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Nach dem gewaltsamen Tod einer Seniorin hat das Landgericht Hof einen 18 Jahre alten Mann wegen vorsätzlichen Vollrausches zu einer Jugendstrafe von drei Jahren verurteilt. Eine Verurteilung wegen Totschlags war nicht möglich.

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Tod einer Seniorin: 18-Jähriger muss wegen Vollrausches in Haft

Nach dem gewaltsamen Tod einer Seniorin hat das Landgericht Hof einen 18 Jahre alten Mann wegen vorsätzlichen Vollrausches zu einer Jugendstrafe von drei Jahren verurteilt. Eine Verurteilung wegen Totschlags war nicht möglich, betonte das Gericht.

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Von
  • Anja Bischof
  • BR24 Redaktion

Die Tat sorgte für Entsetzen und machte die Nachbarn fassungslos: Im September 2020 war eine 92 Jahre alte Seniorin tot in ihrer Wohnung in Marktredwitz aufgefunden worden. Ein damals 17-Jähriger hatte die Wohnungstür eingetreten, die Frau geschlagen und getreten, auch als sie schon am Boden lag. Die 92-Jährige starb an ihren Verletzungen. Der junge Mann gestand die Tat.

18-Jähriger muss in Entziehungsanstalt

Den inzwischen 18-Jährigen verurteilte die Jugendkammer des Landgerichts Hof allerdings nicht wegen Totschlags, sondern wegen vorsätzlichen Vollrausches zu einer Jugendstrafe von drei Jahren. Außerdem wurde die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Eine Verurteilung wegen Totschlags war nicht möglich, da der Angeklagte nach Ansicht der Jugendkammer wegen seines Rauschzustands möglicherweise schuldunfähig war. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Durch Drogen in einen Rauschzustand geraten

Die Jugendkammer war nach Ausführungen von zwei Sachverständigen zu der Überzeugung gelangt, dass der Angeklagte durch Drogen in einen massiven Rauschzustand geraten war, der zu hochgradig aggressivem und unkontrolliertem Verhalten führte. Er hatte zunächst Cannabis und später LSD konsumiert.

Seniorin durch Zufall Opfer geworden

Die 92 Jahre alte Frau wurde nur durch einen Zufall zum Opfer. Sie hatte ihre Wohnungstür geöffnet, weil sie den Angeklagten im Flur lärmen hörte. Dadurch war er auf sie aufmerksam geworden. Obwohl sie die Türe wieder schloss, drang er mit Gewalt in die Wohnung ein.

Öffentlichkeit von Prozess vor der Jugendkammer ausgeschlossen

Die Öffentlichkeit war wegen des Alters des Angeklagten von dem Prozess ausgeschlossen. Die Jugendkammer stellte schädliche Neigungen sowie einen erheblichen Erziehungsbedarf bei dem 18-Jährigen fest. Zudem soll er an einer erheblichen Betäubungsmittelabhängigkeit leiden.

Verteidiger des 18-Jährigen forderte Freispruch

Der Verteidiger hatte beantragt, den Angeklagten wegen Schuldunfähigkeit freizusprechen und in einer Entziehungsanstalt unterzubringen. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten beantragt, ihn wegen Totschlags bei verminderter Schuldfähigkeit zu einer Jugendstrafe von sechs Jahren zu verurteilen und ihn in einer Entziehungsanstalt unterzubringen.

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