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Offener Brief: Grenzregion fordert mehr Fingerspitzengefühl | BR24

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Plötzlich war die Grenze zwischen Tirol und Oberbayern fast dicht: Familien wurden getrennt, Geschäftspartner und Pendler kamen nur mit großem Aufwand ins Nachbarland. In einem offenen Brief verlangen Bürgermeister mehr Empathie und andere Maßnahmen.

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Offener Brief: Grenzregion fordert mehr Fingerspitzengefühl

Plötzlich war die Grenze zwischen Tirol und Oberbayern fast dicht: Familien wurden getrennt, Geschäftspartner und Pendler kamen nur mit großem Aufwand ins Nachbarland. In einem offenen Brief verlangen Bürgermeister mehr Empathie und andere Maßnahmen.

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  • Martin Breitkopf

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat Tirol wie auch Tschechien nun von seiner Liste der Virusvariantengebiete gestrichen. Wirksam wird dies in der Nacht zum Sonntag. Die Einreisebedingungen werden also bald wieder gelockert. Trotzdem treibt Politiker in der Grenzregion die Sorge um zukünftige Entscheidungen um.

Mit einem offenen Brief haben sich die Bürgermeister aus einigen Orten an der Grenze an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Bundesinnenminister Horst Seehofer gewandt. Sie fordern mehr Fingerspitzengefühl und Menschlichkeit, wenn die Einreise beschränkt wird.

Familien konnten sich nicht mehr treffen

Wirtschaftlich, aber vor allem menschlich waren die letzten Wochen eine einzige Belastung, sagt die Bürgermeisterin Elisabeth Koch dem BR. Grenzüberschreitende Beziehungen, wirtschaftlich aber auch sozial, prägen die Region. Familien waren seit Mitte Februar getrennt, nicht einmal engste Angehörige konnten sich sehen. Menschliche Dramen hätten sich in dieser Zeit abgespielt - von Geburten ohne Angehörige bis zu Todesfällen. Die Maßnahmen hätten tiefgreifende, gesellschaftliche Auswirkungen gehabt.

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Die Grenzen zu Tirol sind quasi komplett geschlossen. Das hat schlimme Auswirkungen für Menschen die eigentlich ständig hin und her müssten. Lebenspartner können sich nicht treffen, Großeltern können ihre Enkel nur an der Grenze sehen.

Lieferketten wurden unterbrochen

Wirtschaftlich seien Lieferketten unterbrochen gewesen, Berufspendlern wurde der Grenzüberschritt erschwert. Darum wenden sich die Bürgermeister aus Füssen, Pfronten, Mittenwald sowie die Bürgermeisterin Garmisch-Partenkirchens und die Präsidentin des Tiroler Landtags in einem offenen Brief an Bundesinnenminister Horst Seehofer und den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder.

Negative Folgen für Menschen und Wirtschaft

In einem eindringlichen Appell fordern sie einen zukünftigen Verzicht auf solche rigorosen Maßnahmen. Die Auswirkungen dies- und jenseits der Grenze seien einschneidend und hätten noch lange negative Folgen für Wirtschaft, aber auch für die Menschen in der Grenzregion.

Aufenthaltsdauer entscheidet über Quarantäne

Viele Einreisende aus Tschechien und Tirol müssen auch nach Wegfall der Einstufung als Virusvariantengebiet in der Nacht zum Sonntag noch verschärfte Quarantäne-, Test- und Anmeldepflichten erfüllen. Entscheidend sei, ob man sich in den vergangenen zehn Tagen in einem Virusvariantengebiet aufgehalten habe, teilte das bayerische Gesundheitsministerium am Samstag mit. Dies gelte auch, wenn das Gebiet zwischenzeitlich zurückgestuft worden sei, wie dies für Tschechien und Tirol mit Wirkung ab Sonntag 0.00 Uhr gilt.

Bei Einreisenden, die in den vergangenen zehn Tagen in einem Virusvariantengebiet waren, ist die Quarantäne mit 14 Tagen länger. Zudem können sie sich nicht fünf Tage nach Einreise freitesten.

Am Samstag gelten noch strengere Regeln

Wer in den zehn Tagen vor Einreise in einem Virusvarianten- oder Hochinzidenzgebiet war, muss schon bei der Einreise einen negativen Test vorlegen. Bei Einreise aus einem "normalen" Risikogebiet wäre dies auch nachträglich möglich. Dies ist vor allem für Tirol relevant, Tschechien ist noch Hochinzidenzgebiet. Zur Frage, ob es am Sonntag weiter Grenzkontrollen geben wird, verwies das bayerische Ministerium auf den Bund.

Österreichs Kanzler begrüßt Entscheidung

In Tirol sind rund 3.000 Pendler von der Entscheidung betroffen. Die Grenzkontrollen haben in dem auch bei Urlaubern beliebten Bundesland für erheblichen Ärger gesorgt. Als sie in der vergangenen Woche noch einmal um zwei Wochen verlängert wurden, sprach Landeschef Günther Platter (ÖVP) vom "ungerechtfertigter Schikane". Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz setzte sich kurz darauf bei einem Besuch in Berlin bei Seehofer eindringlich für eine Aufhebung der Kontrollen ein. Jetzt schreibt er: "Ich freue mich, dass das Ende der Kontrollen nun offiziell ist."

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