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Wilde Spekulationen zu Tod im Trebgaster Badesee | BR24

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Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hat Spekulationen in den sozialen Medien zum Tod eines 27 Jahre alten Mannes und seiner vier Jahre alten Tochter im Trebgaster Badesee widerlegt.

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Wilde Spekulationen zu Tod im Trebgaster Badesee

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hat Spekulationen in den sozialen Medien zum Tod eines 27 Jahre alten Mannes und seiner vier Jahre alten Tochter im Trebgaster Badesee widerlegt. Auch soll das Wasser des Sees vorerst nicht abgelassen werden.

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Der Tod eines 27 Jahre alten Mannes und seiner vier Jahre alten Tochter im Trebgaster Badesee am vergangenen Donnerstag (25.06.20) gibt weiter Rätsel auf. Insgesamt sind damit in nur drei Jahren vier Personen in dem See im Landkreis Kulmbach ertrunken. Die Staatsanwaltschaft will den Badesee zur Ermittlung der genauen Todesumstände vorerst aber nicht ablassen. Zuvor hatten Bürger in den sozialen Medien ein Ablassen und eine Sperrung des Sees gefordert.

Gerichtsmediziner schließen organisches Versagen aus

Wie der Leitende Oberstaatsanwalt, Martin Dippold, auf Nachfrage des BR erklärt, habe die Gerichtsmedizin organische Versagen ausschließen können. Weder ein Herzinfarkt, noch ein Schlaganfall oder ein Aneurysma, also eine gefährliche Arterienweitung, seien demnach dafür verantwortlich gewesen, dass der Mann und seine Tochter im Trebgaster Badesee ertranken.

Keine Spuren von einem Angriff auf die Opfer

Demnach scheiden auch Theorien aus, die in den sozialen Medien die Runde machen: Spuren, die von einem Angriff durch einen großen Wels zeugen, wurden genauso wenig gefunden wie Hinweise auf einen Schock, der durch eine besonders kalte Wasserschicht ausgelöst worden sein könnte. 

Spekulationen um einen Wels im Trebgaster Badesee

Die Spekulationen um eine Wels im Trebgaster Badesee hat Gerhard Büchner, ein Stammgast des Badesees, in die Welt gesetzt. In einem Schreiben an die Gemeinde, das er auf Facebook veröffentlicht hat, schreibt Büchner von Welsen, die im trüben und schlammigen Trebgaster Badesee ideale Bedingungen vorfänden. Weil das Wasser des Sees seit nunmehr 45 Jahren nicht mehr abgelassen worden sei, könnten sich Welse dort zu Tieren stattlicher Größe entwickelt haben.

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In nur drei Jahren sind im Trebgaster Badesee vier Menschen ertrunken. Die jüngsten Opfer sind ein Mann und seine vier Jahre alte Tochter.

Staatsanwaltschaft ermittelt weiter in Trebgast

Auch wenn Angriffe durch Fische und gefährliche Wasserschichten im Trebgaster Badesee ausgeschlossen werden könnten, werde weiter ermittelt, sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Martin Dippold. Die Staatsanwaltschaft habe auch deshalb ein besonderes Interesse an dem Fall, weil es der vierte Todesfall innerhalb von nur drei Jahren am Trebgaster Badesee war.

"Der Badebetrieb läuft weiter, dümmer geht's nicht! Anstatt erstmal abzusperren und vernünftig nachzuforschen, was die wahre Ursache ist. Ist ja nicht die erste Tragödie dort!" Jenny Sandra Frontzek, BR24-Leserin auf Facebook

Neben den beiden jetzt Ertrunkenen kam vergangenes Jahr ein 79 Jahre alter Mann ums Leben. Vor zwei Jahren starb eine 22 Jahre alte Frau. In allen vier Fällen wurde ein Tod durch Ertrinken diagnostiziert.

Wasser des Badesees soll vorerst nicht abgelassen werden

Forderungen, wonach das Wasser des Trebgaster Badesees zur Klärung der Todesumstände abgelassen werden sollte, will die Staatsanwaltschaft nur nachkommen, wenn es einen begründeten Verdacht darauf gebe, dass die Unglücksfälle mit der Beschaffenheit des Sees zu tun haben. Man ermittle nicht ins Blaue, so Dippold.

"Wird Zeit das der See mal untersucht wird." Alois Neumann, BR24-Leser, via Facebook

Trebgasts Bürgermeister Herwig Neumann (CSU) erklärte im Gespräch mit dem BR bereits, dass der Badesee zwar von ein paar im See liegenden Quellen gespeist werde, aber keinerlei gefährliche Strömungen oder Strudel aufweise.

Bislang keine Zeugen des Badeunglücks gemeldet

Die Tatsache, dass den Vorfall offenbar keine Zeugen beobachtet haben, erschwere die Ermittlung der genauen Todesumstände. Das Polizeipräsidium Oberfranken bestätigt auf BR-Nachfrage, dass sich das Unglück zwar an einem sommerlichen Badetag ereignet habe, sich bislang aber keine Zeugen des Unglücks gemeldet hätten.

Vater und Tochter ertrinken nur fünf Meter vom Ufer entfernt

Gefunden wurden die leblosen Körper nach Angaben der Polizei etwa fünf Meter vom nördlichen Ufer des Trebgaster Badesees entfernt. Die Fundstelle liegt vor einer Insel und außerhalb des Bereichs, der nach Angaben des Trebgaster Bürgermeisters am Unglückstag von einem Bademeister überwacht wurde.

In der Nähe des Unglücksortes befindet sich eine schwimmende Holzplattform zum Sonnenbaden und Einspringen in den See. Angaben der Gemeinde zufolge ist der See an dieser Stelle rund viereinhalb Meter tief.

Sicht reicht im Trebgaster Badesee oft nur wenige Zentimeter weit

Der Leitende Oberstaatsanwalt hält es für nicht ausgeschlossen, dass zunächst das Kind im Wasser Probleme bekam und der Vater daraufhin in Panik geriet. An vielen Stellen in dem See reiche die Sicht nur wenige Zentimeter weit, so Dippold.

"Ich war damals mit meinem vierjährigen Kind auch in einer solchen Situation. Am Hals geklammert und in Panik gekommen ... ganz nah am Ufer. Meine Freundin kam zur Hilfe. Ganz schlimm, solche Berichte zu lesen." Nicole Mitsch, BR24-Leserin auf Facebook

Polizei schließt Fremdverschulden aus

Für die Polizei gilt der Fall unterdessen als abgeschlossen. Ein Fremdverschulden konnte ausgeschlossen werden, so Polizeisprecher Alexander Czech zum BR. Am Montag (29.06.20) hatte die Polizei das Ergebnis der Obduktion der beiden Leichen bekannt gegeben. Demnach sind Vater und Tochter am Donnerstag (25.06.20) durch Ertrinken gestorben. 

Zuvor wurden sie stundenlang von mehr als 100 Rettungskräften gesucht. Die Ehefrau und Mutter hatte die beiden gegen Mittag vermisst gemeldet, nachdem Vater und Tochter von einer Erkundung des See-Geländes nicht zurückgekehrt waren.

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