Die Haftstrafe des 64-jährigen Schaustellers ist in eine Bewährungsstrafe umgewandelt worden.

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Tödlicher Riesenrad-Unfall: Schausteller muss nicht in Haft

Tödlicher Riesenrad-Unfall: Schausteller muss nicht in Haft

Ein Schausteller, der wegen eines tödlichen Unfalls auf dem Open Beatz Festival in Herzogenaurach zu 14 Monaten Haft verurteilt wurde, muss nun doch nicht ins Gefängnis. Das Berufungsgericht fällte ein anderes Urteil.

In der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth um einen tödlichen Unfall beim "Open Beatz Festival 2019" in Herzogenaurach ist das Strafmaß für den angeklagten Schausteller deutlich gemindert worden. Der 64-Jährige muss nun doch nicht ins Gefängnis. Anstatt der im Januar vom Amtsgericht Erlangen verhängten Freiheitsstrafe von 14 Monaten wegen fahrlässiger Tötung hat der Richter in der Berufungsverhandlung den Schausteller zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt sowie zu einer Spende von 5.000 Euro an die gemeinnützige Organisation "Ärzte ohne Grenzen".

Tödlicher Riesenrad-Unfall: "Beispiellose" Fehlerkette

Bei dem Festival war ein damals 31-jähriger Kolumbianer aus einer Gondel des Riesenrads 25 Meter in die Tiefe gestürzt und ums Leben gekommen. Ursache dafür sei eine bespiellose Anreihung von Sicherheitsmängeln und fehlerhaftem Verhalten gewesen, so das Gericht in der Urteilsbegründung. Diese seien allerdings nicht alleine dem Schausteller zuzuschreiben, dem in der Berufungsverhandlung sein umfassendes Geständnis strafmildernd angerechnet wurde.

Notwendige Kontrollen nicht durchgeführt

Das Riesenrad ist für das Festival von dem verurteilten Schausteller ausgeliehen worden, aus Frankreich. Der französische Besitzer des Riesenrads konnte nicht das notwendige Prüfbuch vorweisen, wie die Ermittlungen im Nachhinein ergaben. Auch der Prüfer von TÜV Rheinland und das Landratsamt Erlangen-Höchstadt seien ihren Prüf- beziehungsweise Kontrollpflichten nicht ordnungsgemäß nachgekommen. Der TÜV-Prüfer hatte im Prozess gestanden, dass er das Riesenrad technisch abgenommen hatte, obwohl es noch gar nicht vollständig aufgebaut war. Zum Zeitpunkt der Abnahme hing noch keine einzige der 24 Gondeln. Er wurde wegen des falschen Prüfberichts bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Unfall wäre vermeidbar gewesen

Diese Kette von Nachlässigkeiten wurde dem verunglückten Kolumbianer zum Verhängnis: Die Untersuchungen zur Unglücksursache ergaben, dass die Tür der Gondel nicht richtig verschlossen war. Der Sperrbolzen war unsachgemäß eingebaut worden. Auch bei anderen Gondeln des Riesenrades wurden später mangelhaft schließende Türen festgestellt. Zudem hätten sich die Türen – entgegen der Vorschrift – nach außen statt nach innen geöffnet. Das ergab schon die Beweisaufnahme vor dem Amtsgericht Erlangen. Wenn auch nur einer der Beteiligten seine Aufgaben gewissenhaft ausgeführt hätte, wäre das Riesenrad wegen gravierender Sicherheitsmängel gar nicht erst in Betrieb gegangen, so Richter und Sachverständiger in der Berufungsverhandlung.

Urteil sofort rechtskräftig

Da der Schausteller seit mehr als 30 Jahren sein Unternehmen, zu dem auch mehrere eigene Riesenräder gehören, korrekt und ohne jede Auffälligkeiten führt und zudem Schuldeinsicht gezeigt habe, konnte die Haftstrafe in der Berufung zur Bewährung ausgesetzt werden, so der Richter. Das Urteil ist sofort rechtsgültig, da sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung auf weitere Rechtsmittel verzichteten.

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