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Todesfahrt von Eisenheim: Ermittlungen laufen auf Hochtouren | BR24

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Der Prozess um die tödliche Alkoholfahrt in Eisenheim ist seit zwei Monaten ausgesetzt. Nach wie vor steht Mordverdacht im Raum. Die Ermittlungen dauern an. Nun sollen weitere Zeugen vernommen werden.

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Todesfahrt von Eisenheim: Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Der Prozess um die tödliche Alkoholfahrt in Eisenheim ist seit zwei Monaten ausgesetzt. Nach wie vor steht Mordverdacht im Raum. Die Ermittlungen dauern an. Nun sollen weitere Zeugen vernommen werden.

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Im April 2017 wurde eine Fußgängerin in Eisenheim im Landkreis Würzburg überfahren und kam ums Leben. Der damals 18-jährige Fahrer und seine drei Mitfahrer waren zum Tatzeitpunkt betrunken. Seit zwei Monaten ist der Prozess im Landgericht nun ausgesetzt. Denn bei dem letzten Verhandlungstag im September sind neue Informationen ans Licht gekommen. Das Gericht will diesen Ermittlungsansätzen nachgehen. Die Polizei vernimmt weitere Zeugen.

Neue Zeugenaussage: Die Wende im Prozess

Laut dem Gericht hat sich Mitte September eine Zeugin gemeldet, weil sie nicht noch länger schweigen könne. Demnach gab die Frau an, auf einer Party ein Gespräch zwischen einem der drei Mitfahrer und einer weiteren Person gehört zu haben. Demzufolge habe der Mitfahrer erzählt, dass der Fahrer angestachelt wurde gezielt die Fußgängerin Theresa Stahl anzufahren.

Nun möchte der Anwalt Philipp Schulz-Merkel alle Gäste der Party als Zeugen vernehmen lassen. Schulz-Merkelt vertritt die Familie Stahl, die Eltern der verstorbenen Theresa. Der Anwalt erhofft sich dadurch mehr Klarheit. "Für die Familie war immer wichtig, dass eine vollständige Aufklärung der Sache erfolgt", sagt Schulz-Merkel.

Ermittlungen laufen: Mord oder Totschlag?

Nach der Aussage der Zeugin stellt sich nun die Frage, ob der Fahrer im April 2017 betrunken Schlangenlinien gefahren ist und Theresa Stahl am Straßenrand quasi zufällig erwischt hat. Oder ob der Beifahrer den Fahrer angestachelt hat, auf die 20-Jährige zuzufahren. Sollte letzteres der Fall sein, dann handelt es sich juristisch nicht mehr um Totschlag, sondern um Mord.

Aktuell laufen die Ermittlungen auf Hochtouren, so die Anwälte beider Seiten. So werden etwa Handydaten ausgewertet, Chatverläufe und Sprachnachrichten gesichtet. "Wir haben nun weitere Beweisanträge gestellt, um noch mehr Zeugen vernehmen zu können", sagt Philipp Schulz-Merkel.

Initiative gestartet: Gegen Alkohol am Steuer

Vater Ronald Stahl engagiert sich derweil im Rahmen der Kampagne "Gegen Alkohol am Steuer", die er ins Leben gerufen hat. "Ich denke und hoffe, dass der Prozess dazu führt, dass sich viele Leute an die eigene Nase fassen – und das ist auch unser Ziel", sagt Anwalt Schulz-Merkel. Sollte sich der Mordverdacht erhärten, würde der Prozess wahrscheinlich noch einmal neu aufgerollt werden. Der Prozess wird voraussichtlich Ende Januar wieder aufgenommen. Laut Schulz-Merkel würde der Fall dann vom Landgericht wieder zum Schwurgericht wandern.

💡 Um was geht es im Fall rund um die Todesfahrt von Eisenheim?

In der Nacht auf den 23. April 2017 wurde die 20-jährige Theresa Stahl auf einer Verbindungsstraße zwischen Untereisenheim und Kaltenhausen überfahren und letztlich tödlich verletzt. Im Auto saßen vier junge Männer. Der Fahrer, damals 18 Jahre alt, hatte fast 2,9 Promille Alkohol im Blut.

Im ersten Prozess fiel die Strafe für den Fahrer milde aus: Ein Gutachten hatte den jungen Mann für schuldunfähig erklärt. Er wurde im Oktober 2019 zu einer Geldstrafe von 5.000 Euro und einem Jahr Fahrverbot verurteilt, was in der Öffentlichkeit für Empörung sorgte. Am 9. September 2020 begann das Berufungsverfahren am Landgericht Würzburg, bei dem auch ein neues Gutachten hinzugezogen wurde.

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