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Bildrechte: BR/Margit Ringer

Drei junge Leute sollen tatenlos zugesehen haben, wie ihr betrunkener Freund in Weiden in einen Kanal stürzte und ertrank. Ab heute stehen die drei vor Gericht.

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Tod im Weidener Flutkanal: Drei Freunde vor Gericht

Drei junge Leute sollen tatenlos zugesehen haben, wie ihr betrunkener Freund in Weiden in einen Kanal stürzte und ertrank. Statt zu helfen, sollen sie das Opfer mit dem Handy gefilmt haben. Ab heute stehen die zwei Männer und eine Frau vor Gericht.

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Von
  • Uli Scherr

Das kleine Kreuz aus gebogenem Metall am Ufer des Weidener Flutkanals ist leicht zu übersehen im hohen Gras. Es soll an den Tod des 22-Jährigen erinnern, der hier am 11. September 2020 ums Leben gekommen ist.

Keine drei Minuten Fußweg entfernt von dieser Stelle liegt das Weidener Justizzentrum. Vor dem Landgericht soll ab dieser Woche geklärt werden, wer Schuld hat am Tod des jungen Mannes, und ob das Unglück hätte verhindert werden können. Vor Gericht stehen zwei Männer und eine Frau, die Anklage lautet auf Totschlag durch Unterlassen.

Das Opfer wurde betrunken gemacht

Die drei Angeklagten und das spätere Opfer, alle zwischen 22 und 25 Jahre alt, waren eine Clique und an dem Herbstabend unterwegs auf Kneipentour in Weiden. In einer Shisha-Bar sollen die Kumpels versucht haben, den 22-Jährigen gezielt "abzufüllen". Den Ermittlungen zufolge litt der junge Mann an Diabetes und trank nur selten und wenig Alkohol. Als die Gruppe die Bar schließlich verließ, soll er so betrunken gewesen sein, dass er sich aus eigener Kraft nicht mehr auf den Beinen halten konnte. In seinem Blut wurden später auch Drogen gefunden.

Mit dem Handy gefilmt

Auf dem Weg zum Parkhaus, das direkt neben dem Flutkanal liegt, mussten die Freunde ihren Kumpel stützen. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass die drei Angeklagten ihren Freund kurzzeitig aus den Augen ließen. In diesem Moment soll der 22-Jährige dann die Böschung hinuntergestürzt und ins Wasser gefallen sein. Die junge Frau in der Clique filmte das Geschehen mit dem Handy.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die drei Angeklagten genügend Zeit gehabt hätten, ihrem Freund zu helfen und ihn aus dem Kanal zu ziehen. Stattdessen hätten sie das Opfer seinem Schicksal überlassen.

Taucher fanden den Toten

Nachdem ihr Freund untergegangen war, kümmerten sich die Angeklagten nicht weiter um ihn. Sie stiegen ins Auto und fuhren nach Hause. Erst am nächsten Tag alarmierten sie die Polizei. Feuerwehrtaucher starteten daraufhin eine groß angelegte Suchaktion in dem Kanal. Zwei Tage nach dem Unglück fanden sie schließlich die Leiche des 22-Jährigen.

Urteil im Juli erwartet

Die drei Angeklagten sitzen seit Oktober letzten Jahres in Untersuchungshaft. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen mehrjährige Haftstrafen. Für den Prozess vor der 1. Strafkammer sind zunächst elf Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte Anfang Juli fallen.

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