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Tiere in Hellabrunn: Von Langeweile bis Entspannung pur | BR24

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Löwe im Tierpark Hellabrunn

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    Tiere in Hellabrunn: Von Langeweile bis Entspannung pur

    Das haben die Tiere im Münchner Tierpark Hellabrunn noch nie erlebt, monatelang keine Besucher. Wie kommen sie mit dem Lockdown zurecht? Ähnlich wie wir Menschen: manche sind nun viel entspannter, anderen fehlt die Abwechslung.

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    Von
    • Katharina Wysocka

    Im Primatenhaus des Tierparks Hellabrunn haben die Gorillas seit Wochen den gleichen Ausblick durch das Panzerglas ihres Geheges: Sie sehen Fische und Reptilien in den Aquarien gegenüber, aber außer den Pflegern keine menschlichen Besucher.

    Tiere langweilen sich im Tierpark

    Das sei ziemlich fad für die intelligenten Tiere, weiß Tierpfleger Moritz Schiller. Das Gorillaweibchen Sonja setzte sich zum Beispiel gerne an die Scheibe, um einfach zu schauen, wer da ist. Das falle jetzt weg. "Die Tiere haben eine sehr gute Gesichtserkennung", so Schiller. "Das heißt, sie können durchaus die ganzen Unterschiede in den Gesichtern ausmachen und das ist für die Tiere einfach spannend, wenn sie nicht jeden Tag die gleichen Gesichter sehen."

    Ja, nicht nur Menschen beobachten Gorillas und Schimpansen gerne, auch umgekehrt finden die Primaten das unterhaltsam. Nun muss andere Beschäftigung her: Pfleger verstecken das Futter der Tiere oder bringen ihnen Spielbälle, die sie sich schnappen und werfen.

    Auch den Löwen fehlt Unterhaltung

    Im Löwengehege lassen sich die beiden Löwenbrüder kaum anmerken, dass ihnen Unterhaltung fehlt - zum Beispiel in Form eines nervigen Hundes oder einer lauten Schulklasse. Sie entspannen wie immer auf den Steinen und schauen gelassen über den Wassergraben. Doch wie Menschen, wollen auch sie geistig gefordert werden.

    Auch zu normalen Zeiten beschäftigen und trainieren die Pfleger die Tiere, erklärt die Tierpflegerin und Bereichsleiterin Anja Waldinger. Ohne die Ablenkung durch Besucher sei das noch mehr nötig. Die Tierpfleger haben aber auch mehr Zeit dafür, weil sie zum Beispiel nicht jeden Tag die Scheiben auch von außen putzen müssen.

    Exotische Düfte lenken ab

    "Wir arbeiten bei den Katzen sehr viel mit Düften und verteilen Parfüms zum Beispiel oder Zimt im Gehege. Das finden die Katzen super spannend, weil sie alles abriechen und neu markieren müssen", erklärt Waldinger. "Die Löwen sind unterwegs, sie müssen was tun, was im normalen Verhalten draußen auch der Fall wäre. Da kommt mal ein fremder Löwe in das Revier und markiert an einen Baumstamm. Deswegen patrouillieren Katzen immer ihre Territorien ab und markieren an diesen Stellen wieder, um zu sagen, dass hier ist meins und da hat keiner was verloren."

    Dies müssen nun die Tierpfleger mit Düften simulieren. "Wir arbeiten auch mit der Wolle unserer Lamas zum Beispiel. Die bekommen die Löwen dann in einem Papiersack, und lieben es dann, die Wolle zu zerfetzen und im ganzen Gehege zu verteilen", erklärt Waldinger. "Also die Löwen finden sehr spannend, wenn wir im Gehege Zebrakot verteilen, einfach, weil es etwas Neues ist und sie riechen, dass es eigentlich ein Beutetier ist, also ein Grasfresser."

    Keine Besucher: Für manche Entspannung pur

    Auf der weitläufigen Wiese der Südamerika-Anlage brauchen die Alpaka-ähnlichen Vikunjas, die Laufvögel Darwin-Nandus und die Pampashasen kein extra Programm, sie beschäftigen sich untereinander.

    Tierpfleger Florian Hundshammer beobachtet, dass die Tiere die Grenzen im Gehege anders gezogen haben, sich breit machen und näher an den Wassergraben herankommen. "Ich würde sagen, dass man definitiv merkt, dass die Tiere entspannter sind, als wenn jetzt hier drei Schulklassen sind", meint Hundshammer. "Jedem tut Entspannung gut, denke ich mal. Also werden sie das auch genießen, auf eine gewisse Art und Weise."

    Einmal kraulen, bitte

    Die Afrikanischen Zwergziegen aus dem Streichelgehege können sich auch gut untereinander beschäftigen. Sie leben in Hellabrunn in einer großen Gruppe. Die Ziegen haben enge Freundschaften untereinander, und oft bleiben Mutter und Kinder ein Leben lang zusammen. Dennoch vermissen sie Besucher - zum Kraulen. Als die Tierpflegerin Anja Waldinger das Gehege betritt, stürmen alle Ziegen auf sie zu, und sie krault eine nach der anderen bereitwillig durch.

    "Also, man merkt es natürlich schon, dass den Ziegen die Streicheleinheiten fehlen", meint Waldinger. "Ziegen sind ja unglaublich soziale und neugierige Tiere, und sie lieben Kontakt mit den Besuchern. Wenn der richtig stattfindet, mögen sie das total gerne, und Aufmerksamkeit wollen sie alle bekommen. Es soll ja auch so sein, dass die weiterhin so zutraulich und menschenbezogen bleiben, weil wir hoffen ja, bald wieder aufmachen dürfen."

    Gesellige Tiere wie die Zwergziegen oder die Gorillas werden sich also auf alle Fälle freuen, wenn hoffentlich in ein paar Wochen endlich wieder Besucher kommen.

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