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Tierparks: Artenschutz und Tierwohl gleichzeitig möglich? | BR24

© BR/Katharina Wysocka

Zoos wie Hellabrunn in München erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Oft diskutiert wird aber auch, ob es den Tieren hier gut geht. Ist es heutzutage denn noch zeitgemäß, Tiere in Gefangenschaft zu halten?

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Tierparks: Artenschutz und Tierwohl gleichzeitig möglich?

Zoos wie Hellabrunn in München erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Oft diskutiert wird aber auch, ob es den Tieren hier gut geht. Ist es heutzutage denn noch zeitgemäß, Tiere in Gefangenschaft zu halten?

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Das neue Mühlendorf im Münchner Tierpark Hellabrunn sieht aus wie ein bäuerliches Idyll mit einem Dorfladen und Stallungen, an denen Kinder mit ihren Eltern Rinder bestaunen und Ponys streicheln können. Hier bekommen heimische Nutztierarten viel Aufmerksamkeit.

Tiere sollen Besucher emotional berühren

Die Hoffnung des Tierparkdirektors Rasem Baban ist, dass die Tiere die Besucher emotional berühren und sie dann eher bereit sind, umzudenken und etwas für Arten- und Umweltschutz zu tun.

"Wenn wir unsere Ernährung überdenken, dann sind wir einen riesigen Schritt weiter. Das heißt nicht, dass wir alle Vegetarier werden sollen, aber wir müssen überlegen, wo kommt unsere Nahrung her, wie wird sie produziert und wie wertvoll ist Nahrung." Rasem Baban, Tierparkdirektor Hellabrunn

Ist es sinnvoll, dreimal täglich Fleisch zu essen? Reicht nicht einmal die Woche? Diese Fragen müsse man sich stellen, so Baban. Wenn man im Tierpark erfahre, woher das Fleisch kommt, dann kaufe man es auch eher vom Bauern statt beim Discounter, "wo kein Mensch weiß, was für ein Leid da teilweise dahintersteckt".

Bio- und Naturkundeunterricht für Kinder

Direktor Baban freut sich schon, wenn im September die Tierpark-Schule beginnt. Dann erhalten im sogenannten Erlebnisklassenraum Kinder in Anwesenheit von Ziegen Bio- und Naturkundeunterricht. Auch Tierschützer James Brückner vom Deutschen Tierschutzbund überzeugt das Konzept im Mühlendorf.

Heimische Arten erklären, alte Nutztiere zeigen und erhalten - genau so etwas wünsche man sich von Zoos. Doch nicht in allen Tierparks sei der Ansatz so modern wie in München: "Für uns aus Tierschutzsicht ist es wichtig, dass das Tierwohl nicht beeinträchtigt wird, also Artenschutz und Bildung ja, aber nicht auf Kosten der Tiere", sagt Brückner.

Nicht artgerecht: Tierschützer kritisiert Löwengehege in Hellabrunn

Vor einem Gehege in Hellabrunn ist immer besonders viel Gedränge: Hier recken alle Besucher die Hälse, um die beiden imposanten Löwenmännchen zu sehen. Im Sommer liegen sie oft lässig im Schatten eines Baumes hinter einem Wassergraben und beobachten die Menschen durch halb geschlossene Augen.

Diese Anlage gefällt dem Tierschützer allerdings gar nicht. Hier werde ein Brüderpärchen gehalten, also kein Rudel. Damit sei die Interaktion mit Artgenossen nur begrenzt möglich. Zudem sei die Anlage sehr klein: "Man hat wenig Möglichkeiten, hier die Tiere zu beschäftigen oder die Anlage zu strukturieren, damit die Tiere auch Reize haben", erklärt Brückner. Das trage dazu bei, dass man diese Haltung als nicht artgerecht einstufen müsse.

Zoodirektor will zu kleines Gehege vergrößern

Die beiden Löwen haben die Anlage vor sieben Jahren bezogen. Das war noch unter dem Vorgänger von Parkdirektor Rasem Baban. Die Anlage entspricht den gesetzlichen Vorgaben, doch Baban ist klar, dass sie eigentlich zu klein ist. Eine Lösung ist aber schon gefunden: Auf dem ehemaligen Gehege der Braunbären wird Ende nächsten Jahres ein neues Löwengehege gebaut.

Es soll fünfmal so groß werden. Also Platz genug für ein kleines Löwenrudel - mit Versteckmöglichkeiten und verschiedenen Ebenen, so der Tierparkdirektor. Tierschützer Brückner dauert das aber viel zu lange. Denn einziehen können die Löwen erst in zweieinhalb Jahren, dann sei das halbe Leben der Löwenbrüder bereits vorbei, kritisiert er.

"Nicht jeder Tierpark muss Schimpansen im Programm haben"

Wenn es schon im Tierpark Hellabrunn, der als relativ vorbildlich gilt, noch Dinge gibt, die verbessert werden müssen - um wie viel mehr muss das dann für die vielen kleinen Zoos und Tierparks in Bayern zutreffen, fragt sich Brückner: "Bei den kleineren Zoos sehen wir oft, dass die Gehege nicht den modernen Ansprüchen genügen, weil der Raum nicht da ist, weil die finanziellen Ressourcen nicht da sind."

Brückner zufolge gibt es kleineren Zoos viele Ehrenamtliche, die sicherlich sehr engagiert sind, aber nicht das leisten können, was von Hauptberuflichen gemacht wird.

"Kleine Zoos sollten sich auf Arten wie Nutztierrassen oder Haustiere beschränken, deren Bedürfnisse viel einfacher zu erfüllen sind. Es muss auch nicht jeder Tierpark Schimpansen oder Löwen im Programm haben, auch hier kann eine Spezialisierung stattfinden, so wäre dem Tierschutz Genüge getan." James Brückner, Deutscher Tierschutzbund

Sind Zoos also noch zeitgemäß? Es kommt sehr darauf an, welche Möglichkeiten ein Zoo hat, die Tiere ihren Bedürfnissen entsprechend zu halten. Wenn das gegeben ist, sagt Tierschützer Brückner, können Zoos zumindest helfen, bei den Besuchern ein Bewusstsein für die Vielfalt des Lebens zu entwickeln, die leider weltweit bedroht ist.