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Tierquälerei? Zoff um Gnadenhof in Haarbach | BR24

© BR/Martin Gruber

Seit Jahren gibt es Ärger um einen Gnadenhof im Landkreis Passau. Das Veterinäramt wirft dem Betreiber Tierquälerei vor. Dieser beteuert, er liebe seine Tiere.

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Tierquälerei? Zoff um Gnadenhof in Haarbach

Betreiber und Behörden streiten sich seit Jahren um einen Gnadenhof im Landkreis Passau. Der Grund: unterschiedliche Auffassungen beim Tierwohl. Jetzt könnte der Gnadenhof sogar behördlich geräumt werden. "Nur über meine Leiche", droht der Betreiber.

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Von
  • Martin Gruber

Was dient dem Tierwohl und was ist Tierquälerei? Schon seit Jahren gibt es Ärger um einen Gnadenhof im Landkreis Passau. Der Betreiber beteuert, er liebe die Tiere. Das Veterinäramt jedoch wirft ihm Tierquälerei vor.

Gnadenhof nimmt Tiere mit Handicap auf

Gnadenhof-Betreiber Wolfgang Berry nennt sich selber "viechernarrisch". Sein Verein "Horse Helping" im Haarbacher Ortsteil Unteruttlau nimmt auch Tiere auf, die ein Handicap haben, krank und alt sind oder die keiner mehr haben will. Der 75-Jährige versorgt sie auf seinem Gnadenhof bis an ihr Lebensende, beispielsweise einen einäugigen Hengst oder eine Stute mit starker Arthrose an den Hinterbeinen.

Betreiber: "So lange das Tier frisst, darf es leben"

Berry sagt: "Bei mir kann jedes Pferd so lange leben, bis es nicht mehr fressen kann. So lange es frisst und sich wohl fühlt, hat es das Recht zu leben. Auch wenn es greislig ausschaut." Seine Tiere bekommt er unter anderem von Leuten, die sich den Tierarzt nicht mehr leisten können oder sich nicht mehr um sie kümmern können. Sie alle hätten es gut bei ihm, versichert der Gnadenhof-Betreiber.

Insgesamt bereits 6.000 Euro Bußgeld wegen Missständen

Das Veterinäramt hat allerdings Zweifel an der tierschutzgerechten Haltung der Tiere. Deshalb ist Berry mit den Behörden seit zwei Jahren im Dauerclinch. Los ging es mit einem Streit um Unterhaltskosten für zwei Ponys. Später kontrollierte der Amtstierarzt immer wieder mal den Gnadenhof, beanstandete Missstände, verhängte ein Zuchtverbot und mehrmals Bußgelder. Mittlerweile in Höhe von insgesamt über 6.000 Euro, bestätigt Wolfgang Berry.

Wird Gnadenhof geräumt?

Dem BR schreibt das Landratsamt: "Der Zustand der Tiere und die Haltungsbedingungen zeigen, dass der Verein "Horse Helping" nicht fähig, gewillt beziehungsweise sachkundig genug ist, die Pferde, Ponys und Esel im Einklang mit dem Tierschutzgesetz zu halten und zu betreuen." Einigen Tieren auf dem Hof würden erhebliche und länger anhaltende Schmerzen zugefügt. Die Versagung tierärztlicher Versorgung zwängen das Veterinäramt zum Handeln", heißt es weiter in der Stellungnahme.

In anderen Worten: Die Behörden werfen Berry Tierquälerei vor. Die Konsequenz: ein bundesweites Halteverbot von Pferden, Ponys und Eseln - gültig seit Ende November. Es droht die Räumung des Gnadenhofes.

Berry: "Ich lebe und sterbe für meine Tiere"

Berry wehrt sich. Er tue seinen Viechern nichts Böses. Der 75-Jährige: "Wenn das passiert, dass sie meine Tiere vom Hof holen, dann müssen sie mich zuerst erschlagen. Ich lebe und sterbe für meine Tiere." Sein Anwalt reichte beim Verwaltungsgericht Klage gegen das Halteverbot ein. Die Entscheidung steht noch aus.

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