| BR24

 
 

Bild

Symbolbild: Tierarztbehandlung bei Großtieren
© picture alliance / BSIP
© picture alliance / BSIP

Symbolbild: Tierarztbehandlung bei Großtieren

Der Chef des Bundesverbands praktizierender Tierärzte, Siegfried Moder, schlägt Alarm: Es sei immer schwieriger, auf dem Land Tierärzte für Nutztiere zu finden. Einen Grund dafür sieht er darin, dass immer weniger Männer und immer mehr Frauen Tierärzte werden.

"Der Anteil der Studentinnen liegt – je nach Universität – im Moment zwischen 80 und 90 Prozent. Dabei haben wir die Situation, dass ungefähr 25 Prozent der Absolventinnen gar nicht am Arbeitsmarkt erscheinen, weil sie heiraten, weil sie eine Familie gründen und uns für die Arbeit verloren gehen." Siegfried Moder, Präsident des Bundesverbands praktizierende Tierärzte

Wenn Frauen als Tierärzte arbeiten, dann laut Moder aus familiären Gründen meistens als Angestellte mit planbaren Arbeitszeiten. Sollte jedoch ein Notfall kommen, wie zum Beispiel eine komplizierte Kalbung mitten in der Nacht, muss ein Tierarzt auch um drei Uhr früh im Stall verfügbar sein. Mit einer Angestellten, die auf einem regelmäßigen Acht-Stunden-Tag besteht, ist ein 24-Stunden-Notdienst aber nicht zu machen.

"Ein selbständiger Praxisinhaber darf so lange arbeiten, wie er will", erläutert der Verbandspräsident. "Bei den Angestellten müssen wir auf die Arbeitszeit achten. Deswegen wird es immer schwieriger unter den Vorgaben des Arbeitszeitschutzgesetzes diesen Notfalldienst zu gewährleisten."

Problem der verzerrten Realität im Fernsehen

Außerdem bevorzugten Frauen Kleintiere wie Katzen, Hunde und Hamster. Niedlicher, süßer, harmloser seien diese - ein Bild, das vor allem durch Tierarzt-Serien geprägt werde. Siegfried Moders Frau Dagmar betreibt seit 35 Jahren eine Kleintierpraxis in Steingaden. Bei ihren Auszubildenden sieht sie bereits die Folgen des Fernsehklischees: Immer weniger Tierärztinnen wollen Nutztiere wie Schweine oder Kühe behandeln.

"Im Kuhstall ist Geruch, man muss sich häufiger die Haare waschen, und die Tiere schubsen einen natürlich auch. Da braucht man schon die entsprechende Statur. Im Kleintierbereich ist eher gefährlich, das Katzen und Hunde beißen und kratzen. Aber da kann man sich mit Schutzkleidung besser behelfen." Dagmar Moder, Tierärztin

Furcht vor großen Seuchen

Moders Kollegen im Bayerischen Wald haben schon jetzt Probleme, freie Tierarzt-Stellen zu besetzen. Diese Entwicklung könnte sich bald auf ganz Bayern ausbreiten – mit fatalen Folgen:

"Wir haben die Blauzunge und die Afrikanische Schweinepest vor der Tür. Ich hoffe, dass wir davon verschont bleiben. Aber sollten wir die Afrikanische Schweinepest bekommen, dann haben wir sehr große Probleme hier, die Tierseuchenbekämpfung entsprechend durchzuführen.“" Siegfried Moder, Präsident des Bundesverbands praktizierende Tierärzte