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Tierschützer demonstrieren vor Bauernhof in Bad Grönenbach | BR24

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Vor einem Jahr waren die Verstöße gegen das Tierwohl auf einem Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach durch Videos der "Soko Tierschutz" bekannt geworden. Die Politik reagierte, doch vielen reicht das nicht. Einige von ihnen kamen heute zur Mahnwache.

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Tierschützer demonstrieren vor Bauernhof in Bad Grönenbach

Videoaufnahmen von einem Bauernhof in Bad Grönenbach lösten vor einem Jahr einen Tierschutzskandal um Milchviehbetriebe aus. Aktive von einem Dutzend Tierschutzorganisationen fordern schärfere Reaktionen und protestierten jetzt gemeinsam.

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Schockierende Aufnahmen aus einem Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach im Unterallgäu standen am Anfang des Tierschutzskandals. Nach und nach kamen weitere Missstände in verschiedenen Betrieben ans Licht. Bei der Polizei wurde in der Folge eine eigene Sonderkommission eingerichtet um wegen der Tierschutzverstöße auch strafrechtlich zu ermitteln. Bald sollen Ergebnisse vorliegen.

Mahnwache vor gefilmtem Milchviehbetrieb

Ein Jahr nach dem Skandal haben Tierschützer von mehr als einem Dutzend Organisationen jetzt schärfere Reaktionen von Politik und Verwaltung gefordert. Von 11 Uhr an versammelten sich nach Polizeiangaben etwa 200 Teilnehmer, die Veranstalter selbst sprechen von 250 Teilnehmern.

Sie stellten sich vor den Milchviehbetrieb, auf dem der Skandal seinen Ausgang genommen hatte und hielten grüne Kreuze in den Händen. Die Kreuze trugen die Aufschriften "Hope" und "We stand for Hope". Nach dem englischen Wort für Hoffnung hatten Tierschützer symbolisch ein Rind benannt, das auf den Video-Aufnahmen aus Bad Grönenbach zu sehen war.

Tierschützer fordern unangemeldete Kontrollen auf Bauernhöfen

Die Teilnehmer beklagten, dass nach wie vor nicht genug für den Tierschutz getan werde und verlangen vor allem mehr unangemeldete Kontrollen auf Bauernhöfen, die Tiere halten. Dass für einen der betroffenen Landwirte eine Reduktion des Tierbestandes um 25 Prozent angeordnet wurde, kritisierte Philipp Hörmann, selbst aus Bad Grönenbach und Vertreter der Organisation "Metzger gegen Tiermord", als nicht ausreichend. Das sei als ob man einem Dieb mitteile, er dürfe künftig nur noch acht statt zehn Geldtruhen klauen, sagte der Tierschützer.

Bereits kurz nach der Veröffentlichung der Videos des Tierrechtsvereins "Soko Tierschutz" vor einem Jahr hatten mehrere hundert Teilnehmer in Bad Grönenbach gegen angebliche Tierquälerei in dem Großbetrieb demonstriert, aus dem die Aufnahmen stammen sollen.

Strukturreform bei den Tierschutz-Kontrollen

Das bayerische Verbraucherschutzministerium kündigte nach dem Skandal eine Strukturreform bei den Tierschutz-Kontrollen an: Eine bayernweit zuständige Behörde übernahm die Überwachung von großen Rinderbetrieben, 70 neue Stellen für Tierärzte wurden im Freistaat geschaffen. 

Trotz leichter Verbesserungen herrscht bei den Veterinärämtern in den Landkreisen aber weiter Personalmangel, heißt es vonseiten des Landesverbands der beamteten Tierärzte in Bayern. So sind im Landkreis Unterallgäu sechs Veterinäre für etwa 130.000 Rinder von 1.484 Haltern zuständig - dazu kommen knapp 5.000 Halter andere Tiere.

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