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Fabienne Kohlmann

2010 landete Läuferin Fabienne Kohlmann bei der Leichtathletik-EM in Barcelona bei der 4 x 400-Meter-Staffel nach dem Team aus Russland auf dem zweiten Platz. Im Juni 2018 änderte der europäische Leichtathletikverband die offiziellen Ergebnislisten der Leichtathletik EM 2010 – die siegreichen Russinnen wurden wegen Dopings disqualifiziert. Damit landete das deutsche Team auf Platz eins. Der plötzliche Gewinn des Titels löste bei Kohlmann ein Wechselbad der Gefühle aus, als sie von der Neuigkeit erfuhr:

"Es ist zum Lachen und zum Weinen: Der Moment, in dem der Sieg die größte Bedeutung gehabt hätte – nämlich beim Überqueren der Ziellinie – ist schon lange vergangen." Fabienne Kohlmann

Fabienne Kohlmann bei den Europameisterschaften 2010 in Barcelona

Fabienne Kohlmann bei den Europameisterschaften 2010 in Barcelona

Gewinn und trotzdem Verlust

Über ihre Gefühle zu dem späten Sieg äußerte sich Kohlmann folgendermaßen: "Neben kurzem Herzklopfen und nostalgischer Freude am Ende jedoch die sarkastische Frage: Na und?" Denn für Kohlmann und ihre Teamkolleginnen Esther Cremer, Claudi Grunwald, Janin March und Jill Richards gleicht der nachtägliche Gewinn schmerzliche Verluste nicht aus: Siegerehrung, Nationalhymne, möglichen Sponsorenverträgen, Prämien, Perspektiven für Gold blieben ihnen verwehrt.

Jubel beim deutschen Leichtathletikteam 2010

Jubel beim deutschen Leichtathletikteam 2010

Doping: Ehrliche Sportler werden um ihren Lohn betrogen

Die Läuferin kritisiert, dass sich einfach manche Sportler(innen) nicht an Regeln halten können und betrügen, was das Zeug hält.

"Es ist mir unbegreiflich, wie man sich zu Doping herablassen kann und danach auf dem Siegerpodest so tun kann, als ob man die Ehrung verdient hätte." Fabienne Kohlmann

Fabienne Kohlmann

Fabienne Kohlmann ist im Karlstadter Stadtteil Gambach aufgewachsen und startet für die Leichtathletikgemeinschaft Karlstadt-Gambach-Lohr. Die studierte Psychologin lebt heute in München. Seit Sommer 2016 hat Unterfrankens erfolgreichste Leichtathletin eine lange Durststrecke mit gescheiterten Laufversuchen, erfolglosen Therapien, einer Sehnenverletzung und Laufpausen hinter sich. Seit Oktober 2017 trainiert sie wieder. Inzwischen gehört die 29-Jährige der Sportfördergruppe der Bundeswehr an.