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Tod eines Dreijährigen: Angeklagter schweigt vor Gericht | BR24

© BR/Judith Zacher

Vor dem Landgericht Augsburg hat der Prozess gegen einen 24 Jahre alten Mann aus Dillingen begonnen. Er soll den drei Jahren alten Sohn seiner Lebensgefährtin misshandelt haben - so stark, dass dieser an den Verletzungen starb.

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Tod eines Dreijährigen: Angeklagter schweigt vor Gericht

Misshandlung Schutzbefohlener und Totschlag: Die Vorwürfe gegen einen 24-Jährigen aus Dillingen wiegen schwer. Er soll für den Tod des kleinen Sohnes seiner Partnerin verantwortlich sein. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Augsburg schwieg er.

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Von
  • Judith Zacher
  • Johanna Kempter

Keine Aussage vor Gericht: Weder der Angeklagte im Prozess um den Tod eines Dreijährigen aus Dillingen noch seine Verteidiger haben sich zum Auftakt des Verfahrens vor dem Landgericht Augsburg geäußert. Trotz mehrfacher Nachfrage des Vorsitzenden Richters Roland Christiani blieb die Verteidigung bei dieser Strategie. Auch die Anmerkung von Oberstaatsanwalt Michael Nißl, dass der Angeklagte den Vorfall bereits im Vorfeld geschildert habe, änderte daran nichts. Nißl hatte angeführt, dass dank dieser Schilderung doch alles glasklar sei.

Vorwurf der Misshandlung und des Totschlags

Dem heute 24-jährigen Angeklagten wird Misshandlung Schutzbefohlener und Totschlag vorgeworfen. Konkret soll er am 20. Oktober 2019 den drei Jahre alten Sohn seiner damaligen Lebensgefährtin mit der Faust mindestens zwei Mal schwer in die Magengegend und ins Gesicht geschlagen haben. Dass die Schläge mit der Faust erfolgten, ist laut Richter Christiani erst durch die Aussagen des Angeklagten vor dem Prozess klar geworden. Als das Kind wegen der Schläge anfing zu schreien, so die Anklage, habe der 24-Jährige ihm Mund oder Nase zugehalten. Möglich sei auch, dass er das Kind stark geschüttelt habe, ohne seinen Kopf zu stützen, der dann den Fliehkräften ausgesetzt gewesen sei.

Angeklagter allein mit Kindern

Zu diesem Zeitpunkt sei der Junge dem Angeklagten völlig ausgeliefert gewesen. Außer ihm und seiner ein Jahr jüngeren Schwester befand sich demnach niemand in der Dillinger Wohnung, die der Angeklagte mit den Kindern und seiner Partnerin bewohnte. Der Angeklagte habe bei seinen Handlungen den Tod des Jungen billigend in Kauf genommen. Er informierte lediglich seine Lebensgefährtin, die einen Notruf absetzte. Schon knapp fünf Minuten danach war eine Notärztin vor Ort.

Reanimationsversuche erfolglos

Die Frau war eine der Zeuginnen, die am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht Augsburg aussagte. Nach ihren Worten erwartete sie der nun Angeklagte schon auf der Straße. Der Mann sei ihr aufgeregt und hilflos entgegengelaufen. Auf seinen Armen habe er das Kind gehalten, das leblos mit hängendem Kopf, Armen und Beinen gewesen sei. Im Haus habe sie sofort versucht, das augenscheinlich tote Kind zu reanimieren, so die Ärztin. Da ihr das nicht wirklich gelungen sei, wurde ein zweiter Notarzt gerufen.

Zweiter Notarzt holt die Polizei

Dieser Mediziner erklärte vor Gericht, dass er kurz nach seinem Eintreffen die Polizei verständigt hat. Er habe sich die Ursache für den leblosen Zustand des Kindes medizinisch nicht erklären können. Außerdem sei die Wohnung in einem schlimmen Zustand gewesen: Man habe kaum laufen können, ohne auf Plastik oder Spielzeug zu treten.

Kind wirkt unterernährt

Beiden Ärzten war das Kind sehr blass und sehr zierlich, fast schon unterernährt vorgekommen. Beide stellten aber vor Ort keine Hämatome oder Ähnliches fest. Sie bemerkten lediglich Abdrücke, die wahrscheinlich von der Sauerstoffmaske herrührten, die sie dem Kind aufgesetzt hatten. Als auf dem EKG Lebenszeichen zu erkennen waren, beschlossen sie, den Buben in die Kindernotaufnahme nach Augsburg zu bringen. Die Mutter des Kindes hätten beide nicht kennengelernt. Die Frau sei beim Reiten gewesen, hieß es.

Junge stirbt im Krankenhaus

Ihr kleiner Sohn verstarb einige Stunden später im Krankenhaus in Augsburg - entweder durch innere Blutungen im Bauchbereich oder durch Folgen der mutmaßlichen Misshandlung durch den Angeklagten. Der Prozess gegen den Mann wird am 27. Januar 2021 fortgeführt. Insgesamt sind 15 Verhandlungstage angesetzt. Wird der Angeklagte wegen Totschlags verurteilt, droht ihm eine Freiheitsstrafe von fünf bis 15 Jahren.

Mögliches Behördenversagen

Der Tod des Dreijährigen hatte auch wegen möglicher Versäumnisse der Behörden für Aufregung gesorgt. Recherchen des Bayerischen Rundfunks hatten Ende 2019 ergeben, dass das Landratsamt Dillingen von den prekären Verhältnissen in der Patchwork-Familie wusste. Entsprechende Hinweise einer Nachbarin wurden innerhalb der Behörde aber nicht weitergegeben. Die Schwester des Jungen lebt seit dessen Tod in einem Kinderheim.

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