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Tödlicher Schuss aus Jagdgewehr: Heute beginnt der Prozess | BR24

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Vor knapp einem Jahr ist ein Mann auf der B16 bei Nittenau als Beifahrer eines Autos im Vorbeifahren durch einen Schuss aus einem Jagdgewehr getötet worden. Dafür muss sich jetzt der Leiter der Jagd vor dem Landgericht Amberg verantworten.

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Tödlicher Schuss aus Jagdgewehr: Heute beginnt der Prozess

Vor knapp einem Jahr ist ein Mann auf der B16 bei Nittenau als Beifahrer eines Autos im Vorbeifahren durch einen Schuss aus einem Jagdgewehr getötet worden. Dafür muss sich ab heute der Leiter der Jagd vor dem Landgericht Amberg verantworten.

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Vergangenes Jahr wurde ein 47-Jähriger auf der B16 bei Nittenau in der Oberpfalz durch einen Schuss tödlich verletzt. Er war Beifahrer in einem vorbeifahrenden Auto, der Schuss wurde bei einer angrenzenden Jagd abgefeuert. Ab heute muss sich der Leiter der Jagd vor dem Landgericht Amberg dafür verantworten. Aus seinem Gewehr soll die tödliche Kugel gekommen sein. Sie durchschlug die Seitenscheibe des Autos und traf den Beifahrer, der noch an der Unfallstelle starb.

Staatsanwaltschaft geht von fahrlässiger Tötung aus

War es ein tragischer Unfall mit mehreren Zufällen oder verletzte der Jäger seine Sorgfaltspflichten? Fest steht: Der tödliche Schuss kam aus dem Gewehr des Jagdleiters. Das hat ein Gutachten des LKA ergeben. Die Staatsanwaltschaft geht von einer fahrlässigen Tötung aus. Der 46 Jahre alte Leiter der Jagd soll vorher seine Kameraden in die örtlichen Gegebenheiten eingewiesen und auch auf die Straße hingewiesen haben. Daraufhin umstellten die Jäger ein Maisfeld, das direkt an der B16 liegt. Im Rahmen der Drückjagd soll der Jagdleiter dann mehrmals von einer Jagdkanzel auf einem Traktor auf Wildschweine geschossen haben.

Kein Abpraller oder Querschläger

Einer dieser Schüsse traf ein Auto, das gerade auf der B16 vorbei fuhr. Der Schuss durchschlug die Seitenscheibe und traf den Beifahrer, einen 47 Jahre alten Regensburger, tödlich. Ballistische Gutachten haben ergeben, dass es sich bei dem tödlichen Schuss nicht um einen Abpraller oder Querschläger handelte, sondern der Schuss zuvor vermutlich ein weiches Gewebe oder Vegetation durchschlagen hat und dann erst auf das Auto traf. Möglicherweise wurde ein Wildschwein durchschossen, was genau ist aber unklar.

Kugelfang muss bei jedem Schuss sichergestellt sein

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 46-Jährigen vor, seine Sorgfaltspflichten als Jäger verletzt zu haben. Bei jeder Schussabgabe müssen Jäger sicherstellen, dass niemand gefährdet wird, und dass es einen sogenannten Kugelfang gibt. Dabei handelt es sich um eine Möglichkeit, wo die Kugel sicher stecken bleiben oder sich fangen und nicht abprallen kann.

Anwalt spricht von "tragischem Unfall"

"Es ist ein tragischer Unfall", sagt dagegen der Rechtsanwalt des 46-jährigen, Michael Haizmann, bei dem "viele Zufälle" eine Rolle spielten. Der Vorfall belaste den Jäger sehr. Der 46-Jährige will sich zu Prozessbeginn selbst äußern und seine Sicht der Dinge darlegen, kündigt sein Verteidiger an. Auch die anderen Jäger der Drückjagd werden als Zeugen zu Wort kommen. Insgesamt sind fünf Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil könnte Mitte nächster Woche fallen.

Polizei untersuchte alle Gewehre

Die Jäger hatten von dem Tod des Beifahrers nichts mitbekommen. Erst im Rahmen der Ermittlungen haben sie erfahren, dass der 47-Jährige durch einen Schuss getötet worden ist. Die Polizei untersuchte dann alle Gewehre und Munition der beteiligten Jäger und konnte den Jagdleiter ermitteln, aus dessen Gewehr der tödliche Schuss stammte.