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Nicht mehr sprechen, sitzen und essen können: Wer an Corona schwer erkrankt, kämpft oft auch mit Spätfolgen. Im Thoraxzentrum im unterfränkischen Münnerstadt werden Menschen mit Long-Covid-Syndromen behandelt. Sie müssen oft Alltägliches neu lernen.

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Thoraxzentrum Münnerstadt behandelt Long-Covid Patienten

Nicht mehr sprechen, sitzen und essen können: Wer an Corona schwer erkrankt, kämpft oft auch mit Spätfolgen. Im Thoraxzentrum im unterfränkischen Münnerstadt werden Menschen mit Long-Covid-Syndromen behandelt. Sie müssen oft Alltägliches neu lernen.

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Von
  • Norbert Steiche

Während der Corona-Pandemie stellt sich heraus, dass es unter den einst Infizierten und Genesenen viele Menschen gibt, die auch noch Wochen und Monate nach ihrer Corona-Erkrankung nicht wieder auf die Beine kommen. Viel Zeit brauchen vor allem Menschen, die beatmet worden sind. Sie müssen zum Teil grundlegendes wie essen, sprechen und sitzen wieder lernen. Das vom Bezirk Unterfranken betriebene Thoraxzentrum in Münnerstadt im Landkreis Bad Kissingen ist eine der wenigen Klinken, in denen Menschen mit dem sogenannten Long-Covid-Syndrom behandelt werden. Darunter sind Patienten, die auch nach über zwölf Wochen nach ihrer Corona-Erkrankung gesundheitliche Probleme haben.

Probleme vor allem bei schwer Erkrankten

Gerhard Panzer ist einer der Patienten im Thoraxzentrum, die hier im Rahmen von Rehabilitationsmaßnahmen hoffen, langfristig wieder arbeiten zu können. Im Augenblick noch sitzt er im Rollstuhl. Der 58-Jährige aus Schlüsselfeld versucht in der Reha unter anderem auf einem medizinischen Fahrrad-Ergometer Kraft zu tanken. Dafür wird er von einer Physiotherapeutin an das Gerät geschoben. Vorsichtig steht er auf, wechselt die Sitzfläche und versucht auf die Pedalen zu kommen. Obwohl er weiterhin über einen Schlauch in der Nase mit Sauerstoff versorgt wird, ist er außer Atem. Auf die Frage ob er ungeduldig sei, antwortetet der, dass die Erkrankung seine Leben verändert habe. Er habe auch eine andere Denk- und Sichtweise entwickelt, sagt er.

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Thoraxzentrum

Von "kerngesund" zu "sterbenskrank" in drei Tagen

Mitte Dezember war Gerhard Panzer nach einer Corona-Infektion erkrankt. Binnen drei Tagen ging es ihm ganz schlecht. Erst bekam er Husten, dann Fieber und plötzlich Atemnot. So stark, dass er ins Koma versetzt und künstlich beatmet werden musste. Einen Monat lang. Als er wieder aufwachte, konnte er nichts mehr. Nicht schlucken, nicht essen und nicht einmal sitzen. Er war komplett auf Hilfe angewiesen, musste gefüttert und gewaschen werden.

Vielfältige Auswirkungen von Long-Covid-Syndromen

Manche Menschen haben auch Wochen nach ihrer Genesung Wortfindungsstörungen, können sich nicht konzentrieren, sind antriebslos oder sind schon nach einer kurzen Belastung schlapp. Kilian Rottenberger aus dem Raum Burkardroth im Landkreis Bad Kissingen hatte "nur" heftige Gliederschmerzen. Der 44- Jährige ist aber auch Monate nach seiner Erkrankung nicht wieder so leistungsfähig wie vorher. Jetzt kann er immerhin schon wieder Walken gehen.

Patienten brauchen vielfach psychische Hilfe

Bis zu 40 Prozent der Menschen, die eine Corona-Infektion überstanden haben, leiden an Langzeitproblemen. Viele brauchen zudem psychische Hilfe, denn auch die Zeit im Koma kann zu posttraumischen Belastungsstörungen führen, sagt Dr. Bernd Seese, der Chefarzt des Thoraxzentrums Münnerstadt. In diesem Zeitraum sei der Schlaf-/Tag-Rhythmus schwer gestört. Die Patienten unterliegen möglichweise Eingriffen, die schmerzhaft seien und die als beängstigend wahrgenommen würden. "Vielleicht alptraumhaftes Wahrnehmen dieser ganzen Umgebung, das ist eine extreme psychische Belastung, die – wenn die Patienten langsam wieder in den Normalzustand zurückkommen – erstmal verarbeitet werden muss", sagt Seese.

Auf langen Behandlungszeitraum eingestellt

34 Menschen mit Langzeit-Auswirkungen ihrer Covid-Erkrankung werden im Augenblick im Thoraxzentrum Münnerstadt behandelt. Und auch wenn immer mehr Menschen gegen Corona geimpft werden, rechnet Dr. Bernd Seese nicht mit einem Rückgang der Langzeit-Erkrankten in seinem Haus.

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