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Tiersitting ist eine Frage des Vertrauens (Symbolbild).

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    Tiersitter gesucht: Wenn Haustiere nicht mit auf Reisen können

    In der Corona-Pandemie haben sich so viele Menschen wie nie ein Haustier zugelegt. Rund 3.000 Hunde wurden allein in München seit 2020 neu angemeldet. Zum Start der Sommerferien suchen reisewillige Halter geeignete "Tiersitter", für die Urlaubszeit.

    Von
    Monika HaasMonika Haas
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    Antonia Thieme ist Trainerin in der Münchner Hundeschule "Freude am Hund". Sie erlebt gerade, dass viele Besitzer noch händeringend eine Urlaubsbetreuung für ihre Vierbeiner suchen - und immer öfter im Internet, zum Beispiel auf Seiten wie "betreut.de", "Pawshake.de", oder "Dogsharing.de" fündig werden.

    Urlaubsbetreuung kann auch Nachteile mit sich bringen

    "Diese ganzen Plattformen sind natürlich erstmal schön, man muss da nur wahnsinnig aufpassen, weil es in erster Linie fremde Leute sind, ich weiß nicht wie die Person mit Hunden umgeht, ich weiß nicht, ob sie Erfahrung hat oder nicht, auch wenn sie sagt, dass sie Erfahrung hat," meint Thieme.

    Gerade bei jungen oder sensiblen Hunden kann eine Urlaubsbetreuung viel Vertrauen zerstören, wenn Herrchen oder Frauchen über Wochen verschwunden sind, und die Unterbringung in unbekannter Umgebung ohne ausreichend lange Vorbereitung erfolgt. Die Tiere leiden unter Stress, wenn Frauchen und Herrchen verreist sind. Hunde brauchen Menschen, die ihre Eigenarten, Ängste oder Bedürfnisse kennen und ihnen eine vertrauensvolle Bindung ermöglichen.

    Hundeexpertin empfiehlt Netzwerke

    Thieme braucht in den Sommermonaten auch selbst immer wieder Betreuung für ihre neun Monate alte Hündin Ivy. Normalerweise vertraut sie das junge Tier nur ihrer Mutter an, die Ivy gut kennt und hundeerfahrenen ist.

    Aber auch kostenlose Netzwerke wie "Leinentausch" kann die Hundetrainerin empfehlen: "Ich persönlich bin über "Hundelieb", so heißt die App, auf eine Sitterin gekommen, sie wohnt um die Ecke, sehr praktisch und mit ihr gehe ich jetzt zusammen spazieren und erkläre ihr Ivys Bedürfnisse."

    Nimmst du mein Tier, nehme ich dein Tier

    Das Ziel von solchen kostenlosen Tiersitter-Netzwerken ist Solidarität und Freundschaft. Tierhalter finden Urlaubs­paten für ihr jeweiliges Haustier – und zwar ausdrück­lich ohne Bezahlung. Die Suche sollten Interessenten auch hier so früh wie möglich beginnen, damit sich das Tier und der oder die Betreuende kennen­lernen und notfalls eine Alternative gefunden werden kann. Tiere variieren wie Menschen sehr stark in ihrem Temperament und brauchen genug Zeit, um zu Fremden Vertrauen aufzubauen. Darum müssen neue Tier­betreuer detailliert einge­wiesen werden, bevor die Halter in den Urlaub starten.

    Doch der Haustiermarkt wächst und damit auch Portale, die Betreuung gegen Bezahlung vermitteln. Allein in München leben inzwischen rund 40.000 Vierbeiner - nach Umfragen vertrauten schon vor der Pandemie rund 25 Prozent der Halter auf die Betreuung beim Tiersitter - ein boomender Markt, denn Herrchen und Frauchen können auch in der Arbeitszeit selten rund um die Uhr für ihren Hund da sein.

    "Tiersitter" ist keine geschützte Berufsbezeichnung

    Eine Tierbetreuung darf jeder anbieten, gratis oder hochpreisig, vom unerfahrenen Laien bis hin zur Profi-Sitterin. Nur wer erwerbsmäßig dauerhaft mehrere Tiere betreut, muss einen Sachkundenachweis nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes erbringen und ein Gewerbe anmelden.

    Viele Tier­heime führen Verzeich­nisse von Tiersittern, die sich bewährt haben, erklärt Kristina Berchtold vom Tierschutzverein München: "Man sollte schon darauf achten, dass man jemand Fachkundigem sein Tier anvertraut. Also, es darf nicht einfach jeder Tierbetreuung anbieten, gewerblich, professionell, sondern man braucht dazu den sogenannten Paragraf 11 im Gesetzbuch, das ist eine umfassende Prüfung, die einfach belegt, dass man sich auch auskennt auf dem Gebiet."

