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Bei den Würzburger Maltesern versehen rund 600 Ehrenamtliche unterschiedlichste Dienste. Seit rund einem Jahr haben sie nun auch tierische Verstärkung: Therapiebegleithunde. Mit ihrer Hilfe gelingt es, Menschen in mehrfacher Hinsicht zu berühren.

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Therapiebegleithunde – Wenn Malteserhelfer Pfötchen geben

Bei den Würzburger Maltesern versehen rund 600 Ehrenamtliche unterschiedlichste Dienste. Seit rund einem Jahr haben sie nun auch tierische Verstärkung: Therapiebegleithunde. Mit ihrer Hilfe gelingt es, Menschen in mehrfacher Hinsicht zu berühren.

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Von
  • Frank Breitenstein

Einmal im Monat ist Hunde-Tag in der Würzburger Seniorenwohnanlage am Hubland. Dann kommen die Malteser zu Besuch. Und zwar auf zwei und auf vier Beinen. Denn auch die Hunde sind offizielle Mitarbeiter der Malteser. Sie tragen sogenannte Kenndeckchen um den Körper mit offiziellen Dienstbezeichnung "Therapiebegleithund" oder doch zumindest ein Halstuch, auf dem "Azubi" steht.

Hunde sorgen für Wohlfühlklima

An diesem heißen Nachmittag, das Thermometer zeigt über 30 Grad Celsius, sitzen die Seniorinnen und Senioren im Hof des Wohngebäudes – manche unter großen Sonnenschirmen, andere auf Bänken an der Hauswand; Hauptsache Schatten!

Doch als gleich neun Hundeführerinnen mit ihren Schützlingen eintreffen, da ist die Hitze mit einem mal wie weggefegt. Es kommt zusehends Bewegung in die Szenerie: Viele der alten Damen und Herren begrüßen den Besuch mit Lachen und offenen Armen, während sich die großen und kleinen Vierbeiner schwanzwedelnd nähern und sich ihre Streicheleinheiten abholen.

Jeder Hundetag ist hier ein Freudentag und lässt nicht nur die die 30 Grad im Schatten vergessen, sondern auch manchen Kummer und Trübsinn, der auch vor einer Seniorenresidenz nicht Halt macht. Emotionen und Erinnerungen gehen hier Hand in Hand…

Ein Lächeln auf allen Gesichtern

Kunigunde Bayer versucht sich an einem kleinen Kunststück: Vor der sitzenden Seniorin hockt Hermine, das genetische Produkt aus einem Labradudel und einem spanischen Windhund. Der stattliche Wuschelkopf mit dem treuen Blick lässt das Leckerli nicht aus den Augen, das Frau Bayer zwischen Daumen und Zeigefinger hält. Achtung, Trommelwirbel: der Hundekuchen fällt, und Hermine schnappt ihn sich aus der Luft. Lachen und Zufriedenheit machen sich breit. Silvia, Hermines Besitzerin, beteuert anerkennend, dass dieser Trick nicht jedem so souverän gelinge. Und dann erzählt Kunigunde Bayer von ihrer langen Erfahrung mit Hunden, die mit einem Dackel begann und mit einem Bernhardiner aufhörte.

Wohin man schaut, werden Streicheleinheiten verteilt. Auch die Menschen sind berührt. Und nicht nur von Hundenasen, sondern vor allem von der bedingungslosen Nähe, die ihnen die Hunde schenken.

Helga Neugebauer genießt es, Ben, dem Australian Shepard, durchs Fell zu wuscheln. Sie liebt besonders die Großen, sagt sie, aber streicheln könne man schließlich alle. Auf die Frage, ob sie selbst auch Hunde hatte, bekommt ihr Blick etwas Nachdenkliches. Dann antwortet sie mit wehmütigem Unterton: „den letzten hatte ich 15 Jahre und drei Monate“.

Eine ganze Stunde verbringen die Malteserteams in der Seniorenresidenz. Wegen Corona finden die Besuche zur Zeit ausschließlich im Freien statt. Doch normalerweise würden sie auch hineingehen.

