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Tierschutz-Skandal im Oberallgäu: Behörden wollen durchgreifen | BR24

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Nach dem Bekanntwerden eines weiteren Falls von Tierschutz-Verstößen will das Landratsamt Oberallgäu Konsequenzen ziehen. Wie es von der Behörde heißt, muss der Rinderhalter wahrscheinlich mit einem Tierhaltungsverbot rechnen.

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Tierschutz-Skandal im Oberallgäu: Behörden wollen durchgreifen

Seit Monaten sorgen Tierschutzverstöße in Allgäuer Milchviehbetrieben für Schlagzeilen. Jetzt hat eine Behörde zum ersten Mal eine drastische Maßnahme angekündigt: Einem Rinderhalter im Oberallgäu werden die Tiere wohl weggenommen.

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Die Situation für 600 Rinder und Kälber auf einem Hof in Dietmannsried im Oberallgäu hat sich seit einer Großkontrolle vergangenen Mittwoch nicht verbessert. Das geht aus Aufnahmen hervor, die Tierrechtsaktivisten verdeckt in dem Stall gemacht haben. Die Bilder zeigen Tiere, die teils Zentimeter tief in Fäkalien stehen. Auch tote Tiere sind zu sehen. Das Landratsamt Oberallgäu hat jetzt Konsequenzen angekündigt.

Bei einer Nachkontrolle sei jetzt festgestellt worden, dass die Zustände auf dem Hof immer noch "dramatisch" seien, heißt es von der Kreisbehörde in Sonthofen. In den nächsten Tagen werde man die bisherigen Erkenntnisse auswerten und wahrscheinlich ein Tierhaltungsverbot erlassen.

"Unhaltbare hygienische Umstände" in Oberallgäuer Milchviehbetrieb

Das Landratsamt hatte bei der Kontrolle in der vergangenen Woche festgestellt, dass auf dem Bauernhof zahlreiche Milchkühe und Kälber krank sind. In dem Stall herrschten "unhaltbare hygienische Umstände". Etwa jedes zweite Tier soll wegen mangelhafter Haltung erhebliche Klauenprobleme haben, andere Tiere seien unterernährt. Daraufhin wurden dem Betrieb Auflagen gemacht, die nach Angaben der Behörde aber nicht umgesetzt wurden.

Das Landratsamt rechnet damit, dass in den kommenden Tagen weitere Rinder eingeschläfert werden müssen. Die anderen Tiere werden demnach wohl in anderen Ställen untergebracht. Bislang ist noch offen, wie dies im Einzelnen organisiert werden soll.

Haben Behörden zu spät reagiert?

Die Landtags-SPD kritisiert, dass die Kühe nicht schon vor Tagen vom Landratsamt "aus diesen schrecklichen Zuständen gerettet" worden seien. Dies sei "ein Skandal im Skandal", sagte der umweltpolitische Sprecher der SPD, Florian von Brunn. Hunderte von Kühen müssten immer noch krank in verdreckten Ställen stehen oder liegen. Die SPD will den Fall im Umweltausschuss des Landtags behandeln.

Seit Monaten gibt es im Allgäu Verstöße gegen den Tierschutz. Verschiedene Höfe sind davon betroffen. Erst im Dezember 2019 waren auf einem anderen Hof im Oberallgäu Fälle bekannt geworden. Daraufhin mussten auch dort mehrere Tiere eingeschläfert werden.

(mit dpa)