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Die Medizinwelt ist längst auf den Hund gekommen - für deren guten Spürsinn, der zur Diagnose beitragen kann.

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    Tierische Vorab-Diagnose: Hund erschnüffelt Tumor

    Isabel Holden aus dem oberfränkischen Weidenberg galt schon als genesen, nachdem sie 2014 an Brustkrebs erkrankt war. Jahre später geht Golden Retriever-Mischling Bella auf Distanz zu ihr. Der Hund erschnüffelte, was dann die Nachuntersuchung ergab.

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    Von
    • Simon Berninger

    Hunde-Dame Bella versüßt Isabel Holden jedes Mal aufs Neue den Gang zur Autowerkstatt ihres Vertrauens. Der Golden Retriever-Mischling gehört dem Werkstattbesitzer im oberfränkischen Weidenberg im Landkreis Bayreuth, von dem Isabel Holden seit Jahren ihren Wagen warten lässt.

    Doch nach jenem Werkstattbesuch im März 2019 war nichts mehr wie zuvor: "Bella kommt zu mir, riecht an mir, dreht sich um und geht und ist nie wieder zu mir hergekommen", erzählt die 57-Jährige im Bayern1-Interview. Dabei komme Isabel Holden seit Jahren häufig in die Werkstatt - und die zutrauliche Hündin dann prompt zu ihr. "Sie ist nie von meiner Seite gewichen, solange ich in der Werkstatt war", erzählt Isabel Holden.

    Mammographie ergibt, was Hündin schon vorher wusste

    Warum Hündin Bella nicht mehr kam, obwohl die Weidenbergerin auch nach jenem Tag im März 2019 immer mal wieder in die Werkstatt musste, erschließt sich ihr im Nachhinein: Denn wenig später musste Isabel Holden zur Mammographie, eine Nachuntersuchung ihrer Brustkrebs-Erkrankung stand an. 2014 bekam Isabel Holden die Diagnose Brustkrebs, im Frühjahr 2019 galt sie längst als genesen.

    Bei der Nachuntersuchung kam aber heraus: Der Krebs ist zurück. Hund Bella sei ihr deshalb von der Seite gewichen, sagt Isabel Holden: "Der Hund hat das schon vorher gemerkt und hat sich nicht mehr zu mir hingewagt, bis die Behandlungen fertig waren und bis der Tumor entfernt war und bis alles wieder gut war."

    Wissenschaft baut auf tierischen Spürsinn - auch bei Corona

    Tatsächlich riechen Hunde 10.000 bis 100.000 mal besser als Menschen. Das macht sich die Medizinwelt aktuell auch in der Corona-Pandemie zunutze: In einer Studie der London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM) konnten Hunde mit einer Genauigkeit von bis zu 94 Prozent Corona-Infizierte erschnüffeln. Und auch in der Krebsdiagnostik haben Forscher bereits erfolgreich mit Hunden experimentiert - am Pariser Curie-Institut etwa mit zwei Schäferhunden aus Deutschland, die die Verbände von Krebspatienten erschnüffeln konnten; in Würzburg gab es sogar Tests, bei denen Hunde an der Atemluft von Menschen gerochen haben, dass sie Lungenkrebs hatten.

    So mag das auch Hündin Bella in Weidenberg gemacht haben, auch wenn in ihrem Fall keine wissenschaftliche Expertise angestellt wurde. Isabel Holden kann aber mit Fakten aufwarten: Auch der zweite Krebs ist besiegt - und Hündin Bella kommt heute wieder zu ihr. "Und wir lachen jetzt schon immer alle, wenn ich in die Werkstatt komme und schaue, ob die Bella da bleibt und dann sagt jeder: Alles in Ordnung."

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