100 Stunden Ausbildung für Hund und Mensch

Die Therapiebegleithunde sind auf alles vorbereitet, erklärt Annette Wolf, eine der beiden ehrenamtlichen Leiterinnen des Hundebesuchsdienstes. Denn bevor die Vierbeiner ihre Dienstkleidung anziehen dürfen, bekommen Mensch und Hund zunächst eine fundierte Ausbildung für den Dienst.

Im Laufe eines Jahres absolvieren die Teams insgesamt 100 Stunden Theorie und Praxis. So lernen die Menschen bei erfahrenen Referenten neben Erste-Hilfe-Wissen etwa auch, was es bei der Begegnung mit Demenzerkrankten zu beachten gilt. Und sogar auf den Besuch bei Sterbenden im Hospiz bereiten sich die Hundehalterinnen und -halter vor.

Therapiebegleithunde brauchen einen gutmütigen Charakter

Alle Hunde müssen vor Beginn ihrer Ausbildung, unabhängig von ihrer Größe oder Rasse- alle erst mal zum Eignungstest. Tierärztin Tanja Weigert prüft jeden Hund eine ganze Stunde lang auf seine Stresstauglichkeit. Dabei pfeffert sie etwa dicht neben dem Golden Retriever namens Blue ein Blecheimerchen auf den Asphalt im Hof der Würzburger Malteserwache. Der zuckt kaum mit der Wimper und hat demnach beste Chancen, vom Azubi zum Profi aufzusteigen.

Wichtig ist, dass ein Hund selbstsicher ist und in sich ruht, erklärt die Tierärztin. Außerdem muss er freundlich zu Menschen sein und Spaß an der Arbeit haben. Dem könne man aber auch durchaus mit kleinen Leckerli auf die Sprünge helfen. Grundlegend sei auf alle Fälle, dass der Hund frei von Aggressionen sei und gute Nerven besitze. Schließlich kann immer mal was Unvorhergesehenes passieren im Umgang mit Menschen. Das muss ein Therapiebegleithund cool wegstecken.

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Die Würzburger Malteser haben neben rund 600 Ehrenamtlichen seit rund einem Jahr auch tierische Verstärkung: Therapiebegleithunde. Mit ihrer Hilfe gelingt es, Menschen in mehrfacher Hinsicht zu berühren.

Ein wegweisendes Ausbildungskonzept

Auch wenn es noch keine amtliche Vorgabe für ein Ausbildungskonzept gibt, sind die Malteser einer möglichen Regelung schon mal zuvorgekommen. Schließlich blicken sie in Unterfranken diesbezüglich auch schon auf einige Jahre Erfahrung zurück. Bereits 2017 gingen in Aschaffenburg die ersten 4 Mensch-Hund-Teams an den Start. Mittlerweile sind es dort 50. Und auch in Würzburg ist das Interesse riesig. Gut ein Jahr, nachdem die Malteser auch hier Therapiebegleithunde auszubilden begannen, nehmen bereits 35 Vierbeiner mit Frauchen und derzeit immerhin zwei Herrchen an der Ausbildung teil.

Ehrenamtliche zahlen nichts, profitieren viel

Die ist komplett kostenlos für Mensch und Hund. Auch das professionelle Hundetraining mit Daniela Ebert. Sie arbeitet einmal monatlich mit den Teams und geht dabei auf besondere Situationen ein, die im Alltag eines Therapiebegleithundes eintreten können. Dazu gehört das Aufzugfahren ebenso wie das Begleiten eines Menschen im Rollstuhl oder mit Gehhilfen.

Mit diesem Rüstzeug besuchen die Teams dann in ihrer Freizeit und ehrenamtlich kleine und große Menschen mit Behinderung und sogar Sterbens Kranke. Oder eben Seniorinnen und Senioren. Die bekommen im Idealfall von der aufwendigen Vorarbeit überhaupt nichts mit und können den Besuch von Hund und Mensch einfach nur genießen. Und wenn tatsächlich mal jemand unter den älteren Herrschaften etwas Respekt vor großen Tieren hat, dann steht Katja mit ihren Chihuahuas Lou und Yala bereit. Die kommen als echte Schoßhündchen fast immer gut an. Ja, selbst so eine Handvoll Hund kann – zumindest für den Augenblick- ganz große Freude bereiten.

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