BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Tiervermittlung in der Pandemie: eine Liebe auf Dauer? | BR24

© BR

Während des Lockdowns im Frühjahr schossen die Zahlen der Tiervermittlungen in die Höhe, auch im Nürnberger Tierheim. Ein halbes Jahr später ist es Zeit nachzufragen, ob diese Vermittlungen auch auf Dauer erfolgreich gewesen sind.

4
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Tiervermittlung in der Pandemie: eine Liebe auf Dauer?

Während des Lockdowns im Frühjahr schossen die Zahlen der Tiervermittlungen in die Höhe, auch im Nürnberger Tierheim. Ein halbes Jahr später ist es Zeit nachzufragen, ob diese Vermittlungen auch auf Dauer erfolgreich gewesen sind.

4
Per Mail sharen
Von
  • Tobias Burkert

Christoph Haupt und seine Partnerin Carola hatten eigentlich immer einen Hund. Ihr letzter Schützling starb vor zwei Jahren, der Wunsch nach einem neuen Tier bestand die ganze Zeit. Erst während des Lockdowns im Frühjahr hatte der gelernte Koch Zeit und Ansporn, sich einen Hund aus dem Tierheim zu holen. Labrador-Mix Sammy ist mittlerweile Teil der Familie.

Auch wenn die Eingewöhnungsphase nach sieben Monaten noch immer nicht ganz abgeschlossen ist, haben Herrchen und Frauchen noch keine Sekunde daran gedacht, den Hund ans Tierheim zurückzugeben. Die Entscheidung, sich während der Pandemie um ein Tier zu bemühen, war die richtige, wie der 31-Jährige sagt. Mehr Zeit im Leben habe er selten gehabt. Vor allem das tägliche Spazierengehen am Fürther Wiesengrund eint Sammy und seine neue Familie.

Ein Viertel mehr Vermittlungen

Der erste Lockdown damals im Frühjahr - eine komplett neue Situation für die Menschen: mehr Zeit allein, mehr Zeit zu Hause - das Bedürfnis nach einem eigenen Tier wuchs anscheinend bei vielen. Das Nürnberger Tierheim vermittelte zu diesem Zeitpunkt etwa 25 Prozent mehr Tiere als vor der Pandemie. Nicht nur Hunde, auch Katzen, Vögel und Nagetiere wurden sehr häufig vermittelt. Kurz aufflammende coronabedingte Tierliebe oder dauerhafte Entscheidungen?

Tierheimleiterin Tanja Schnabel zieht eine positive Bilanz: Es wurde kein Tier zurückgegeben, das während der Coronapandemie abgeholt worden sei. Das läge auch daran, dass das Tierheim im Vorfeld sehr darauf achte, an wen vermittelt werde - generell, nicht nur in diesem Jahr. Viele Gespräche mit den Bewerbern sorgten dafür, dass es so gut wie keinen Rücklauf gäbe.

Dem Tierheim fehlen Spenden

Noch Anfang des Sommers waren die meisten Hundeboxen leer, kaum Katzen im gläsernen Katzenhaus, so viele Tiere waren erfolgreich untergebracht worden. Jetzt hat sich die Situation wieder auf einen "Normalzustand" eingepegelt, und viele Vierbeiner warten, wie auch vor der Pandemie, auf ein neues Zuhause.

Corona stellt natürlich auch das Nürnberger Tierheim vor Herausforderungen. Tanja Schnabel spricht von einer geringeren Spendenbereitschaft. Das Geld säße in der Krise verständlicherweise bei vielen Tierfreunden einfach nicht mehr so locker wie zuvor. Auch die Spenden einiger durch die Pandemie bankrott gegangener Firmen fehlten dem Tierheim.

Teil-Lockdown – der richtige Zeitpunkt für ein Tier?

Wer sich jetzt ein Tier anschaffen wolle, so die Tierheimleiterin Schnabel, solle das gut abwägen. Habe ich auch nach der Krise die Zeit, mich ausreichend um das neue Familienmitglied zu kümmern? Ist es nur eine Kurzschlussentscheidung wegen vorübergehender Einsamkeit?

Wenn das alles bedacht ist, sei es für viele Menschen, die wegen Corona beruflich zurückstecken müssten, durchaus ein guter Zeitpunkt. Vor allem Hunde bräuchten oft viel Eingewöhnungszeit. Wer jetzt mehr Freizeit habe als sonst, für den könnte es der richtige Zeitpunkt sein. Für Gespräche potentieller neuer Herrchen oder Frauchen sei das Tierheim stets offen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

© BR

Es gibt auch positive Nebeneffekte der Corona-Krise. Viele Tierheime in Bayern berichten, dass sie mehr Schützlinge während der Krise vermitteln konnten als sonst. Auch im Tierheim Nürnberg ist dieser Trend erkennbar.