Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Todesfälle in Seniorenheim Gleusdorf vor Gericht | BR24

© BR

"Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf" im Landkreis Haßberge

Per Mail sharen

    Todesfälle in Seniorenheim Gleusdorf vor Gericht

    Es geht um "Totschlag durch Unterlassen". Nach rätselhaften Todesfällen in der "Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf" beginnt vor dem Landgericht Bamberg der Prozess gegen drei Verdächtige: die Heimleiterin, den Pflegedienstleiter und einen Arzt.

    Per Mail sharen

    Beim Prozess, der am Mittwoch in Bamberg startet, stehen die ehemalige Heimleiterin, der ehemalige Pflegedienstleiter und ein Arzt vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gemeinschaftlichen Totschlag durch Unterlassen in einem Fall und versuchten Totschlag durch Unterlassen in zwei Fällen vor. In dem Altenheim im unterfränkischen Gleusdorf bei Untermerzbach (Landkreis Haßberge) waren vor mehr als drei Jahren fünf Bewohner unter rätselhaften Umständen gestorben. Seither ermittelte die Staatsanwaltschaft, ob der Grund dafür Misshandlungen oder eine schlechte Versorgung gewesen sein könnten.

    Bewohnern medizinische Versorgung vorenthalten

    Insgesamt hat das Landgericht Bamberg für den Prozess 27 Verhandlungstage angesetzt. Teils hochbetagten Bewohnern wurde nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft die erforderliche medizinische Versorgung vorenthalten. Auch seien sie nicht in ein Krankenhaus verlegt worden. Dies habe in einem Fall den Tod eines Heimbewohners und in zwei weiteren Fällen erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge gehabt. Die Staatsanwaltschaft findet drastische Worte: Die Angeklagten hätten sich wie "Herren über Leben und Tod" verhalten.

    In einem weiteren Fall sollen die Angeklagten einem Bewohner schmerzlindernde Maßnahmen vorenthalten haben, obwohl er das ausdrücklich in einer Patientenverfügung gewünscht hatte. Dem ehemaligen Pflegedienstleiter wird auch vorsätzliche Körperverletzung zur Last gelegt. Einem Heimbewohner, der die Nachtruhe nicht einhielt, soll er mit den Worten "Halt die Fresse und schlaf!" einen Faustschlag ins Gesicht verpasst haben.

    Der für das Heim arbeitende Arzt soll in drei Fällen falsche Todesbescheinigungen ausgestellt haben. Er soll beispielsweise nach einem Sturz einen natürlichen Tod bescheinigt und unzutreffende Todesursachen angegeben haben, um die tatsächlichen Todesumstände zu verschleiern. Er wurde deshalb auch wegen Falschbeurkundung angeklagt.

    Seniorenresidenz vorerst weiter geöffnet

    Das Landratsamt Haßberge hatte wegen der Vorwürfe eine Schließung der Seniorenresidenz mit zuletzt etwa 65 Bewohnern angeordnet. Der Verwaltungsgerichtshof hob die Entscheidung jedoch auf und ließ einen Weiterbetrieb unter bestimmten Auflagen durch einen anderen Betreiber zu, wie ein Sprecher des Landgerichts auf Anfrage sagte.

    Insgesamt will das Gericht beim Prozess 43 Zeugen und zwei Sachverständige anhören. Am ersten Prozesstag sind noch keine Zeugen geladen. Das Urteil soll am 9. Januar 2020 fallen.