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Warum immer mehr Menschen Tiere horten | BR24

© dpa/pa

Siberian Husky (Canis lupus f. familiaris), verwahrloste Hunde stehen im Matsch

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    Warum immer mehr Menschen Tiere horten

    Mehr als 17.000 Tiere haben Polizei und Tierretter in den letzten sechs Jahren in völlig verwahrlostem Zustand bei Haltern vorgefunden. Laut Studie des Deutschen Tierschutzbundes nimmt das Tierleid durch Tierhorten auch in Bayern seit Jahren zu.

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    Das sogenannte "Animal Hoarding" macht Tierschützern in Bayern zunehmend zu schaffen. Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher ein strengeres Vorgehen gegen das krankhafte Sammeln und Halten von Tieren und mehr Engagement zur Hilfe für Betroffene.

    "Wenn Tierfreunde zu Tiermessies werden, ist es menschlich sehr schwierig, die leidenden Tiere und daneben den leidenden Menschen zu sehen", so Markus Baur, Tierarzt und Leiter der Auffangstation für Reptilien in München und mitverantwortlich für die Studie des Tierschutzbundes.

    Symptome für Animal Hoarding

    Solche Tiersammler zeigten demnach Symptome einer seelischen Erkrankung, so wie Messies, die wahllos Gegenstände in ihrer Wohnung anhäufen. Betroffen sind oft tierliebe Menschen, die in einer psychischen Krise vereinsamen oder unter fortschreitendem Realitätsverlust leiden.

    Die meisten Betroffenen sind laut Studie völlig überfordert und können nicht mehr erkennen, in welch tierschutzwidrigen und meist katastrophalen hygienischen Bedingungen sie ihre vermeintlichen Schützlinge halten und oft auch selbst leben. Animal Hoarder brauchen psychologische Hilfe bei ausgebildeten Therapeuten.

    "Neben einer beginnenden Demenz oder einer Persönlichkeitsstörung kann es auch eine Suchterkrankung oder eine Lebenskrise sein, Arbeitslosigkeit oder eine Scheidung die den Ausschlag gibt, warum Menschen, zunächst einige, dann immer mehr Tiere bei sich aufnehmen." Dr. Andrea Beetz, Tierschutzexpertin und Psychologin

    Vermeidbares Tierleid – für viele kommt die Hilfe zu spät

    Experten bitten alle Tierfreunde deshalb darum frühzeitig, im eigenen Umfeld Hilfe anzubieten oder die Hilfe vom Tierschutzbund zu suchen, wenn ein tierlieber Mensch zunehmend überfordert wirkt. Also noch lange bevor das Animal Hoarding völlig aus dem Ruder läuft.

    Noch informieren Nachbarn oder Angehörige häufig erst dann Polizei oder Tierschutz, wenn Gestank oder Lärm unerträglich werden. Bei den Räumungen treffen diese dann auf uneinsichtige Menschen, bei denen das Horten von Tieren zum einzigen Lebensinhalt geworden ist. Markus Baur:

    "Wir dokumentieren erschütternde Zustände: auf engstem Raum, krank, dehydriert und halb verhungert vegetieren Hunde, Katzen, Vögel und Exoten in Müll, Exkrementen und oft neben toten und bereits mumifizierten Artgenossen." Markus Baur, Tierarzt und Leiter der Auffangstation für Reptilien in München

    Tierschützer fordern bessere Vorschriften zum Haustierkauf

    Tiermessies suchen sich in der Regel keine Hilfe und sie geben ihre vermeintlichen Schützlinge nur in den seltensten Fällen freiwillig ab: Viele beginnen statt einer Therapie direkt nach einer Beschlagnahmung wieder damit, sich neue Tiere anzuschaffen. Deshalb fordern die Tierschützer nicht nur die Verfolgung von Strafanzeigen sondern auch ein Haltungsverbot für Betroffene. "Wir wünschen uns endlich bessere gesetzliche Vorschriften, die wie in der Schweiz das Tierwohl ernst nehmen und Tierhalter und -käufe generell besser kontrollieren", so die Tierschützer.

    Wachsendes Problem beim Tierschutz

    Der organisatorische Aufwand für die Beschlagnahmung, aber vor allem Unterbringung und Behandlung der geretteten Tiere verursacht hohe Kosten, die Tierheime finanziell kaum noch stemmen können. Auch die Auffangstation für Reptilien platzt längst aus allen Nähten, weil immer öfter Tierhalter überfordert sind mit ihren Schlangen und Exoten. Immerhin erhält Markus Baur inzwischen von der bayerischen Staatsregierung Unterstützung für den geplanten Neubau ab 2020.