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Tod des Dreijährigen in Dillingen: Landtag zu Kinderschutz | BR24

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Kaputtes Dreirad

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    Tod des Dreijährigen in Dillingen: Landtag zu Kinderschutz

    Um mehr Schutz für Kinder geht es heute im Sozialausschuss des Landtags. Laut Abgeordneten zeigen Fälle wie der des Dreijährigen aus Dillingen: Beim Kinderschutz gibt es Nachholbedarf.

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    Um mehr Schutz für Kinder geht es heute im Sozialausschuss des Landtags. Fälle wie der des toten drei Jahre alten Jungen aus Dillingen machten deutlich, dass beim Kinderschutz noch dringend Verbesserung nötig sei, so Doris Rauscher von der SPD. Gegen den Lebensgefährten der Mutter hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen des dringenden Verdachts des Totschlags und Misshandlung erhoben.

    Blaue Flecken und "Ärzte-Hopping"

    Rauscher fordert unter anderem eine bessere Erreichbarkeit der Jugendämter, auch außerhalb der Öffnungszeiten der Landratsämter. Außerdem sollte es eine Meldepflicht für Ärzte geben, damit sich Betroffene durch so genanntes "Ärzte-Hopping" nicht einfach den Konsequenzen ihres Handelns entziehen könnten. Stellt ein Arzt etwa blaue Flecken fest und fragt dann kritisch nach, gibt es Familien, die einfach den Arzt wechseln, damit solche Dinge nicht weiter auffallen.

    Auch in Folge des Tods des dreijährigen Jungen in Dillingen gab es im Bayerischen Landtag im Juni eine Anhörung zum besseren Kinder- und Jugendschutz. Dabei wurden zahlreiche Experten angehört, unter anderem Mitarbeiter der Jugendämter, verschiedene Kinderschutzorganisationen, Mediziner sowie Vertreter der Staatsanwaltschaft und Polizei. Klar wurde dabei, dass viele Organisationen noch zu stark nebeneinander her arbeiten. Eine bessere Vernetzung wurde hier gefordert. Auch die Frage, inwieweit der Datenschutz oberste Priorität habe, wurde diskutiert. Nach dieser Expertenrunde haben die Parteien im Landtag Anträge für den Ausschuss formuliert. Simone Strohmayer von der SPD fordert unter anderem eine Fortbildungsoffensive für die Akteure im Kinder- und Jugendschutz, damit es mehr Sensibilität in diesem Bereich geht, "damit solche schrecklichen Vorfälle wie der in Dillingen sich nicht wiederholen", so die SPD Abgeordnete wörtlich.

    Welche Infos sollen Jugendämter weitergeben dürfen?

    Während die Jugendämter das Vertrauen der Familien gewinnen müssen und deshalb eben nicht jede Information gleich weitergeben - Stichwort "Sozialgeheimnis" - sind die Strafvollzugsbehörden auf Informationen angewiesen. Hier fordern die Politiker, die Hürden für die Weitergabe von Informationen zu senken, dafür aber auch Regeln aufzustellen.

    In Bayern kommen laut der SPD-Abgeordneten Doris Rauscher auf 130.000 Einwohner 17 Fälle von Kindesmisshandlung. Ziehe man die Erwachsenen ab, käme man auf 17 Fälle bei 40.000 Kindern.

    Es sei noch viel zu tun beim Kinderschutz, so die Abgeordnete.

    Tragische Umstände beim toten Buben aus Dillingen

    Von dem Dillinger Jungen, der mit seiner Schwester offenbar in prekären Verhältnissen bei seiner Mutter und deren Lebensgefährte lebte, wusste das Jugendamt bis zum Tag seines Todes nichts. Zwar hatte eine Nachbarin gemeldet, dass in der Wohnung Hunde gehalten würden, die ständig bellten, aber kaum nach draußen dürften, und dabei auch erwähnt, dass im Haushalt Kinder lebten.

    Diese Nachricht erreichte das Jugendamt in Dillingen aber nicht – der Anruf ging beim Veterinäramt ein. Die Veterinäramtsmitarbeiterin informierte das Jugendamt nicht. Das Dillinger Jugendamt wusste auch nicht, dass die junge Mutter in ihrem vorigen Wohnort in Halle vom Jugendamt betreut worden war. Da diese Betreuung aber, offenbar auf ihr eigenes Bestreben hin, beendet worden war, musste diese Information nicht an ihren neuen Wohnort weitergeben werden.

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