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Todesfahrer von München: Ab wann wird ein Raser zum Mörder? | BR24

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Ab wann wird ein Raser zum Mörder?

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    Todesfahrer von München: Ab wann wird ein Raser zum Mörder?

    Ein 34-Jähriger ist mit Tempo 120 durch die Münchner Innenstadt gerast und hat dabei einen 14-Jährigen getötet. Die Staatsanwaltschaft geht von einer vorsätzlichen Tat aus. Ist der Raser ein Mörder? Possoch klärt!

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    Ein Autofahrer will einer Polizeikontrolle entgehen, tritt aufs Gas und rast durch die Stadt, über mehrere rote Ampeln, in den Gegenverkehr und er überfährt zwei Jugendliche, die gerade über die Straße gehen. Einer der beiden, ein 14-Jahre alter Junge stirbt, die andere, eine 16-Jährige kommt schwer verletzt ins Krankenhaus. Der Fahrer flüchtet, wird aber kurz darauf von der Polizei gefasst.

    Relativ schnell ist Haftbefehl gegen den 34-jährigen Fahrer ergangen: Ihm wird Mord zur Last gelegt. Ab wann wird ein Raser zum Mörder? Possoch klärt!

    Mord oder nicht? Bei dieser Frage muss geklärt werden, ob ein Täter vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat. Denn nur, wenn ein Vorsatz besteht, kann von einem Mord die Rede sein. Nach einem BGH-Urteil kann als Vorsatz auch gelten, wenn ein Raser den Tod eines Menschen billigend in Kauf genommen habe.

    Hinzukommen muss außerdem mindestens ein Mordmerkmal: das Motiv der Habgier, der Verdeckung einer anderen Straftat oder ein sonstiger niedriger Beweggrund, Heimtücke, besondere Grausamkeit oder die Benutzung eines gemeingefährlichen Mittels.

    Vermindert schuldfähig wegen Drogenkonsum?

    Im Auto des Todesfahrers von München war eine geringe Menge an Marihuana gefunden worden. Des Weiteren hätten die Beamten einen starken Alkoholgeruch im Auto wahrgenommen. Zu der Frage, ob ein möglicher Drogenkonsum das Strafmaß verändern könnte, sagte Staatsanwältin Anne Leiding: "Wir wissen nicht, ob er unter Drogen stand. Für uns ist immer die Frage, ob er deswegen schuldunfähig oder vermindert schuldunfähig sein könnte. Dafür haben wir derzeit allerdings keine Anhaltspunkte."

    Bei Verkehrsunfällen hat Alkohol- oder Drogenkonsum das Strafmaß immer wieder verändert. "Bei ungefähr 2 Promille vermindert sich die Schuldfähigkeit, ab 3 Promille gilt derjenige als schuldunfähig", so Rechtsanwalt Solmecke im Gespräch mit BR24. Dies gelte allerdings nur, wenn derjenige sich nicht mit dem Ziel betrunken habe, in ein Auto zu steigen oder sogar jemanden zu töten.

    Neuer "Raser-Paragraf" ermöglicht härtere Strafen

    Seit kurzem hat es eine Neujustierung in den sogenannten "Raser-Fällen" gegeben: "Seit Oktober 2017 gibt es einen neuen Paragrafen, der illegale Autorennen härter bestraft", so Rechtsanwalt Solmecke. Nun lautet die Anklage häufig auch wegen Mordes. Zuvor war Rasen nur als Ordnungswidrigkeit geahndet worden – mit einem Bußgeld von 500 Euro und einem Punkt in Flensburg. "Da hat man eine Regelungslücke gesehen", so Solmecke.

    Sind die Strafen für Raser angemessen? Klicken Sie das YouTube-Video oben an und diskutieren Sie dort mit.