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Tierparks in Bayern fordern Öffnung zu Ostern | BR24

© BR/Natasha Heuse

Erdmännchen im Zoo Augsburg

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    Tierparks in Bayern fordern Öffnung zu Ostern

    Das Frühlingswetter würde viele Familien in Tierparks locken. Doch die sind seit vier Monaten geschlossen. Sie haben deswegen auch keine Einnahmen durch Eintrittsgelder, aber weiter hohe Kosten. Nun fordern sie eine Öffnung zu Ostern.

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    Von
    • BR24 Redaktion
    • Katja Ortlauf
    • Susanne Hofmann
    • Lasse Berger
    • Sarah Beham

    An Ostern gehen traditionell immer viele Familien in Tierparks. Das Wetter ist schön, die Kinder haben Ferien - ein gutes Geschäft für Tierparks, -gärten und Streichelzoos. Doch wegen der Corona-Krise haben sie seit vier Monaten zu. Nun fordern Zoos in Deutschland, aber auch in Bayern, wenigstens zu Ostern ihre Türen wieder öffnen zu können.

    Augsburg: "Zoos sind keine Infektionstreiber"

    Es sei nicht klar, warum Zoos nicht öffnen dürften, Baumärkte und Gartencenter dagegen schon, so Augsburgs Zoodirektorin Barbara Jantschke: "Dass Zoos keine Infektionstreiber sind, hat sich bereits im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 erwiesen, und in den Bundesländern, in denen die Zoos während des Lockdowns nicht geschlossen waren, liegen die Inzidenzzahlen unter denen von Bayern." Außerdem: Eine Entlastung der Ausflugsgebiete, die derzeit überlaufen werden, da hier keine Schließung möglich ist, wäre durch die Zooöffnungen sicher erkennbar, betonte Jantschke. Der Verlust durch die Lockdowns nähert sich den Angaben zufolge am Augsburger Zoo derzeit der zwei Millionen Euro-Marke, auch weil noch nicht klar sei, inwieweit Zoos Überbrückungsgeld III beantragen können.

    Straubing: Futterkosten, aber keine Einnahmen

    Der Leiter des Straubinger Tiergartens, Wolfgang Peter, sagte dem BR, der Zoobetrieb koste jeden Tag rund 7.000 Euro für Personal und Futter. So seien beim Lockdown vergangenes Jahr Kosten von insgesamt rund einer halben Million Euro aufgelaufen, ohne das Eintrittsgelder in die Kasse geflossen seien. Fördermittel stünden für den Straubinger Zoo nicht zur Verfügung, kritisiert Peter.

    Bayerwaldtierpark Lohberg: "Schwierige Zeit"

    Ähnlich die Situation im Bayerwaldtierpark Lohberg (Lkr. Cham). Bürgermeister Franz Müller (CSU) wollte dem BR keine konkreten Zahlen nennen, aber: "Wir haben eine schwierige Zeit, die uns finanziell schon sehr belastet.“ Die Verluste aus dem ersten Lockdown habe der Bayerwaldtierpark im Sommer gut auffangen können, es seien mehr Besucher gekommen. Darauf hofft Müller auch jetzt.

    Weil erneut seit einem Vierteljahr keine Besucher durch den Bayerwaldtierpark am Fuß des Großen Arber gehen können, habe sich das Verhalten der Tiere verändert. Manche Individuen sind deutlich scheuer geworden, andere kommen sofort an den Zaun, wenn die Tierpfleger da sind, beschreibt Claudia Schuh, die zoologische Leiterin des Tierparks, die Situation. Sie verweist auf den pädagogischen Auftrag von Zoos.

    "Unsere Tiere sind Stellvertreter für die wilden Artgenossen in freier Natur. Wir sind dazu da, unseren Besuchern diese Arten näher zu bringen, um den Besuchern zu zeigen, welche Tiere in ihrer unmittelbaren Nähe leben.“ Claudia Schuh, Zoologische Leiterin des Bayerwaldtierparks

    Zoo in Hof rechnet erst nach Ostern mit Öffnung

    Der einzige Zoo Oberfrankens in Hof sieht sich für eine mögliche Wiedereröffnung im Zuge der Corona-Lockerungen gerüstet. Ein paar Tage Vorlauf bräuchte man allerdings, um mögliche Auflagen zu erfüllen, erklärte eine Sprecherin des Tierparks dem BR. So müssten beispielsweise die Desinfektionspender und Mindestabstands-Schilder wieder aufgestellt werden, die seit der letzten Schließung Anfang November abgebaut worden sind. Wenngleich andere Tierparks in Ostbayern auf eine Wiedereröffnung zu Ostern drängen, erwartet man in Hof aufgrund des dann erhöhten Besucheraufkommens, frühestens nach dem Fest wieder öffnen zu dürfen.

