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Bildrechte: picture alliance/dpa | Mohssen Assanimoghaddam

Nach mutmaßlichen Tierschutz-Verstößen in einem Schlachthof in Kulmbach wird gegen drei Mitarbeitende ermittelt. Nun hat sich Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) zu dem Fall geäußert.

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Tierschutz-Verstöße? Ermittlungen gegen Schlachthof-Mitarbeiter

Undercoveraufnahmen einer Tierschutzvereinigung haben mutmaßliche Verstöße gegen den Tierschutz in deutschen Schlachthöfen aufgedeckt. Auch im oberfränkischen Kulmbach. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen drei Mitarbeitende.

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Von
  • Markus Feulner

Gegen drei Mitarbeitende des Kulmbacher Schlachthofes ermittelt die Staatsanwaltschaft Bayreuth wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. Das gab der Kulmbacher Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) heute auf einer Pressekonferenz bekannt.

Schweine getreten und mit Elektroschocks getrieben?

Die drei Männer hätten gegen die EU-Schlachtverordnung und gegen interne Arbeitsanweisungen verstoßen, indem sie Schweine getreten und einen Elektrotreiber benutzt hätten. Alle drei seien mittlerweile mündlich abgemahnt worden, eine schriftliche Abmahnung sei in Ausarbeitung. Sollten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft einen Straftatbestand ergeben, sollten die drei Schlachthofmitarbeiter entlassen werden, so Lehmann weiter.

Die Stadt Kulmbach reagiert damit auf die Vorwürfe der SOKO Tierschutz, die mit Filmaufnahmen auf mögliche Missstände im Schlachthof hinwies, darunter auch die Szenen mit der mutmaßlichen Tierquälerei.

OB: "Kohlendioxid ist zulässige Vorgehensweise bei Schlachtung"

Oberbürgermeister Lehmann wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Betäubung der Schweine vor der Schlachtung mit Kohlendioxid eine zulässige, deutschlandweit angewandte Vorgehensweise sei. Aber, so Lehmann wörtlich:

"Nach Luft schnappende und schreiende Schweine sind beklemmende Bilder." Ingo Lehmann, Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD)

Im Kulmbacher Schlachthof werde aber mit einer höheren CO2-Konzentration und einer längeren Inhalationsdauer des Gases als vorgeschrieben gearbeitet, um sicher zu gehen, dass die Betäubung möglichst vollständig sei, erläuterte Lehmann.

Kontrollbehörde hatte keine Beanstandungen des Schlachthofs

Besuche der Bayerischen Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) und des Veterinäramtes des Landratsamtes Kulmbach im Oktober und zuletzt am Montag hätten keine Beanstandungen an den Schlachtungen ergeben. Zur Zeit liefen die Vorarbeiten für eine Betäubungsanlage, die mit dem Gas Helium betrieben werden soll. Das Edelgas würde die Tiere einschlafen lassen und nicht wie bisher zu Panikreaktionen führen.

Deutschlandweit erste Helium-Anlage in Kulmbach?

Der emeritierte Professor Klaus Tröger, ehemals Wissenschaftler am Kulmbacher Max Rubner Institut für Fleischforschung, entwickelt diese Anlage zusammen mit dem Schlachthof Kulmbach, finanziert von einer Stiftung. Sie könnte im Oktober einsatzbereit sein und wäre deutschlandweit die erste Anlage dieser Art.

Auch der Umbau des Kulmbacher Schlachthofs zu einer gläsernen Manufaktur sei angedacht, so Oberbürgermeister Lehmann. Am 22. Juni werde es dazu einen Termin im Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin geben, bei dem wohl auch Vertreter des Wirtschaftsministeriums dabei sein sollen.

Undercoveraufnahmen zeigen leidende Schweine

Der Kulmbacher Schlachthof war in die Kritik geraten, nachdem die Sendung "Report Mainz" in der vergangenen Woche über die Zustände dort berichtete. Dabei wurde die Panik der Schweine während der Betäubung mit Kohlendioxid und auch die Misshandlung durch die Mitarbeiter mit versteckten Kameras gefilmt. Die Aufnahmen stammten vom März dieses Jahres.

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