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Theo Waigel: Abrechnung mit Stoiber zum 80. | BR24

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Waigel und Stoiber beim CSU-Parteitag im September 2018

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    Theo Waigel: Abrechnung mit Stoiber zum 80.

    Die CSU schenkt ihm zum runden Geburtstag ein Symposium – und Theo Waigel beschert seiner Partei eine neue Runde im Zwist mit seinem Co-Ehrenvorsitzenden Stoiber. Waigel, der am Montag 80 wird, gibt einen ungewöhnlichen Einblick ins Innere der CSU.

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    Erst die Familie, dann die Partei. Seinen 80. Geburtstag am Ostermontag will Ex-CSU-Chef Theo Waigel daheim im Ostallgäu verbringen – nach einem Gottesdienstbesuch geht es mit Ehefrau, Kindern und Enkeln zum festlichen Mittagessen. Mit der CSU wird eine Woche später gefeiert: Anlässlich des runden Geburtstags des Ehrenvorsitzenden veranstaltet die Partei ein Europa-Symposium in der Hanns-Seidel-Stiftung, zu dem viel Politprominenz erwartet wird.

    Ein besonderes Geschenk zu seinem 80. machte sich Waigel schon selbst: Vor wenigen Tagen erschien sein Buch "Ehrlichkeit ist eine Währung", das er seit Tagen mit Interviews bewirbt. Zwar schlägt er auf 350 Seiten einen Bogen von seiner Kindheit und Jugend in Schwaben über seine politischen Stationen in München, Bonn und Berlin bis hin zu Weggefährten wie Franz Josef Strauß und Helmut Kohl, erinnert sich an politische Meilensteine wie die deutsche Wiedervereinigung und die Euro-Einführung. Für Aufsehen sorgten aber insbesondere die wenigen Seiten, auf denen er mit seinem Parteifreund Edmund Stoiber abrechnet.

    Waigel glaubt Stoiber nicht

    Während der neue CSU-Chef Markus Söder und sein Vorgänger Horst Seehofer nach ihrem jahrelangen Machtkampf zuletzt öffentlich auf demonstrative Harmonie setzen, lässt Waigel den Streit mit Stoiber wieder aufleben. In seinem Buch erinnert er an die CSU-interne "persönlich diffamierende Kampagne", die 1993 gegen ihn inszeniert worden sei – im Zuge seines Duells mit Stoiber um das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten.

    "Während mein Privatleben in den vergangenen Jahren keine Rolle gespielt hatte, wurden nun die Trennung von meiner ersten Frau, obwohl sie schon fünf Jahre zurücklag, und meine Beziehung zu Irene Epple zum Thema", schreibt Waigel in seinem Buch. Stoiber habe zwar versichert, er lehne solche heimtückischen Methoden ab, wisse aber niemanden, der so gehandelt habe. Waigel dazu: "Das nehme ich ihm nicht ab."

    Langjährige Rivalität

    Ein Satz, den der CSU-Ehrenvorsitzende in diesen Tagen auch in Interviews wiederholt. "Denn dass es niemand gewesen wäre, dass es niemand gegeben habe, dass man niemand gekannt habe, der in der Zeit mit solchen Dingen spekuliert hat, das glaube ich nicht", betonte Waigel beispielsweise im Interview mit dem ARD-Politmagazin "report München".

    Stoiber selbst äußerte sich diplomatisch zu Waigels Vorwürfen. "Jeder Mensch hat einen eigenen Blick auf die Vergangenheit. Tatsache ist, dass die überwältigende Mehrheit der CSU-Landtagsfraktion mir 1993 das Vertrauen ausgesprochen hatte. Das war kein Misstrauensvotum gegen Theo Waigel", sagte er der "F.A.Z.". Für ihn selbst stehe "auch in der Rückschau im Mittelpunkt, dass die Jahre der Doppelspitze mit Theo Waigel im Ergebnis sehr erfolgreiche Jahre für Bayern und die CSU waren", so Stoiber.

    "Auf Stoibers Dank konnte niemand bauen"

    Mit niemandem geht Waigel in seinem Buch so hart ins Gericht wie mit Stoiber. Er habe damals die Befürchtung gehabt, Stoiber würde als Ministerpräsident "in seinem bekannten Aktionismus unaufhörlich eine Gegenposition zur CSU-Politik in Bonn aufbauen und mir als Parteivorsitzendem das Leben schwer machen", erinnert sich der Ex-Bundesfinanzminister. "Leider hat mich diese Ahnung nicht getrogen."

    Waigel schildert, er habe sich als CSU-Chef damals mit Stoiber auf eine eindeutige Kursbestimmung geeinigt - und die "Unterstützung der Finanz- und Europapolitik des Parteivorsitzenden" verlangt. Das habe ihm der CSU-Vorstand zwar zugesagt, "doch diese Unterstützung habe ich in den folgenden Jahren vermisst". Und er fügt vielsagend hinzu: "Anzumerken ist: Auf Stoibers Dank konnte niemand bauen." Nach der Landtags- und Bundestagswahl 1994 habe Stoiber jede Möglichkeit genutzt, "um sich mir, Bundeskanzler Kohl und der Politik in Bonn gegenüber abzugrenzen". In einem "Spiegel"-Interview ergänzte Waigel noch: "Stoiber hat damals auf Populismus gesetzt und mir das Leben ganz schön schwer gemacht."

    "Glücksfall" Seehofer

    Zumindest attestiert Waigel seinem Rivalen Stoiber, dass er in der Landespolitik "durchaus erfolgreich" gewesen sei. Deutlich positiver fällt sein Urteil über Horst Seehofer aus, der seit wenigen Wochen der dritte CSU-Ehrenvorsitzende ist. "Er war auch als Ministerpräsident ein Glücksfall für die CSU", sagte Waigel in einem seiner Interviews.

    Allerdings verwies er auch auf Meinungsverschiedenheiten mit Seehofer über die Strategie bei der Europawahl 2014: "Ich habe ihm zwei Briefe geschrieben, die ich nie an die Öffentlichkeit gegeben habe und die nur für ihn bestimmt waren. Die hat er als unangemessen empfunden", schilderte "Mr. Euro" Waigel dem "Spiegel". "Leider habe ich dann recht behalten, die Wahl ist für die CSU nicht gut ausgegangen."

    Europapolitik im Fokus

    Europapolitik steht auch im Mittelpunkt des "feierlichen" Symposiums, zu dem Parteichef Markus Söder für den 29. April in München eingeladen hat. Neben vielen Freunden und Wegbegleitern Waigels sollen daran als Ehrengäste auch Ex-Bundespräsident Horst Köhler und der Spitzenkandidat der europäischen Konservativen für die Europawahl, Manfred Weber, teilnehmen.

    © picture-alliance / dpa

    Blick zurück: Stoiber, Waigel und Streibl im Jahr 1993