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Tod eines Buben aus Dillingen: Druck auf Behörden wächst | BR24

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Nach dem Tod eines Buben aus Dillingen steht die Frage im Raum, ob die Behörden versagt haben. Die Landtags-Opposition fordert Aufklärung.

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Tod eines Buben aus Dillingen: Druck auf Behörden wächst

Vor anderthalb Monaten ist ein Bub aus Dillingen an inneren Verletzungen gestorben. Nach BR-Recherchen waren die Behörden darüber informiert, dass in der Familie etwas nicht stimmt. Jetzt hat das bayerische Sozialministerium reagiert.

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Der Fall eines toten Buben aus Dillingen wirft viele Fragen auf: vor allem diejenige, ob der Junge hätte gerettet werden können, wenn die Behörden seine Familie nach dem Umzug von Sachsen-Anhalt nach Bayern nicht aus den Augen verloren hätten. Die Landtags-Opposition fordert Aufklärung, und jetzt hat auch die bayerische Staatsregierung auf die BR-Recherchen reagiert.

Sozialministerium spricht von "Jugendamts-Hopping"

In einer Antwort des Ministeriums auf eine BR-Anfrage wird das Problem als "Jugendamts-Hopping" bezeichnet. Gemeint ist, dass manche auffällig gewordene Familien an einen anderen Ort zögen, um sich der Kontrolle des Jugendamts zu entziehen. Als Reaktion auf dieses Verhaltensmuster sei vor Jahren gesetzlich festgelegt worden, die Zusammenarbeit von Jugendämtern zu verbessern. Wenn ein Amt gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung habe, sei es eigentlich verpflichtet, das Jugendamt am neuen Wohnort der Familie zu informieren.

Genau das ist aber im Fall des Buben aus Dillingen nicht geschehen. Seine Mutter zog mit ihm und seiner Schwester vergangenen Januar nach Bayern. Vorher hatte die Familie in Halle in Sachsen-Anhalt gelebt. Bis heute hat das Dillinger Jugendamt keine Informationen aus Halle erhalten. Auch eine BR-Anfrage an die Behörden in Sachsen-Anhalt blieb bisher unbeantwortet. Zur Begründung wurden der Datenschutz und die laufenden Ermittlungen zum Fall angeführt.

Auch das Dillinger Veterinäramt hatte Hinweis erhalten

Auch das Dillinger Veterinäramt steht unter Druck. Eine Nachbarin der Familie hatte dort angerufen, um auf die Situation zweier Hunde in der Familie hinzuweisen. In diesem Zusammenhang gab die Frau auch Hinweise auf eine Gefährdung der Kinder, die aber nicht beim örtlichen Jugendamt ankamen. Aus dem Dillinger Landratsamt heißt es, man sei davon ausgegangen, die Frau rufe selbst beim Jugendamt an.

Der dreijährige Bub war am 21. Oktober nach einem Notarzteinsatz im Augsburger Universitätsklinikum an seinen schweren inneren Verletzungen gestorben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es geht um die Frage, ob er Opfer häuslicher Gewalt wurde.

BR24-Nutzer kritisieren Behörden

Der Fall bewegt viele Menschen in Bayern - und auch BR24-User. Eine Nutzerin schreibt beispielsweise, Kinder seien das "schwächste Glied unserer Gesellschaft". Manche würden geschlagen, und missbraucht, und doch schauten Nachbarn und Bekannte oft weg.

Ein anderer Nutzer weist auf die Verantwortung der Behörden bei Umzügen von betreffenden Familien hin: Man könne erwarten, dass ein Behördenmitarbeiter "bei Wechsel der Zuständigkeit in ein anderes Bundesland zum Telefon greift und seine Kollegen anruft". Ein dritter Nutzer geht von einem Einzelfall aus, "der in dieser Form in der Praxis noch nicht vorkam". Aber auch dieser Nutzer hätte es begrüßt, wenn das Jugendamt in Halle anders gehandelt hätte.