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Der Corona-Ausbruch in einem schwäbischen Krankenhaus vor einigen Monaten könnte mehr Todesopfer gefordert haben als bislang bekannt. Statt wie bisher von sieben ist jetzt von 15 Toten die Rede.

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Todesfälle im Krankenhaus Friedberg: Politiker wollen Aufklärung

Die Landtagsabgeordneten Christina Haubrich (Grüne) und Peter Tomaschko (CSU) fordern einen schnellen Abschluss der Untersuchungen zum Corona-Ausbruch im Krankenhaus Friedberg. Der Gesundheitsminister verspricht eine "lückenlose" Aufklärung.

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Von
  • Andreas Herz
  • Veronika Scheidl

In Friedberger Krankenhaus sind nach BR-Informationen sieben Menschen verstorben, nachdem sie sich vermutlich erst in der Klinik mit dem Corona-Virus infiziert hatten. Am gestrigen Donnerstag war über den BR ein Schreiben des Gesundheitsministeriums an die schwäbische Grünen-Abgeordnete Christina Haubrich bekannt geworden, in dem sogar von 15 Todesfällen die Rede ist.

Schwäbische Politiker fordern rasche Aufklärung

"Absolute Aufklärung und Transparenz" fordert Haubrich nun: "Ich war schockiert, als ich von Gesundheitsminister Holetschek die Antwort auf meine Anfrage bekommen habe und dort von 15 Todesfällen die Rede war", sagt Haubrich, die selbst ausgebildete Krankenschwester ist. "Es stellt sich die Frage, ob es Versäumnisse gab und ob das hätte verhindert werden können."

Auch der Friedberger CSU-Landtagsabgeordnete Peter Tomaschko fordert einen schnellen Abschluss der Untersuchungen zum Corona-Ausbruch im Krankenhaus Friedberg. Im Gespräch mit dem BR sagte Tomaschko, man brauche jetzt kurzfristig Klarheit über die Vorgänge im Zusammenhang mit den Corona-Todesfällen in der Klinik.

Gesundheitsminister Holetschek wird in die Pflicht genommen

Mit dieser Bitte hat sich Tomaschko nach eigenen Worten auch persönlich an Gesundheitsminister Klaus Holetschek gewandt. Der gesamt Sachverhalt müsse in dem Abschlussbericht geklärt werden und der Bericht müsse so schnell wie möglich veröffentlicht werden, entweder vom Ministerium oder von der Regierung von Schwaben.

Auch die Grünen-Politikerin Haubrich begrüßt, dass sich das Gesundheitsministerium nun mit der Causa beschäftigt: "Wenn es um 15 Menschenleben geht, dann ist es wichtig, dass sich der Gesundheitsminister dessen annimmt. Auch die Rolle des Gesundheitsamts muss untersucht werden. Das sind wir auch den Angehörigen der Verstorbenen schuldig", sagt Haubrich.

Am vergangenen Mittwoch hieß es von Seiten des Landkreises Aichach-Friedberg, am Abschlussbericht werde weiterhin gearbeitet, ohne dabei einen Zeitpunkt zu nennen, bis wann der Erkenntnisse der Klinik selbst, des Gesundheitsamtes und der Regierung von Schwaben dann veröffentlicht werden.

Holetschek: "Lückenlose" Aufklärung

Im BR-Interview äußerte sich Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Freitagnachmittag zu den Todesfällen: "Es ist ein sehr, sehr bedauerlicher Vorfall, der lückenlos aufgeklärt werden muss. Dazu brauchen wir vollständige Transparenz".

Holetschek warnte aber auch vor Vorverurteilungen, da noch kein abschließender Bericht vorliegt: "Wir müssen alle Seiten anhören. Und bei den 15 Verstorbenen muss geklärt werden: Haben sie sich im Krankenhaus angesteckt? An welcher Erkrankung sind sie verstorben? Mit oder an Corona? Da liegt noch keine abschließende Beurteilung vor."

Er gehe davon aus, dass der gesamte Sachverhalt neutral, transparent, lückenlos und sofort aufgeklärt werde, sobald alle Fakten am Tisch liegen - besonders auch die Angehörigen der Verstorbenen hätten ein großes Interesse daran. "Dafür werden wir uns als Ministerium einsetzen, wir sind oberste Aufsichtsbehörde der Gesundheitsämter", sagte Holetschek.

Zur Rolle des örtlichen Gesundheitsamtes, das in der Kritik steht, sagte Holetschek: "Soweit ich es beurteilen kann, ist das Gesundheitsamt einbezogen worden, als man gesehen hat, dass dort Ansteckungen sind. Und das Gesundheitsamt hat von sich aus die Taskforce Infektiologie beim Landesamt für Gesundheit eingeschalten, um zur Klärung des Sachverhalts beizutragen."

Grünen-Politikerin beklagt "systemische Mängel"

Die Landtagsabgeordnete Haubrich möchte nicht mit dem Finger auf das Pflegepersonal zeigen. Haubrich beklagt vor allem systemische Mängel: "Ich bin überzeugt, dass man in den letzten Jahren zu wenig für die Gesundheitsämter und die Hygiene getan hat. Wir müssen die Amtsärzte stärken, wir brauchen mehr Fort- und Weiterbildungen." Zudem müsse man den Beruf des Hygienikers attraktiver machen sowie den Verdienst und die Arbeitsbedingungen. "Damit auch junge Leute diesen Beruf ergreifen und genug Personal da ist, um solche Fälle wie in Friedberg künftig zu verhindern", sagt Haubrich.

Corona-Ausbruch im Krankenhaus Friedberg im November

Im Krankenhaus Friedberg hatte es zwischen November 2020 und Januar 2021 einen Corona-Ausbruch innerhalb der Klinik gegeben. Laut dem Bayerischen Gesundheitsministerium wurden im Zuge des Ausbruchsgeschehens insgesamt 63 Mitarbeiter und 54 Patienten positiv getestet. 15 Patienten seien verstorben.

Das Landratsamt Aichach-Friedberg als Träger der Klinik - die eigentlich gar keine Corona-Patienten behandelt - geht von 15 Fällen aus, in denen es gesichert zu einer Infektion von Patienten in der Klinik gekommen sei. "Vier dieser Patienten sind im weiteren Verlauf verstorben, wobei in diesen Fällen therapie-limitierende Maßnahmen verfügt waren", teilt der Sprecher des Landratsamts mit.

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