    Internetportale prüfen als Vermittlungsplattform die Qualifikation der Tiersitter nicht nach, sondern überlassen dies den Kunden. Bewertungen auf den Internetportalen, nachprüfbare Referenzen und das persönliche Kennenlernen sind deshalb wichtig. Tiersitting ist vor allem eine Vertrauensfrage. Um geeignete Pfleger zu finden, ist Sympathie zwischen Tierhaltern und Tierbetreuern entscheidend.

    Tiersitting - Checkliste

    1. Tipps für das Tierwohl

    • Tierliebe allein reicht nicht unbedingt, Erfahrung und nachweisbares Fachwissen machen Tierbetreuung besser
    • Tiere brauchen gewohnte Abläufe und Tiersitter, die sicher mit ihnen umgehen können
    • Die Chemie zwischen Hund, Katze, Vogel und der Pflege-Kandidatin muss stimmen
    • Onlineportale sind keine Garantie für seriöse Kandidaten, wichtig sind zusätzliche Referenzen von Dritten, z.B. Bewertungen im Netz
    • Kleintiere, wie Echsen, Vögel, aber auch Katzen schätzen ihre gewohnte Umgebung. Wer ihnen in den Ferien einen Umzug auf Zeit ersparen will, sollte besser eine Betreuung daheim suchen

    2. Tipps für die Sicherheit

    • Bevor ein bislang unbe­kannter Tiersitter die Haustürschlüssel bekommt, sollten sich die Auftrag­geber die Ausweisdaten notieren und einen Betreuungsvertrag abschließen
    • Halter haften für Schäden, die ihr Tier anrichtet. Wer einen Tiersitter engagiert sollte haft­pflicht­versichert sein. Normale Haft­pflicht­versicherungen decken Schäden ab, die von Katzen und Kleintieren wie Hasen oder Hams­tern verursacht werden. Hundehalter brauchen spezielle Haft­pflicht-Policen.
    • Achtung Schwarz­arbeit: Wer sicher­gehen will, dass nach der Urlaubs-Pflege nicht rück­wirkend Sozial­abgaben fällig werden, Bußgelder oder gar eine Strafanzeige droht, sollte sich offiziell bestätigen lassen, dass sein Tier­betreuer selbst­ständig arbeitet. Falls der Tiersitter nicht frei arbeitet, lässt er sich aber zum Beispiel bei der Minijob-Zentrale anmelden.

    Wartelisten und lokale Netzwerke

    Anders als viele Tierheime in Bayern ist das Münchner Tierheim restlos belegt und bietet generell keine Urlaubsbetreuung an. Auch die meisten Tierpensionen sind bis September ausgebucht, doch es gibt Chancen für Nachrücker. Die "Mobile Tierbetreuung München" führt beispielsweise eine Warteliste für reiselustige Tierbesitzer, die ihre Katzen, Kleintiere, Vögel und Reptilien daheim gut versorgt wissen wollen: Das Team von ausgebildeten Tierpflegern weiß vieles über die Ernährung, Vorlieben und Gewohnheiten der betreuten Tiere und kann auch sensibel mit möglichen Krankheitsanzeichen umgehen, was insbesondere bei Kleintieren wichtig ist.

    Anders als die Fahrt zum unbekannten Tiersitter sei für die Tiere die Stressbelastung in den eigenen vier Wänden am geringsten, erklärt ein Experte von der "Mobilen Tierbetreuung München": "Je nachdem wie die Tiere untergebracht sind, es sind andere Gerüche da es sind andere Geräusche da, sie kennen sich nicht aus, die Katzentoilette riecht anders und das ist alles mit immensem Stress verbunden." Das könne dazu führen, dass die Tiere das Fressen einstellten, und im schlimmsten Falle auch krank würden.

    Chancen auf einen guten Pflege-Tipp oder einen Urlaubsplatz für die kommende Reisezeit bieten auch viele Tierarztpraxen, Hundezüchter, Netzwerke von Hundeschulen oder regional organisierte Haustierbesitzer-Clubs, wie Welli.net oder der Freundeskreis Katze und Mensch e.V.. Notfalls sollten Tierbesitzer auf die Reise verzichten oder einen Urlaubsort wählen, an dem ihr Tier willkommen ist.

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