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Theo Waigel wird 80 - und blickt auf sein Lebenswerk | BR24

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Der ehemalige CSU-Vorsitzende Theo Waigel bei der Vorstellung seiner Autobiografie

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Theo Waigel wird 80 - und blickt auf sein Lebenswerk

Am Ostermontag wird Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel 80 Jahre alt. Anlässlich des Geburtstages hat er seine Memoiren vorgelegt. Auch im ARD-Politmagazin "report München" blickt der CSU-Politiker zurück.

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Für das ARD-Politmagazin "report München" hat Theo Waigel in einem sehr persönlichen Gespräch zahlreiche seiner politischen Stationen Revue passieren lassen und an einige seiner Weggefährten erinnert. Und er ist in dem Gespräch für einen Politiker ungewöhnlich persönlich geworden.

Erinnerungen an seinen Bruder

Es ist eine wenig bekannte Seite, die Theo Waigel zu Beginn des Gesprächs zeigt. Er zitiert aus einem Brief, den sein Bruder Gustl im Kriegsjahr 1944 von der Front schrieb. Ein Moment, der Theo Waigel nahegeht.

"Man macht ja alles gern, wenn man wüsste, ob man noch einmal heimkommt. Ich denke mir nur manchmal, wenn es mich nur gleich erwischen würde. Aber: Es lebt doch jeder gern … Wenige Tage später war er tot." Theo Waigel, Ex-Bundesfinanzminister

61 Briefe schrieb der Bruder an Theo Waigels Eltern und an ihn, bevor er mit 18 Jahren in Lothringen fiel. Dass der frühere CSU-Vorsitzende diesen tiefen Blick in seine Seele gewährt, hat vor allem einen Grund. Nämlich die Botschaft, die Vergangenheit nicht zu vergessen, um daraus für die Zukunft zu lernen:

"Das ist mein Appell an die junge Generation, ihre Zukunft in die Hand zu nehmen. Zu verhindern, dass nie mehr so etwas passiert. Den Populisten und Feinden der Demokratie entschieden entgegenzutreten und für Europa einzutreten. Denn das ist das Beste, was wir haben." Theo Waigel

Waigel steht für Euroeinführung

Ein Europa, das Theo Waigel als CSU-Chef und langjähriger Bundesfinanzminister entscheidend mitgeprägt hat. So ist etwa die Einführung des Euro, die er bis heute vehement verteidigt, zweifelsohne untrennbar mit seinem Namen verbunden.

"Ich kann die Zweifler verstehen, weil die D-Mark ein Erfolgsmodell war und weil sie ja zur deutschen Identität gehört hat. Und trotzdem hätten wir mit einer nationalen Währung die Herausforderungen der letzten Jahre und Jahrzehnte nicht bestanden. Und wir wären zu einem Spielball der Amerikaner und auch der Chinesen geworden. Da würde Europa mit 30 verschiedenen Währungen untergehen." Theo Waigel

CSU-Kollegen waren gegen Euro

Dass es gerade die von seinem Parteifreund Edmund Stoiber geführte CSU-Staatsregierung in Bayern war, die im Bundesrat gegen die Einführung des Euro stimmen wollte, hat Waigel bis heute nicht vergessen. Er wäre sofort zurückgetreten, als Parteichef und Finanzminister, sagt er. Stoiber machte einen Rückzieher.

Das Verhältnis zum langjährigen bayerischen Ministerpräsidenten ist bis heute angespannt. Der Streit geht auf das Jahr 1993 zurück als beide, Stoiber und Waigel, bayerischer Ministerpräsident werden wollten. Damals wurden Details der privaten Situation Waigels – die Trennung von seiner Frau - an die Presse lanciert. Stoiber will damit nichts zu tun gehabt haben. Und: Er kenne auch keinen, der so etwas getan haben könnte. Waigel bleibt skeptisch:

"Das nehme ich ihm nicht ab. Denn, dass es niemand gewesen wäre, dass es niemand gegeben habe und dass man niemand gekannt habe, der in der Zeit mit solchen Dingen spekuliert hat, das glaube ich nicht." Theo Waigel

Ein Konflikt, der noch immer schwelt. Bis heute ist der Streit mit Stoiber nicht ausgeräumt.

"Es wäre an ihm gelegen, da auf mich zuzukommen." Theo Waigel

Versöhnlicher gibt sich Theo Waigel mit dem jetzigen bayerischen Regierungschef Markus Söder, für dessen Kurs in der Flüchtlingspolitik die CSU bei der Landtagswahl mit abgestraft wurde. Söder hat die Europa-Skepsis inzwischen abgestreift. Theo Waigel nimmt ihm den Kurswechsel ab.

"Ich muss ehrlich sagen, ich finde es gut, wenn ein Politiker mal sagt, da ändere ich meine Diktion. Da habe ich eingesehen, dass war nicht so optimal. Und ich meine den Kurs, den er jetzt vertritt, den unterstütze ich mit voller Kraft." Theo Waigel

Waigel ist Fan von Greta Thunberg

Beeindruckt zeigt sich der frühere CSU-Chef von der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg. Dass die 16-Jährige und ihre Mitstreiter der Politik Dampf machen, findet Theo Waigel gut.

"Ja, ich war auch als Schüler schon politisch aktiv. Und wir wollten die Welt verändern. Und was uns damals bewegt hat, muss man heute den jungen Menschen auch zugestehen. Insofern müssen wir das ernst nehmen. Wenn das die Politik nicht ernst nimmt, dann werden solche Bewegungen über die Politik hinweggehen." Theo Waigel

Mehr dazu in Kontrovers 17.04.2019, 21:00 Uhr: Die Story "Theo Waigel - 'Vater des Euro' wird 80

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