    Finanziell sei der Zoo in Hof in Zeiten von Corona dank Futter- und Spendengeldern zuletzt stark unterstützt worden. Durch das Geld habe auch die kaputte Heizung im Savannenhaus im Wert von etwa 25.000 Euro ausgetauscht werden können. Das nächste geplante Projekt ist nun die Sanierung des einsturzgefährdeten Luchs-Geheges. Die Kostenkalkulation dafür sei gerade im Entstehen. Über die Höhe der Spendengelder machte die Sprecherin keine Angaben.

    Wildpark in Schweinfurt will bayernweites Vorgehen

    Der Wildpark an den Eichen in Schweinfurt würde sich über eine Öffnung freuen, sobald es das Infektionsgeschehen zulasse. Allerdings müsse die Öffnung von Zoos und Tierparks bayernweit von statten gehen. "Nur das macht Sinn, sonst werden einzelne Parks gestürmt", so Thomas Leier, Leiter des Wildparks in Schweinfurt. Betreiber des Parks mit neun Mitarbeitern ist die Stadt Schweinfurt. Rund 600.000 Besucher kommen jährlich hier her - der Eintritt in das Gelände ist frei. "Im Park liegen Spendenflyer aus, es gibt Spendentrichter und die Besucher können Tierfutter kaufen und an die Tiere verfüttern, dass fällt momentan weg“, so Leier weiter. Auch der parkeigene Kiosk ist dicht. Durch den aktuellen Lockdown fehlen mittlerweile rund 220.000 Euro. Von den 46 Hauptsponsoren, die den Tierpark unterstützen, sei jedoch keiner abgesprungen. Eine Öffnung des Parks eine Woche vor Ostern fände der Tierparkleiter noch besser, als an Ostern direkt. Dann würde sich der Ansturm möglicherweise etwas entzerren, so Leier weiter.

    Tierpark Sommerhausen mit speziellen Auflagen

    Auch der Tierpark in Sommerhausen im Landkreis Würzburg würde sich über eine Öffnung zu Ostern freuen, aber nur wenn es das Infektionsgeschehen zulasse. Das bestätigt Anja Gropp dem BR, welche für die Öffentlichkeitsarbeit des Parks zuständig ist. Der Tierpark gehört zu den Mainfränkischen Werkstätten und ist eine Inklusionseinrichtung. Im Tierpark arbeiten rund 45 Menschen, davon 30 Mitarbeiter mit Behinderung. Sie sind vor allem in den Bereichen Tierpflege, Gastronomie, Umweltstation tätig. "Unsere Mitarbeiter sind gerne mit den Gästen zusammen, dass fehlt natürlich“, so Gropp. Der Tierpark unterliegt daher den Hygiene- und Schutzauflagen für Menschen mit Behinderung.

    Aufgrund der monatelangen Stilllegung des Tierparks häuft sich auch im Sommerhausen derzeit ein Defizit an, bestätigt Gropp. "Die Tiere müssen gefüttert werden und der Park weiter in Schuss gehalten werden“. Da der Tierpark zu einem Unternehmensverband gehört, sei er allerdings noch in einer relativ komfortablen Lage. "Lange kann man das aber nicht mehr machen“, so Gropp weiter.

    Der Park mit rund 350 Tieren ist rund 14 Hektar groß und bietet eine große Bewegungsfläche. Ein Eingangszähler mit Ampelsystem wurde schon im vergangenen Jahr angeschafft und ein Hygienekonzept ausgearbeitet, erzählt Gropp. Wenn ein verantwortungsvolles Öffnen möglich ist, wäre der Park also bereit.

    Brief an Merkel und die Ministerpräsidenten

    Die verbandlich organisierten zoologischen Gärten und Tierparks hatten sich mit einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Bundesländer gewandt: Darin bitten sie darum, ab März wieder ihre Türen öffnen und Familien im Lockdown-Stress ein sicheres Ausflugsziel bieten zu dürfen.

    Die Hygienekonzepte der Mitglieder seien erprobt. Die stufenweise Öffnung der Außengelände und der geschlossenen Tierhäuser sowie die Aussteuerung von Kapazitäten ließen sich in Abstimmung mit den regionalen Behörden jederzeit an das Infektionsgeschehen anpassen. Aktuell haben die Tiergärten in Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und dem Saarland bereits geöffnet.

    Mitunterzeichner war auch Nürnbergs Tiergartendirektor Dag Encke, der Vizepräsident des Verbands Zoologischer Gärten (VdZ) ist. Auch habe er großes Verständnis, dass die Öffnung der Einrichtungen eine schwierige Abwägung sei. Allein im ersten Lockdown habe der Nürnberger Tiergarten etwa zwei Millionen Euro an Einnahmen verloren, sagt Dag Encke auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks. Jetzt hielten sich die Verluste saisonbedingt in Grenzen. Den Nürnberger Tiergarten trifft die Schließung als städtische Einrichtung demnach nicht so hart. Als Vizepräsident des VdZ schaut er aber auch auf kleinere kommunale und private Tierparks, denen es "an den Kragen geht“. Encke hält die Öffnung aber nur dann für sinnvoll, wenn es das Infektionsgeschehen und die Verbreitung der Corona-Mutationen zuließen.

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