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Die Verletzungen eines Pferdes in Bindlach sind doch nicht auf einen Tierquäler zurückzuführen, teilt die Polizei mit. (Symbolbild)

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Tierquälerei in Bindlach? Polizei rudert zurück

Ein Fall von mutmaßlicher Tierquälerei auf einem Pferdehof im Landkreis Bayreuth hat für große Empörung gesorgt. Die Polizei beurteilt den Fall mittlerweile anders als noch vor zwei Wochen und räumt Kommunikationsfehler ein.

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Von
  • Thorsten Gütling
  • Christina Küfner

Als Ende Januar ein Fall von Tierquälerei auf einem Pferdehof in Bindlach im Landkreis Bayreuth bekannt wurde, war die Empörung groß. In den sozialen Medien äußerten viele Wut und Unverständnis angesichts solch einer Tat. Die Hofbetreiber hatten das Tier mit Stich- und Schnittverletzungen im Genitalbereich aufgefunden. Die Polizei wandte sich damals mit einem Bericht mit der Überschrift "Tierquäler verletzt Pferd" an die Presse.

"Der unbekannte Tierquäler verletzte das auf einer Koppel in Obergräfenthal frei stehende Pferd durch massive Stich- und Schnittverletzungen im Bereich des Afters. Der Tierarzt versorgte die blutenden Wunden, die dem Anschein nach durch ein Messer verursacht wurden." Polizeibericht vom 24. Januar 2021

Die Tierrechtsorganisation Peta setzte daraufhin eine Belohnung in Höhe von 1.000 Euro aus für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen.

Pferd hat sich möglicherweise selbst verletzt

Gut zwei Wochen später stellt sich die Situation allerdings anders dar. Die festgestellten Verletzungen seien nicht, wie zunächst angenommen, auf Tierquälerei zurückzuführen, heißt es in einer neuen Mitteilung der Polizei zu dem Fall. Dies hätten die Ermittlungen sowie die Vernehmung des Tierarztes ergeben. Deutlich zurückhaltender fällt nun auch die Beschreibung der möglichen Ursache für die Wunden aus.

"Die festgestellten Verletzungen dürften auf einen Unglücksfall oder eine anderweitig selbst zugeführte Verletzung zurückzuführen sein." Polizeibericht vom 9. Februar 2021

Die ermittelten Umstände deuteten darauf hin, "dass die festgestellten Wunden am Wallach nicht, wie zunächst von der Besitzerin angenommen, durch Stich- oder Schnittverletzungen zugefügt worden sind". Auf Nachfrage des BR erklärt ein Sprecher der Polizei, man habe den Vorfall sehr ernst genommen. Davon zeuge auch die Tatsache, dass man eine Diensthundeführerin mit der Aufklärung betraut habe, die sich gut mit Pferden auskenne.

Polizei geht zu schnell von Tierquälerei aus

Der vermeintliche Übergriff auf das Pferd sei damit geklärt, ein Fremdverschulden könne ausgeschlossen werden. Dass die Polizei allerdings zu Beginn sicher von einem Akt der Tierquälerei ausging, bezeichnet ein Sprecher auf BR-Nachfrage als Kommunikationsfehler. Man räume ein, dass in der Mitteilung von Ende Januar Tatsachen behauptet wurden, die damals noch gar nicht belegt werden konnten.

Erst am Dienstag ist es im unterfränkischen Schneeberg im Landkreis Miltenberg zu einem schweren Fall von Tierquälerei an einem Pferd gekommen. Laut der Tierrechtsorganisation Peta fügen Unbekannte Pferden bundesweit immer wieder schwere Verletzungen zu.

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