knochen- und Gesichtsbrüche. Dass er überlebt hat, ist ein Wunder - die Notärzte hatten ihn am Unfallort schon aufgegeben, sie dachten spätestens im Krankenhaus stirbt er, erzählt Beate Altmann. Johannes lag drei Wochen im Koma, kämpfte sich dann zurück ins Leben: "In der Reha hat er alles probiert, bis es geklappt hat. Da dachte ich oft: Der Johannes ist stärker als ich", so Beate Altmann.

Zehnjähriger kann wieder zur Schule gehen

Beate Altmann musste ihren erst 38 Jahre alten Mann begraben, die Witwenrente beantragen, muss jetzt Johannes und seine kleine Schwester Selina, fünf Jahre alt, alleine großziehen. Mit Hilfe einer Schulbegleiterin kann Johannes wieder zur Schule gehen, muss aber im Herbst nochmal sechs Wochen auf Reha. Im Herbst soll auch der Prozess gegen die Unfallverursacher beginnen.

Entschuldigungsbrief von Unfallfahrer

Der Audi-Fahrer war sogar Bundespolizist - für Beate Altmann unbegreiflich, sollte er ein illegales Rennen gefahren haben: "Ein Unfall kann uns allen passieren, aber dass ich mein Auto als Waffe benutze – das ist unverständlich. Ich bin so wütend. Das Schlimmste war, als der Unfallfahrer mir damals einen Brief geschrieben hat. Einen Entschuldigungsbrief oder wie man das nennt. Darin hat er nur von sich geredet und nicht einmal nach meinem Sohn gefragt." Selbstmitleid statt Reue? Zumindest überweist er Johannes seit dem Unfall 500 Euro im Monat. Der zweite Mann, ein Motorradfahrer, hat sich nie bei der Opferfamilie entschuldigt.